Dementsprechend nervös, war Samu an jenem Morgen dann auch, an dem es los, über den grossen Teich, ging. Mikko war schon drüben und würde Samu, in der ersten Zeit, zur Seite stehen. Einmal mehr, stand etwas an, was massgebend über ihre Zukunft entscheiden wird. Würde das irgendwann aufhören?
„Hier dein Kaffee.", riss Riku ihn aus seinen Gedanken. Für Riku war es keine Frage, dass er Samu zum Flughafen fuhr. Auch wenn sie mehrheitlich schweigend nebeneinander sassen, so war ihm Samu unglaublich dankbar dafür. Er war froh, Riku, wenigstens noch diese kurze Zeit, bei sich zu haben, bis es dann doch Zeit wurde.
„Ich wünsche dir eine ganz tolle Zeit, Grosser! Geniesse sie, trotz der Arbeit und lass dich so richtig inspirieren. Und ganz wichtig, lass dich nicht unterkriegen. Doch das muss ich dir ja nicht sagen.", schloss Riku seinen besten Freund in seine Arme und drückte ihn fest an sich. Es würde merkwürdig sein, Samu nicht mehr einfach schnell mal besuchen zu können, einfach um hallo zu sagen oder einen Männerabend zu machen. Den grossen Blonden, nicht mehr dauernd um sich zu haben.
Samu seufzte. Dies würde ihm fehlen, dass wusste er jetzt schon. Jetzt konnte er dann nicht eben schnell zu Riku fahren, wenn ihn etwas bedrückte. Sei es auch nur eine neue Songidee. Telefonieren, musste für die nächsten Wochen ausreichen.
„Ich werde dich anrufen! Jeden Tag!" Riku lachte auf. „Glaubst du mir etwa nicht?" Samu sah ihn entrüstet an.
„Natürlich! Zumindest, dass du es vor hast. Doch wirst du irgendwann so in dem Strudel an Neuem und vielen erfrischenden Eindrücken sein und in diesem temporären 'neuen' Leben, dass du es vergessen wirst. Was nicht einmal böse Absicht sein wird."
„Ich würde dich nie vergessen! Und wenn sie mich ans andere Ende der Welt schicken würden. Niemals!" Samu drückte Riku, ein letztes Mal und wie als Bekräftigung seiner Worte, fest an sich, bevor er endgültig los musste. Ein letzter Blick zurück und die nächsten Wochen, würde sie beide, die besten Freunde, tausende von Kilometern trennen.
Riku hatte recht. Die Zeit verging wie im Fluge. Die drei Wochen, die Samu nun schon in Amerika war, gingen so schnell vorbei, dass er selber gar nicht hinterher kam mit gucken. All die neuen Eindrücke, das Neue grundsätzlich und die viele Arbeit, führten dazu. Ebenfalls recht, hatte Riku mit der Tatsache, was das Telefonieren an ging. Es stellte sich als nicht sehr einfach heraus, was allerdings mehrheitlich an der Zeitverschiebung lag. Ausser mal ein paar kurze Nachrichten, um zu hören, wie es ihm so ging, war Funkstille. Dabei hätte Samu Riku so viel zu erzählen gehabt.
Doch nach drei Wochen, war die grösste Arbeit getan, so dass Samu endlich einmal Zeit hatte, durch zu atmen. Er setzte sich gemütlich auf den Balkon seines Hotelzimmers, mit Blick auf die berühmten Hollywood Hills. Genehmigte sich ein Bier und hatte endlich Zeit, um seinen Freund an zu rufen. Er vermisste ihn.
„Ach hör mal einer, wer noch weiss, wie man telefoniert.", lachte Riku, als er den Telefonanruf entgegen nahm.
„Nette Begrüssung, Rik." Rikus Worte, taten Samu weh, auch wenn er wusste, dass Riku sie nicht so meinte, wie sir klangen.
„Tut mir leid! Ich meinte es nicht so!", lachte Riku nur noch mehr.
