Kapitel 157

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Grübelnd, bedrückt und eher kühl, war auch die Stimmung in den darauffolgenden Tagen im Hause Haber Rajamaa. Keine guten Voraussetzungen, für die Tour, die unmittelbar vor der Tür stand. Mit Mikko, hatte Samu kein Wort mehr gewechselt. Die Anrufe ignorierte und auf seine Nachrichten reagierte er nicht. Es reichte, dass er ihm heute wieder unter die Augen treten musste. Ungewohnt ruhig und ohne Hektik, verlief der Tourstart Morgen. Kühle, fast schon abweisende Stimmung, hatte sich in den letzten Tagen, seit dem Gespräch bei Mikko, ausgebreitet. Riku schlief weiterhin im Gästezimmer, weil er Samus Nähe einfach nicht ertrug. Weshalb konnte er nicht erklären. Irgendwas, sträubte sich in ihm. Riku wusste jedoch, dass er das ändern musste, wenn sie all die neuen Auflagen, durch die, in gewisser Weise ihr Leben bestimmt wird, gemeinsam meistern wollten. Denn wenn nicht, konnten sie es jetzt und hier beenden. Als einsame Einzelkämpfer, machte es keinen Sinn und würden sie, früher oder später, verlieren. Vor allem er. Riku brauchte die Gewissheit, dass Samu zu ihm stand. In jeder Lebenslage. Wenn auch nicht in der Öffentlichkeit. Anders, konnte Riku nicht weiter machen. Bei aller Liebe nicht. Diese und noch tausend schwere Gedanken, lasteten seit ein paar Tagen auf Riku. Ihre schöne, mühevoll aufgebaute Welt, geriet nicht bloss ins Wanken, sondern zerplatzte, wie eine Seifenblase. Was zurück blieb, war die nüchterne, kalte Realität, die sie immer wieder versuchten zu verdrängen. Weit weg, von sich zu schieben.
Die Stimmung ins Gesicht geschrieben, kamen beide aus der Haustür, als es draussen hupte. Sami, beziehungsweise Liina, machte heute den Fahrdienst zum Flughafen. Das konnte ja heiter werden, dachte sich Sami. Ein knappes Morgen und dann herrschte wieder Stille. Nur die leise Musik, wirkte dem ein bisschen entgegen. Ohne, würde man es kaum aushalten. „Danke.“ Brachte Riku ein knappes Lächeln, an Liina gerichtet, zustande, bevor er sein Gepäck nahm und die anderen beiden einfach stehen liess. Samu seufzte. „Frag nicht.“ Gab er die Antwort, bevor Sami überhaupt ansetzen konnte. Da gab es wohl dieses Mal, kein endloses Gekuschel und morgendlicher Sex in der Dusche. Sami fehlte es schon jetzt. Denn das gehörte zu ihrem Tour Leben, dass es schwer war, es sich ohne vor zu stellen. „Ich liebe dich, Kleines.“ Wandte er sich jetzt aber Liina zu. Fest schloss er sie in seine Arme und gab ihr einen liebevollen Kuss. „Ich liebe dich auch, mein Bärchen!“ Sah sie verliebt zu ihm hoch. Dieses wundervolle Bild, tat Samu im Herzen weh. Tränen, brannten in seinen Augen. Er wollte das auch wieder. Was würde Samu jetzt für ihre obligate, letzte Umarmung mit intensivem Kuss, geben. Wie beneidete er Sami und die anderen Jungs dafür, dass sie ein ganz normales Liebesleben führen konnten. „Pass auf dich auf.“ Liinas Blick schweifte zu Samu, in dessen Augen sie die Tränen schimmern sah. „Und auf meine zwei Lieblings Verliebten.“ Sami folgte Liinas Blick. Er hasste es, wenn seine Freunde weinten. „Das werde ich.“ Noch ein Kuss und Liina stieg ein. Als sie davon fuhr, nahm Sami seinen Freund in den Arm. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Er war so ein toller Mensch. „Komm, lass uns gehen.“ Klopfte Sami Samu auf die Schulter. Schniefend, atmete dieser tief durch. Wischte sich dann einmal übers Gesicht.
