Kapitel 43

552 17 4
                                        

Wie lange sie so da sassen, wussten beide nicht. Es war auch nicht wichtig. Nichts, war in dem Augenblick noch wichtig.
Irgendwann, löste sich Samu leicht von Riku und sah ihn an. Auch wenn es Samu schwer fiel. Denn er hatte das Gefühl, jemand hätte Sand in seine Augen gestreut, so schmerzten sie. „Meinst du das wirklich ernst?“, er konnte es noch gar nicht richtig glauben, was Riku ihm gesagt hatte. Es war einfach zu schön um wahr zu sein.
„So etwas sage ich doch nicht einfach so.“ Riku strich Samu die Tränen von den Wangen.
„Du...du liebst...mich?“, kam noch einmal unsicher und zitternd von Samu.
Riku nickte lächelnd, wobei seine wunderschönen blaugrauen Augen zu strahlen anfingen. „Ich kann doch gar nicht mehr ohne dich, Grosser!“, er zog Samu wieder fester an sich heran und gab ihm einen sanften, schüchternen Kuss auf den Scheitel.
„Und als du in Amerika warst, genau wie die letzten Tage auch, habe ich dich so sehr vermisst, dass es schmerzte.“
Darauf sagte Samu nichts. Was sollte er auch noch sagen. Es war alles gesagt. Samu schmiegte sich fest in Rikus Umarmung und liess sich einfach so fallen. Er war endlich Zuhause.
„Warum jetzt auf einmal?“, fragte Samu, nach einem weiteren Moment der Stille.
Riku lächelte und strich Samu ein paar verirrte Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Das ist nicht heute, auf einmal, passiert. Das tue ich doch schon die ganze Zeit. Denke ich. Keine Ahnung. Aber in den letzten Tagen und vor allem heute, als ich dachte, es sei...“ Riku Schluckte. „Da war es klar, wie nie zuvor. Ich brauche dich einfach, Samu!“ Riku biss sich auf die Lippen. Dabei sah er Samu verlegen an.
„Lass das, Rik!“, brummte Samu.
„Was denn?“, fragte Riku.
„Sieh mich nicht so an. Sonst...“
In Samus Blick konnte Riku etwas sehen, was sein Herz noch schneller schlagen liess. War dies noch gesund? „Sonst was?“
Samu liess seine Hände über Rikus Wangen in seine Haare gleiten. „Rik, ich...ich...“, sehnsüchtig seufzend, liess er seine Stirn an die von Riku sinken. Noch immer verzerrte sich jede Faser seines Körpers, nach Riku. Jetzt mehr denn je. Wie gerne, hätte er ihn jetzt geküsst. Wie in seinen Träumen. Oder vielleicht auch weniger stürmisch und verlangend. Hauptsache, er konnte endlich mal diese wundervollen Lippen, auf denen immer dieses bezaubernde Lächeln lag, berühren. Nur einmal. Ein einziges Mal. Noch während Samu seine Sehnsüchte wälzte, drang Rikus Stimme an sein Ohr.
„Weiss ich doch, Samu. Ich auch!“
Fragend hob Samu den Kopf. Riku nickte nur. Fest verfingen sich ihre Blicke darauf ineinander, während ihre Gesichter sich langsam näherten. Der warme Atem des anderen, traf zuerst auf ihre Lippen und zog darüber, wie ein laues Sommerlüftchen. Die Luft brannte förmlich. Samu war als erster mutig und strich einmal, nur einmal, vorsichtig als würden sie zerbrechen, wenn er sie berührte, über Rikus Lippen. Genüsslich seufzte Riku und schloss die Augen. Was Samu zum lächeln brachte, als er ihn ansah. Es war ein schöner Anblick. Also tat Samu es noch einmal. Es war schöner als jede Vorstellung und jeder Traum zusammen. Doch ehe er sich wieder von Riku lösen konnte, legte dieser seine Hände in Samus Nacken, um ihn bei sich zu behalten. Riku wollte Samus Lippen auch spüren. Sie schmecken. Von ihnen kosten. Rikus Herz schlug heftig in seiner Brust und er hatte das Gefühl, statt Blut, pumpe es die Liebe durch seine Adern. Eine angenehm, kribbelnde Wärme, breitete sich dabei in Rikus Körper aus. Das musste das Gefühl der echten, wahrhaftigen Liebe sein. Jetzt, wurde Riku so richtig bewusst, dass er dies so noch nie gefühlt hatte. Es war ein Gefühl, welches Riku nie mehr verlieren wollte und hergeben würde. Für immer, wollte er es sich, tief in sich drinnen, bewahren. Für sich selbst und für Samu. Für sie beide und ihre gemeinsame Liebe.
