Kapitel 167

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Denn fast selben Weg, hatte auch Samu eingeschlagen. Seine Mama war immer noch der beste Ansprechpartner, wenn es um solch verworrene und fest gefahrene Dinge geht. „Was für eine schöne Überraschung!“ Rief Eve aus, als Samu vor der Tür stand. Mit ihm, hätte sie jetzt nicht gerechnet. Doch war es immer wieder schön, wenn er so unverhofft bei ihr auftauchte. Wobei es oftmals zu bedeuten hatte, dass ihn etwas bedrückte. So wie Samu aussah, war dies auch heute der Fall, ahnte es Eve. „Was führt dich zu mir, mein Junge?“ Folgte sie Samu ins Wohnzimmer, wo dieser sich seufzend auf das Sofa fallen liess. „Was ist los, Samu?“ Samu strich sich durch die Haare. „Hattest du Streit mit Riku?“ Sie hatte durch Alma von dem Artikel und den Konsequenzen, erfahren. „Das ist schon fast zur Normalität geworden.“ Liess Samu seinen Kopf gegen die Sofalehne sinken und schloss kurz die Augen. Er sah müde aus. „Damit ich dir helfen kann, weshalb du doch da bist, musst mir schon erzählen was los ist.“ – „Wenn ich nur wüsste wo anfangen...“ – „Hat es mit dem Artikel zu tun?“ Fragend sah Samu seine Mutter an. „Alma hat mir davon erzählt.“ – „Damit hat der ganze Schlamassel angefangen, ja. Und seit dem habe ich jeden Tag das Gefühl, dass mir Riku mehr und mehr entgleitet.“ Eve strich Samu über den Rücken. „Möchtest du mir nicht alles von Anfang an erzählen?“ Samu lehnte seinen Kopf gegen den von Eve. „Ach Mum. Manchmal wünschte ich mir, ich hätte einen anderen Traum gehabt. Und nicht der der Musik. Es wird alles immer komplizierter. Vielleicht jedoch auch nur, weil ich nicht so bin, wie ich sein sollte.“ – „Rede nicht so einen Quatsch, Samu. Du bist genau richtig, so wie du bist.“ – „Ach ja? Und warum darf ich das nicht jedem zeigen? Warum wäre alles viel einfacher, wenn ich Frauen lieben würde?“ War Samu aufgestanden. „Weil die Welt engstirnig ist. Vorbilder, wie ihr welche seid, sollten dem Standart entsprechen. Gleichzeitig am liebsten, ein Leben lang Single.“ – „Und wann wird die Welt für uns bereit sein?“ – „Dann, wenn du es bist.“ Samu sah seine Mutter kritisch an. „Das heisst, ich soll alles, was ich mir bis jetzt erarbeitet habe, aufs Spiel setzen? Das findest du also auch?“ – „Das habe ich so nicht gesagt. Sondern, dass ihr dafür verantwortlich seid, wann ihr damit an die Öffentlichkeit wollt. Mit den Konsequenzen, müsst ihr dann jedoch ebenfalls leben.“ Samu hatte sich wieder gesetzt. „Riku wäre hell auf begeistert. Das ist das eine, worüber wir immer streiten.“ – „Und das andere?“ Samu lachte kurz auf. „The Voice, meine Scheinfreundin, unsere Beziehung, das ich keine Zeit für ihn haben werde. Das sind so die Hauptthemen. Und noch viel mehr. Zu dem, dass Riku mir misstraut. Wahrscheinlich denkt er auch jetzt, in dem Moment, dass ich ihn betrügen könnte.“ Das klang alles ziemlich verworren. „Weisst du was? Ich mach uns jetzt eine warme Schokolade und dann erzählst du mir alles der Reihe nach. So Häppchen Weise, kann ich dir auch nicht helfen oder dir einen brauchbaren Rat geben.