Alle waren sie schon versammelt, als auch noch die beiden dazu stiessen. Ein Bild, was sich ihnen so nicht mehr geboten hatte, seit Samu und Riku zusammen waren. Eigentlich, seit Riku zu ihnen gehörte. Die ersten erstaunten Blicke, traffen ein paar Minuten zuvor bereits Riku, als der ohne Samu auftauchte. Dieser stand etwas abseits von allen. Die verweinten Augen von Samu, waren ihm jedoch nicht entgangen. Was würde er jetzt dafür tun, diesen einfach ganz fest in seine Arme zu schliessen. „Samu, ich...“ Samu hob die Hand und brachte Mikko so zum Schweigen. „Wage es nicht, jetzt genau in dem Augenblick, ein einziges Wort mit mir zu wechseln. Du würdest es nicht überleben.“ Samus Stimme, genau wie sein Blick, waren eisig.  „Und auch sonst, die nächsten Wochen, nicht mehr als nötig ist.“ Mikko wollte zu einem neuen Versuch ansetzen, als Sami ihm einen vielsagenden Blick zu warf und kaum merklich den Kopf schüttelte.
„Können wir die Plätze tauschen.“ Hielt Riku Sami an der Schulter zurück, sich auf dessen Platz zu setzen. Dieser hielt kurz inne. Das jetzt nicht auch noch. „Ähm ja...wenn du willst.“ – „Danke!“ Lächelte Riku gequält. Von wollen, war gar nicht die Rede. Man konnte den Problemen auch aus dem Weg gehen. Und wenn er sich jetzt neben Samu setzte, denn er so verdammt vermisste, gab es nur Probleme. Ausserdem, hasste er Mikkos Blick, der immer auf ihnen beiden lag. Rikus Worte, versetzten Samu einen Stich. So weit, war es also schon gekommen. Am liebsten wäre er wieder aus diesem verdammten Flugzeug ausgestiegen. Sollte doch ein anderer Depp seinen Job machen. Auf einen Schlag, wäre er alle Probleme los. „Sorry“, sagte Sami leise. Er bemerkte Samus angespannten Körper. Es schien, als würde er jeden Augenblick explodieren. Stattdessen, liefen ihm irgendwann, nach dem Samu sich Musik in die Ohren gesteckt hatte, um nichts mehr um sich herum wahrzunehmen, stumme Tränen aus den geschlossen Augen. Sami musste sogar für Samu das Essen und Trinken wählen. Was dieser, ausser dem Kaffee und Wasser, jedoch nicht an rührte. Weshalb Sami das Sandwich in seinen Rucksack steckte. Der Flug verlief ruhig. Samu verliess als Letzter ihrer Gruppe, das Flugzeug. Noch nie oder schon lange nicht mehr, war es Samu so zuwider, auf Tour zu gehen. Am meisten kotzte ihn die Vorstellung an, sich mit Mikko im selben Bus aufzuhalten. Riku war schon weg, als Samu endlich bei der Gepäckausgabe an kam. Die Stimmung, hätte gedrückter nicht sein können. Mikko verabschiedete sich dort. Er wollte gleich weiter zur nächsten Location fahren, während die Jungs, mit Mike zur ersten fuhren. Scheinbar war diese Tour etwas Neues, von dem Samu und Riku nichts wussten, da sie bei der letzten Besprechung nicht dabei waren. Sollte Samu auch recht sein. Riku der ihn mied, reichte vollkommen aus. Fragend sah er Samu an. „Erkläre ich dir später. Es gab ein paar Infos.“ – „Der kann, von mir aus in Helsinki bleiben.“ War Samu wenig beeindruckt. Als hätten sie alle Zeit der Welt, rauchte Samu noch eine vor dem Bus. „Samu, komm jetzt bitte!“ Schaute Mike aus dem Bus. Seufzend und unmotiviert wie schon lange nicht mehr, drückte er seine Zigarette aus und stieg in den Bus. „Willst du reden?“ Sah Mike ihn fragend an, während er die Türen schloss und los fuhr. Ihm war die Stimmung natürlich schon längst aufgefallen. Allein schon, dass Riku nicht mit Samu hier auftauchte, sprach für sich. „Nein.“ Antwortete Samu etwas zu forsch. „Tut mir leid!“ – „Alles gut, Samu. Du weisst, wo ich bin, wenn du mich brauchst.“ Samu nickte und brachte tatsächlich ein leichtes Lächeln zu Stande. Er verstaute seine Tasche und setzte sich auf den Rand seiner Koje. Die anderen, sassen im Aufenthaltsbereich. Nach ein paar Minuten, gesellte sich Samu dazu. Bekam auch sogleich ein Bier von Sami. Riku sass schweigend und abwesend in einer Ecke. Ihre Blicke trafen sich kurz, als Samu erschien. Nicht das einzige Mal. Riku sah immer wieder zu ihm rüber. „Willst du mir was sagen?“ Hielt Samu diese Blicke nicht mehr aus. Erschrocken schüttelte Riku den Kopf. „Dann lass es!“ Samus Wut, die er die ganzen Stunden in Schach gehalten hatte, brodelte wieder heiss in ihm. „Aber ich sag dir eines...“ Stand er ruckartig auf. „Wenn du dich dafür entschieden hast, von nun an und während der ganzen Tour, nicht mehr mit mir zu sprechen, dann fliege ich vom nächsten Flughafen her, wieder nachhause und ihr alle, könnt den ganzen Scheiss alleine machen.“ Alle anderen da mit hinein zu ziehen, war unfair. Samu musste sich jetzt einfach Luft verschaffen. „Ich halte das nicht mehr aus. Hörst du? Seit Tagen, zeigst du mir die kalte Schulter. Gehst mir aus dem Weg. Während ich mich, schmerzlich nach deiner Nähe verzehre.“ – „Es geht nicht immer nur um dich, Samu.“ Konnte man diesen beschissenen Bus nicht anhalten? Samu wäre jetzt nach laut schreien. „Dann lass es. Wir hätten auch einfach mit einander reden können.“ – „Was soll das bringen?“ War nun auch Riku aufgestanden. „Du hast dich doch schon entschieden. Eine Freundin zum Schein zu haben, ist ja auch eine so tolle Idee. Doch weisst du was? Ich denke eher, dass ich dann irgendwann zum Schein werde. Zum Schatten von dir. Und darauf, habe ich keine Lust. Einmal nur die zweite Geige zu spielen, reicht mir vollkommen aus.“ So viel und energisch, hatten ihn die anderen noch nie sprechen hören. „Ich habe mich nicht entschieden. Das war Mikko. Du warst dabei. Denkst du, ich finde diese Tatsache prickelnd?“  „Anscheinend schon. Hast du ja schon mal geübt, wie es sich anfühlt.“ – „Herrgott, es ist nichts passiert. Wie oft soll ich dir das noch sagen?“ Sami verdrehte die Augen. Das war kaum zum aushalten mit den beiden. „Ja, dieses Mal nicht. Aber...“ – „ES REICHT!“ Stand er nun auf. „Wenn ihr so weiter macht, sage ich Mike, dass er euch irgendwo absetzt, damit ihr euch dort anschreien und eine rein hauen könnt. Aber wir haben keine Lust darauf. Also reisst euch zusammen. Oder noch besser, redet endlich wie erwachsene Männer darüber. Das ist ja nicht mit an zusehen.“ Setzte sich Sami wieder hin. Stille. Wie herrlich. Samu knallte das Bier auf den Tisch und ging. Weit weg von Riku. So weit weg es in einem Bus nun mal möglich war. Mike war das Weiteste, was ging. Kurz sah dieser zu ihm. Sagte jedoch nichts.

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