Wie sehr Samu das gefehlte hatte. Es tat gut, Rikus Stimme endlich wieder zu hören. Samu stellte sich gerade vor, wie er jetzt mit Riku zusammen ein Bier trank und sie einfach quatschten. Dabei würde Samu vielleicht auch seinen Kopf auf Rikus Schulter legen, wie er es immer mal wieder machte. Einfach, weil er sich so wohl fühlte, in Rikus Gegenwart und sich fallen lassen konnte. Samu entwich ein Seufzen.
„Hey Grosser, was ist los?", fragte Riku.
Samu konnte die Falte in Rikus Stirn sehen, als er ihn das fragte. „Ach, es waren einfach drei sehr anstrengende Wochen. Nicht nur, was die Arbeit an ging. Auch die vielen neuen Eindrücke und das alles. Es ist das erste Mal, dass ich mich einfach mal hinsetzen konnte, ohne immer wieder auf die Uhr zu sehen, wann ich wieder los muss."
„Und jetzt fällt die ganze Anspannung von dir?"
Riku verstand ihn einfach. Auch wenn tausende Kilometer zwischen ihnen lagen. „Etwa so, ja."
„Dann erzähl mal von deinem aufregenden Leben in Amerika."
„Rik, das ist nicht mein Leben. Das ist mein Job. Mein Leben ist in Finnland. Auch wenn Amerika toll ist und so einiges zu bieten hat, so würde ich niemals hier bleiben wollen. Denn, was soll ich hier, wenn meine Familie und Freunde nicht da sind. Wenn du nicht da bist." Stille.
„Ich weiss, Samu. Aber erzähl mir dennoch von den letzten drei Wochen."
Samu kam Rikus Wunsch und seinem inneren Drang, einfach mal alles los zu werden, nach.
„Das klingt toll und nach recht viel Arbeit. Verstehe, wenn du fix und alle bist. Hast du jetzt etwas frei?", sagte Riku auf Samus endlos langen Erzählungen, denen er aufmerksam lauschte. Es war schön, nicht nur von Samu zu lesen, sondern, auch mal wieder seine Stimme zu hören. Es war, als würden sie jetzt zusammen sitzen und ein Bier trinken.
„Ja, etwa zwei oder drei Tage. Weiss nicht genau. Zwei ganz sicher. Danach wird es wohl noch eine Woche gehen. Vielleicht auch zwei. Mal sehen. Ich werde mich melden, wenn ich es genau weiss. Versprochen!"
Ein unbekannte Freude durchfuhr Riku, als ihm Samu sagte, dass er wohl nur noch eine Woche auf ihn verzichten musste. Er vermisste den grossen Kuschelbär.
„Und du, was machst du so die ganze Zeit?", wollte nun auch Samu etwas aus dem weit entfernten Finnland erfahren.
„Ach, so dies und das."
Samu entfuhr ein Lachen. Wenn Riku so etwas sagte, bekam er immer diesen Himmelfahrtsblick. „Das klingt ja interessant!"
„Weil ich nicht viel mehr mache, ausser Ausspannen."
Ausspannen war das richtige Stichwort für Samu, wenn er wieder Zuhause war. „Zwischendurch spiele ich im Kuudes Linja, um nicht aus der Übung zu kommen. Und arbeite ein bisschen an neuen Songideen."
„Kannst du dann nicht bitte den Hit für mich schreiben?"
„Das mach mal schön selber.", lachte Riku.
Samu konnte die Fältchen vor sich sehen, die sich um Rikus Augen bildeten, wenn er lachte. Genau wie die kleine Narbe, auf der linken Seite an seinem Kinn. Samu schloss die Augen und strich sich, fast schon verzweifelt durch die Haare. Was sollte das?
„Samu?" Riku lauschte. „Hey Hapa, bist du noch da?"
„Ja...ja natürlich!"
„Ich muss dir nämlich noch etwas erzählen." Riku klang aufgeregt. Samu war gespannt. „Ich habe jetzt ein Mökki!"
„Echt? Das ist ja cool!"
„Ja, total entspannend. Und endlich muss ich mich nicht mehr mit irgendwem absprechen, sondern kann gehen, wann ich will, ohne Überraschungen zu erleben. Zur Zeit, bin ziemlich oft dort. Der beste Ort, um kreativ zu sein.", er war Feuer und Flamme. Dies hörte Samu durch das Telefon. Und er klang total happy. Ob da wohl noch mehr dahinter steckte, als bloss sein Mökki, grübelte Samu schon wieder nach. 'Und wenn. Was geht es dich an, Haber?', stichelte sein Unterbewusstsein.
„Wenn du wieder da bist, fahren wir mal für ein Wochenende raus! Ja?", riss ihn Riku schon wieder aus seinen Gedanken. 'Könntest du mal bei der Sache bleiben, Hapa?', herrschte Samu sich an. „Darauf freue ich mich jetzt schon!", lächelte Samu. „Bist du denn die ganze Zeit alleine in deinem Mökki?", hakte er nach.
„Mit wem, sollte ich sonst dort sein?"
„Na ja, ich weiss ja nicht. Mit den Jungs. Oder vielleicht...keine Ahnung...", versuchte sich Samu aus dieser bescheuerten Frage raus zu reden.
„Mit einer Frau?", keine Antwort war auch eine Antwort, dachte Riku, als Samu stumm blieb. „Du wärst echt der Erste, dem ich davon erzählen würde. Solltest du eigentlich wissen, Samu." Rikus Stimme klang leicht entrüstet.
„Ja, ich weiss. Tut mir leid."
„Aber wenn wir schon beim Thema sind. Was von Vivi gehört?"
„Die sehe ich in den Tagen, wenn ich frei haben."
„Ach. Sie hat frei und kommt dich besuchen? Das ist aber süss." Riku schien sich echt aufrichtig zu freuen, wenn es doch noch klappte.
„Nicht ganz so süss. Aber besser als nichts."
„Wie jetzt?" Samu sprach auch wieder in Rätseln.
„Sie ist beruflich in der Gegend und hat auch gerade ihre freien Tage. So hat es sich ergeben.", darauf Samu trocken.
„Dann geniesse es, Samu. Und vielleicht solltet ihr noch einmal mit einander sprechen. Dieses mal etwas klarer. Du weisst was ich meine. Gefühle, Vorstellungen und Erwartungen auf den Tisch. So kann jeder sagen, was er davon hält und ihr könnt ganz klar sehen, ob es eine Zukunft hat oder eben dann doch nicht."
Das klang nach einem guten Vorschlag, dachte Samu und wollte ihn sich zu Herzen nehmen. „Ich werde mal sehen, was Vivi davon hält. Danke für den, einmal mehr, guten Ratschlag!"
„Dafür sind Freunde da!" Riku gähnte. Was Samu dazu veranlasste, auf die Uhr zu sehen. „Oh scheisse Riku, tut mir leid. Ich halte dich von deinem Schönheitsschlaf ab."
„Als ob ich das nötig hätte." Rikus Stimme, klang theatralisch.
Samu lachte auf und schüttelte den Kopf. „Nein, hast du natürlich nicht. Ich lass dich jetzt dennoch schlafen."
„Ok." Riku, der fest unter die Bettdecke gekuschelt war, hätte noch Stunden mit Samu weiter quatschen können. Es tat einfach so unglaublich gut. Diese Vertrautheit und wie sie sich, bloss durch das Telefon, auch ohne Worte verstanden. „Dann mach dir ein paar schöne Tage, Hapa! Freue mich, wenn du wieder da bist!"
„Und ich erst, Rik! Du kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr ich mich freue!"
'Ich denke schon.', schoss es Riku durch den Kopf, was ihn stutzig werden liess.
„Ich melde mich, sobald ich mehr weiss! Schlaf gut, Löckchen!"
„Tschüss, Grosser!", mit diesen Worten, einem Lächeln auf dem Gesicht und einem viel besseren Gefühl in sich drinnen, beendeten sie das Telefonat.
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Leave the past behinde
FanficEin einziger Moment, kann dein ganzes Leben verändern... Mit dem Moment, als Riku Rajamaa, Musiker aus Leidenschaft und begnadeter Gitarrist, das Studio betritt, verändert sich nicht nur die Situation der finnischen Band Sunrise Avenue. Auch sein e...