“ Samu nickte. Auch wenn er darauf verzichten könnte, seiner Mutter von seinem tollen Abschuss mit fast verheerenden Folgen, zu erzählen. Aber sie kannte ihn ja gut genug, um zu wissen, dass er kein Heiliger war und schon mehr als oft, Mist gebaut hatte. „So, und nun erzähl mir doch mal der Reihe nach, was alles passiert ist, dass eure Beziehung so ins Wanken geraten ist.“ Setzte sich Eve, wenig später, wieder zu ihrem Sohn und überreichte ihm die Tasse warme Schokolade. Nach einem ersten Schluck davon, erzählt Samu seiner Mutter von dem Tag bei Mikko, wo die sicheren Pfeiler ihrer Beziehung, brüchig wurden und ins Wanken gerieten. „Das war nicht sehr klug, Samu. Schon gar nicht bei Rikus Vergangenheit.“ – „Ich weiss. Aber deswegen muss er mir ja nicht gar nicht mehr vertrauen. Die ganzen Jahre, habe ich ihm nie einen Grund gegeben, dass er mir nicht vertraut. Wirklich niemals. Obschon die Gelegenheiten durchaus vorhanden gewesen wären.“  „Ich denke, dass hat mit all den neuen Bestimmungen, die an diesem Tag, unerwartet auf euch eingestürzt sind, zu tun. Die Tatsache, dass du eine Frau an deiner Seite präsentieren musst, obwohl Riku dort hin gehört, ist ohnehin nicht prickelnd. Und dann passiert genau das, wo vor Riku Angst hat, es könnte passieren, schon viel früher.“ Versuchte Eve das Ganze, aus ihrer Sicht gesehen, in Worte zu fassen. „Versetz dich doch mal in seine Lage. Fändest du das so toll?“ – „Bestimmt nicht. Aber ich würde Riku vertrauen. Voll und ganz.“ War Samu immer noch so überzeugt, wie als er es Riku versichert hatte. „Ganz sicher?“ Samu nickte. Zögernd, da sein Hirn noch einmal darüber nach dachte. Eve schmunzelte in sich hinein. „Und was war danach?“ Holte sie Samu aus seinen Gedanken, damit er weiter erzählte. „Vivi?“ Sah Eve ihren Sohn erstaunt an, als er die Sprache auf sie lenkte. „Sie...ich weiss nicht...wir fanden, es sei einfacher mit ihr, als einer Fremden, die vielleicht wirklich einfach darauf aus ist, mich zu bekommen.“ – „Ihr fandet es? Oder du?“ Samus Augenbraue schnellte in die Höhe. „Wir...warum glauben eigentlich alle, dass ich gerade zu einem egoistischen Arsch mutiere?“ Wurde Samu ungehalten. „Das sagt doch keiner.“ – „Sagen nicht. Aber denken. Allen voran mein Freund.“ Musste Samu schwer schlucken. Es setzte ihm mehr zu, als er zugeben würde, dass Riku ihn in diesem Licht sah. „Riku war einverstanden. Da es, in seinen Augen, das kleinere Übel war. Damit kann er zwar auch nicht wirklich leben. Aber arrangieren. Was auch nicht toll ist. Aber was soll ich tun? Ich kann ihm seine Zweifel nicht nehmen. Obschon ich dachte, es einigermassen geschafft zu haben.“ Samu seufzte. Eve sah ihn herausfordernd an. Der Haber Blick, würde ein Aussenstehender sagen. „Ich habe Scheisse gebaut. Nach dem wir gerade wieder unsere Liebe gefunden hatten. Also eigentlich viel früher. Aber es ist erst heute eine Scheisse daraus geworden.“ Den Blick mit der Augenbraue, hatte Samu von seiner Mutter geerbt. „Ich habe, im Adrenalin Taumel, letztes Jahr nach The Voice, schon wieder zu gesagt, für dieses Jahr. Nur hatte ich keine Ahnung, dass dies quasi verbindlich war.