Riku vergub seine Finger in Samus Haaren und zog sein Gesicht näher an sich heran. Was dann geschah, war wie eine Explosion. Als sich ihre Lippen endlich richtig trafen und vereinten. Ein mehr als erleichtertes Seufzen, entwich dabei beiden und sie gaben sich dem süssen, liebevollen Kuss des anderen hin. Kein Kuss, der nach mehr verlangte. Sondern einer, der ein sachtes Herantasten war. An das, was noch kommen mag. An ihre gemeinsame Liebe. Sachte strich Samu mit seiner Nase an der von Riku entlang, als sich ihre Lippen von einander gelöst hatten. Ein Kribbeln durchfuhr seinen Körper und wollte ihn nicht mehr los lassen.
„Lass uns weg fahren.“, kam flüsternd von Riku. Dieser Kuss und Samus leichte Berührung mit der Nase, die jedoch voll von tausenden Gefühlen war, liess den unbändigen Drang in Riku ausbrechen, mit ihm alleine zu sein.
Samu hob den Kopf und sah Riku an. „Wegfahren?“
„Ja. Wir beide. Einfach irgendwohin, wo es keinen Alltag gibt. Keine Vergangenheit und keine Zukunft. Sondern nur uns beide und die Gegenwart.“ Samu überlegte.
„Um...um das alles...uns beide, richtig zu begreifen und zu geniessen.“, sprach Riku weiter.
„Und wohin?“ Rikus Vorschlag klang mehr als gut. Doch sie hatten nur noch drei Tage, bevor sie wieder im Studio sein mussten.
„Du wolltest doch mein Mökki sehen.“
Samu grinste schief. „Und du wolltest mit mir ein paar Tage raus fahren, wenn ich wieder Zuhause bin.“
Riku nickte. „Und du bist endlich wieder Zuhause!“
„Seit heute, ja!“, noch einmal kostete Samu von Rikus Lippen. „Du hast mich zurück nach Hause geholt!“ Samu legte seinen Kopf in Rikus Halsbeuge und sog dessen Duft in sich auf. Tief und fest. Bis er ihn umhüllte und ihm schier die Sinne vernebelte und den Verstand raubte. „Ist dein Mökki weit weg?“
„Weit genug, um vom Alltag zu fliehen.“
„Dann lass uns jetzt gehen, Rik.“
„Jetzt?“ Rikus Blick schweifte kurz nach draussen.„Es ist schon fast dunkel Samu.“
„Ich weiss. Aber noch nicht so spät. Und wir haben nur noch drei Tage frei.“ Samu sah Riku sehnsüchtig an. Alles was er wollte, war einfach nur noch mit Riku alleine sein. Ohne, dass jemand wusste, wo sie waren und ohne gestört zu werden.„Ich...ich fahr heute nicht mehr, Samu.“ Riku sah Samu entschuldigend an.
„Das musst du auch nicht. Dafür hast du ja mich.“ Samu fing an, Rikus Lippen mit kleinen, federleichten Küssen zu bedecken. „Bitte, Rik.“, nuschelte Samu an dessen Lippen, von denen er nicht mehr genug bekam.
Riku seufzte. Wie konnte er da schon widerstehen. Und die Vorstellung, Samu endlich für sich zu haben, jagte eine kaum zu bändigende Freude durch seinen Körper. „Na gut! Aber nur, wenn du mit meinem Wagen fährst.“
„Meiner ist ja nicht hier. Da kommt mir in den Sinn, dass ich noch schnell nach Hause muss, um ein paar Klamotten zu holen. Kann ich kurz deinen Wagen nehmen?“ Riku lächelte. „Was?“, wollte Samu darauf wissen.
„Nichts. Es ist einfach schön!“
Samu grinste. „Es wird noch viel schöner, in den nächsten Tagen! Versprochen!“ Samu knabberte noch einmal an Rikus Lippen, bevor er sich von ihm löste und aufstand. Es war langsam aber sicher etwas ungemütlich hier am Boden vor der Tür. Riku zog er gleich mit sich hoch und legte die Arme um seine Hüften. „Hast du was zu Essen im Mökki?“, sah er Riku fragend an.
„Weiss nicht genau, wie lange es noch reicht. Ich war ja die letzten Tage oben. Aber auf dem Weg dorthin, gibt es einen kleinen Laden. Der sollte auch noch offen sein, bis wir dort sind.“
Samu nickte, liess Riku aus seiner Umarmung und wandte sich zum gehen.
„Samu!“, fragend drehte dieser sich noch einmal um. „Lass mich nicht zu lange warten.“, in Rikus Blick, konnte Samu etwas sehnsüchtiges sehen.„Niemals!“ Samu gab ihm noch einmal einen langen Kuss. „Ich liebe dich!“, mit diesen Worten und einem strahlenden Lächeln, welches die verweinten Augen beinahe überdeckte, verliess Samu die Wohnung.

Leave the past behindeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt