Kapitel 41

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Vier elend lange Tage, die Samu vor kamen, wie die längsten in seinem Leben. Dagegen waren die drei Wochen Amerika, ein Spaziergang. Vor vier Tagen, verliess Riku fluchtartig Samus Wohnung. Und er hatte keine Ahnung, wo sich sein bester Freund gerade aufhielt. Ob es ihm gut ging. Was er machte. Ob er an ihn und das, was er gesagt hatte, dachte. Denn Riku war nicht Zuhause, noch ging er an sein Telefon. Diese Ungewissheit, machte Samu beinahe wahnsinnig.
Einen anderen Gedanken als Riku, wälzte Samu nicht. Einen Kopf für Musik, hatte er kaum noch, seit ihm der eine Song, wieder einmal einfach so, aus dem Kopf oder wohl eher aus dem Herzen sprang.
Noch drei Tage und dann fing die Arbeit wieder an und er musste bis dahin seinen Kopf frei kriegen. Doch Samu hatte einfach zu viel Zeit und zu wenig Ablenkung, um auf andere Gedanken zu kommen. Wenn er nicht gerade da sass und Löcher in die Luft starrte, war er draussen und powerte seinen müden Körper noch mehr aus. Die Kälte war am Anfang echt hart und anstrengend. Doch nach dem zweiten Mal, ging es.
Er konnte jedoch nicht dauernd, wie ein Beklobter in der Gegend herum rennen. Dies machte Samu nämlich nur, weil ihm Zuhause die Decke auf den Kopf fiel. Er konnte seine verdammte Wohnung einfach nicht mehr sehen. Allein die Stille darin, war unerträglich. Da kam ihm eine helfende Idee.
„Hey Jukka, hast du Zeit?“ – „Na Blondie? Alles gut? Ausgeschlafen?“ – „Lust auf ein paar Stunden Studio?“, ging Samu nicht auf Jukkas Fragen ein, was diesen stutzig werden liess. Grundsätzlich klang er merkwürdig. Warum rief er ihn an und ging nicht einfach mit Riku ins Studio?„Bin gerade unterwegs und kann in einer halben Stunde beim Studio sein. Wenn dir das auch passt?“ – „Klingt gut! Danke!“ – „Kein Problem! Dafür sind Freunde ja da!“, beendete Jukka das Telefonat.
Jukkas Aussage, trieb Samu erneut Tränen in die Augen. Freunde. Seinen besten Freund, hatte er vor vier Tagen vertrieben und damit auch verloren.
Samu huschte kurz unter die Dusche und machte sich dann auf den Weg ins Studio.

„Na Samu, alles gut?“, begrüsste ihn Jukka, der auch gerade ankam.
„Ging schon mal besser.“
„Ja, so siehst du auch aus. Willst du reden?“
Samu schüttelte energisch den Kopf. „Nur Musik machen.“
„Ok.“ Jukka wusste, dass Samu von sich aus reden würde, wenn er das wollte. Bis dahin, war er einfach da für ihn. Denn Jukka konnte es in seinen Augen sehen, dass es wohl nicht allzu lange dauern würde. Samus Augen überliefen beinahe. Dies nicht bloss von den Tränen, die darin schimmerten. „Dann bringen wir dich mal auf andere Gedanken.“, klopfte er Samu auf die Schulter.
Samu atmete tief durch und folgte Jukka ins Studio.

Sie feilten etwas an den Songs, die Samu aus Amerika mit gebracht hatte. Nachdenklich lehnte sich Jukka auf seinem Stuhl zurück. Ob das damit was werden würde? Die Songs waren gut. Teils auch mit eingängigen Melodien. Die ein oder andere Ballade, die besonders bei den weiblichen Fans ankommen würden. Doch keiner, riss ihn jetzt so vom Hocker, dass er sagen könnte, dies wird dieser eine Hit, denn Sunrise Avenue unbedingt brauchte, um weiter bestehen zu können.
„Ich weiss, sie sind nicht so der Knaller.“
„Mit der Band zusammen, kann man sicher so einiges aus ihnen heraus holen. Ich mache mir da eher Sorgen wegen den Bossen in der Teppichetage.“
„Ich ehm...ich habe da noch einen. Ich habe ihn am letzten Abend in Amerika geschrieben.“
„Dann lass hören.“, sagte Jukka.
Samu stimmte den Song erst einmal in der Akustik Version an. Jukkas Gesichtsausdruck sprach Bände, als Samu die Augen wieder öffnete, nachdem er den Song beendet hatte.„Das ist er, Samu! Glaub mir.“
„Das hat Riku auch gesagt.“, fragend sah Jukka ihn an. „Er hat ihn schon gehört. Ich musste ihn einfach anrufen, nachdem der Song, innerhalb kürzester Zeit einfach so da war.“
Das erstaunt Jukka kein bisschen. Die Zwei gehörten, auf welche Art und Weise auch immer, einfach zusammen. Einer ohne den Anderen, war doch gar nicht möglich. Musikalisch gesehen, zumindest schon mal nicht. Doch Jukka hatte schon lange einen ganz bestimmten Verdacht. Wenn ihn sein Gespür nicht ganz in die Irre führte, dann hatte Samus Stimmung mit Riku zu tun. Vielleicht auch mit seinem Verdacht. Er würde noch etwas zu warten. Doch heute könnte der geeignete Zeitpunkt sein, um Samu etwas, in diese Richtung, zu entlocken.
„Vor ein paar Tagen, haben wir daran herum gebastelt.“
„Muss ich dir heute alles aus der Nase ziehen?“, fragte Jukka.
„Hier!“, legte Samu die Aufnahmen auf den Tisch. „Ich bin draussen, eine rauchen.“
Die Stirn runzelnd, sah Jukka ihm nach. Der Song war der genau das, was die Plattenfirma wohl gesucht hatte. Einfach und deshalb so eingängig, fand Jukka. Doch jetzt war erst einmal sein bester Kumpel an der Reihe.

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