“ Samu raufte sich die Haare. Er ärgerte sich immer noch über sich selber. „Mikko hat mich heute darüber informiert. Und dummerweise, bevor ich es Riku schonend beibringen konnte, hat er es online irgendwo gelesen. Keine Ahnung, woher die das schon wieder wussten. Spielt ja auch keine Rolle. Du kannst dir vorstellen, dass Riku nicht wirklich begeistert war und alles in Frage stellte...mich in Frage stellte...“ Eve nickte. „Und wo ist er jetzt?“ – „Ich nehme an, noch immer zuhause. Er wollte nicht mehr mit mir darüber diskutieren, weil er fand, dass ich ihn nicht verstehe. Wahrscheinlich kann er einfach meinen Anblick gerade nicht mehr ertragen.“ Tränen brannten in Samus Augen. Der Versuch, sie in Schach zu halten, scheiterte jedoch kläglich. „Riku wird sich schon wieder beruhigen.“ Zog Eve Samu an sich. Dieser schüttelte verzweifelt den Kopf. „Das Fass war schon ziemlich voll. Das hat es wohl zum Überlaufen gebracht.“ Schniefte Samu. „Was willst du damit sagen?“ – „Das ich eine verdammte scheiss Angst habe, dass es das war mit uns beiden. Wobei es dann auch gleich das Aus von Sunrise Avenue bedeuten würde.“ – „Mal doch nicht den Teufel an die Wand, Samu.“ Ruckartig stand Samu auf. „Was soll ich den sonst? Es ist wie eine Sackgasse. Fahren wir zurück, um daraus zu kommen, geht es nicht lange, bis wir mit Vollgas wieder hinein fahren. Wie heute wieder.“ – „Vielleicht solltest du wirklich mal Rikus Sicht genauer ansehen. Ganz unrecht, hat er ja nicht, wenn er sagt, dass du abgelenkt sein wirst, wenn all die Veränderungen kommen. Abstreiten kannst du diese nicht. Du musst der Wahrheit ins Auge sehen, Samu. Erst dann, wirst du Riku vielleicht besser verstehen.“ Samu hatte sich wieder Eve zu gewandt. „Du bist auf Rikus Seite?“ – „Ich bin auf keiner Seite, Samu. Ich versuche nur, das Ganze irgendwie zu begreifen und Licht ins Dunkel zu bringen. Was nicht gerade einfach ist. Weil ich weder in dich, noch in Riku sehen kann. Doch ich werde es versuchen. Deshalb bist du doch da. Oder?“ Samu nickte. „Tut mir leid, Mum. Dieser ganze Zustand, stresst mich einfach. Auch wenn ich versuche, es nicht zu sehr an mich ran zu lassen.“ Setzte sich Samu wieder hin. „Das ist vielleicht genau das Problem, Samu. Lass mal alles an dich heran. Brich zusammen. Weine. Wenn es sein muss, einen ganzen Tag lang. Die Schutzmauer bringt dich nicht weiter. Und auch nicht näher an Riku heran. Im Gegenteil, wie es mir scheint.“ Samu strich sich übers Gesicht. „Samu...siehst du es denn wirklich nicht?“ Legte Eve ihm die Hand auf den Rücken. „Du bist doch sonst so feinfühlig. Ich war immer erstaunt, wie fein deine Antennen waren, wenn es um Riku ging. Das kann doch nicht auf einmal einfach weg sein?“ – „Ich habe das Gefühl, dass wir uns, seit letztem Jahr, irgendwie von einander entfernt haben. Emotional.“ Samu war unruhig, weshalb er wieder aufstand. „Verstehe mich nicht falsch. Ich liebe Riku immer noch, wie am ersten Tag. Aber...keine Ahnung...da ist so ein Abstand dazwischen, den es davor nicht gab. Vielleicht ist es normal, in Beziehungen, in denen man nicht rund um die Uhr zusammen ist. Ich kannte das nur noch nicht, mit Riku. Daran muss ich mich wohl jetzt einfach gewöhnen.“ Fragend sah Samu zu Eve. „Nein Samu. Du sollst dich dagegen wehren. Du darfst nicht einfach so hin nehmen, dass sich alles ändert. Manche Dinge vielleicht. Aber nicht der Abstand zwischen Riku und dir. Den musst du wieder verringern. Unbedingt. Aus einem Anstand wird ein Graben. Gerade in eurer, besonderen und schwierigen Situation.“ Samu stopfte seine Hände in die Hosentaschen. Er liess sich Eves Worte durch den Kopf gehen. „Wenn ich Riku sage, dass ich ihn liebe, dann...es reicht ihm nicht mehr...“ – „Es sind Worte, Samu. Würde es dir reichen, wenn du die Liebe nur noch durch Worte hörst und nicht mehr zu spüren bekommst?“ Was sollte Samu darauf sagen. „Keine Antwort, ist auch eine Antwort, Samu.“ – „Ich war ein Idiot, stimmts?“ Eve war nun ebenfalls aufgestanden. Mit einem Lächeln, legte sie ihre Hände an Samus Wangen. „Nein, kein Idiot. Einfach etwas blind...oder wie man dem sagen soll.“ – „Ich würde wahnsinnig werden, wenn...Ich bin ein Idiot.“ Schnell zog er seine Mama in eine Umarmung. „Danke, Mum! Ich hab dich lieb!“ – „Du willst schon wieder gehen?“ Samu nickte. „Ich muss zu Riku...Ich...“ Eve nickte lächelnd. „Sag ihm liebe Grüsse von mir. Und kommt mal wieder vorbei. Ja?“ – „Ganz bestimmt, Mum. Bevor wir auf Tour gehen. Ich verspreche es dir!“ Samu wusste nicht, ob es Erleichterung war, was durch seinen Körper floss, als er in sein Auto stieg. Doch es fühlte sich gut an. Eve hatte ihm die Augen geöffnet oder viel mehr die Scheuklappen entfernt. Natürlich hatte Riku mit allem recht, was er sagte. Und dennoch, fand Samu immer noch, dass er mit einem zu trüben, ja fast schon schwarzen Blick, in die Zukunft sah. Das musste nicht alles eintreffen. Konnte. Dies musste Samu auch endlich einsehen, das wusste er. Gleichzeitig wollte er Riku dazu bringen, dem Ganzen etwas sonniger entgegen zu sehen. Vielleicht hätte er es auch etwas einfacher. Vor allem sein Herz. Um welches sich Samu Sorgen machte. Nicht, weil er eine körperliche Krankheit kommen sah. Eher, dass Riku sein wundervolles, grosses und grosszügiges Herz, immer wie mehr verschliesst. Allem gegenüber. Am meisten für ihn. Bei diesem Gedanken, zog es Samus eigenes Herz, schmerzlich zusammen. Er musste alles dafür tun, dass Rikus Herz, für ihn, weit offen blieb. Sein grösster Schatz ihn nicht aus diesem ausschloss. Bevor Samu den Wagen startete, atmete er noch einmal tief durch und wischte sich übers Gesicht. Er sollte Riku von seinen Ängsten erzählen. Die hatte er. Und zwar nicht zu wenige. Wenn sie beide die Seite des anderen besser verstanden, konnten sie vielleicht auch wieder besser auf einander eingehen. In den anderen hinein fühlen. Samu war unglaublich aufgeregt, je näher er ihrem Zuhause kam. Sein Herz schlug laut und kräftig in der Brust. Er machte sich nicht einmal die Mühe, den BMW in die Garage zu fahren. Jede Sekunde war schon zu viel Zeit, in der er so weit von seinem Schatz entfernt war. Samu wollte Riku einfach nur ganz fest in den Arm nehmen. Sein Herz vermisste ihn so sehr. „Rik?“ Eilte Samu die Treppe hoch. „Es tut mir leid! Lass uns reden.“ Öffnete er die Schlafzimmertür, wo er Riku erwartete. Doch alles was ihm entgegen drang, war Leere und der Duft der noch von Rikus Bad in der Luft zu erahnen war.

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