Kapitel 154

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Riku erwartete, dass Samu draussen stand und rauchte. Doch das tat er nicht. Genausowenig, wie sein Auto noch da stand. „Was soll diese Scheisse?“ Fluchte Riku. Wie sollte er jetzt nach Hause kommen? Riku wählte Samus Nummer. Nichts. „Samu, würdest du mich bitte abholen kommen? Dein Freund, den du einfach hast stehen lassen.“ Sprach er ihm auf den Anrufbeantworter. Riku entschied sich ein Stück, in Richtung Stadt, zu Fuss zu gehen. Er hätte auch Mikko fragen können. Doch hatte er auf dessen Gegenwart keine Lust. Klar konnte er nichts dafür. Aber es war gerade zu viel für ihn. Gedankenverloren, nahm Riku den Weg unter seine Füsse. Das war wirklich eine echt beschissene Situation. Das aber schon vor ‘The Voice’ die Presse nach Helsinki kommen würde, hätte Riku niemals gedacht. Vor allem weil die Bilder, noch vor der Bekanntgabe entstanden sind. War es wohlmöglich einfach Zufall und es wurde erst jetzt für diesen Bericht benutzt? Schwirrten Rikus Gedanken. Riku hätte nicht schon jetzt mit solchen Konsequenzen gerechnet, die mit ‘The Voice’ in Zusammenhang stehen. Das waren dann jetzt die Schattenseiten? Riku seufzte und sah auf sein Handy. Nichts. „Samu, verdammte Scheisse, nimm das Telefon ab. Ich bin auf dem Weg in die Stadt. Komm mich holen!“ Riku wurde wütend. Er konnte, für das alles, nicht mehr oder weniger, als Samu. Also weiter gehen. Riku schlug den Weg zu seiner Mutter ein. Zur Not, würde vielleicht sie ihn nachhause fahren. Wenn schon sein sturer Freund, kein Ohr oder keine Lust für sein Handy hatte. Die dunklen Wolken, die sich über ihm zusammen zogen, gefielen Riku gar nicht. Nicht im geringsten. Genauso wenig, wie das erste Nass, das auf seine Nase tropfte. „Du Arsch!“ Rief Riku aus, als ihn Samu einfach weg drückte. Genau in dem Moment, öffnete der Himmel seine Schleusen. Wie passend für den Verlauf dieses Tages. Also doch das Haus seiner Mutter. Klatschnass, kam Riku dort an und klingelte. „Himmel Riku, was machst du denn hier?“ Rief Alma aus, als sie die Tür öffnete. Erst dann musterte sie ihn. „Komm erst einmal rein. Sonst erkältest du dich noch.“ Zog sie ihn ins Haus. „In deinem Zimmer hat es bestimmt noch etwas zum anziehen für dich.“ Mit diesen Worten, schickte Alma ihren Sohn nach oben. Irgendetwas war passiert. Das sah sie Riku an. Sie würde jetzt erst einmal eine warme Schokolade kochen. „Falls es dich interessiert, ich bin bei meiner Mutter, da du Arsch ja meine Anrufe ignorierst oder weg drückst. Der Regen hat mich voll erwischt. Danke dafür. Dort kannst du mich abholen kommen, wenn dein Ego sich abgekühlt hat. Ansonsten musst du nicht vor morgen mit mir rechnen. Mach bitte keinen Scheiss!“ Neben der Wut, mischte sich auch Sorge dazu. Riku wusste, dass Samu gerne mal kopflos handelte. Sich die Birne weg trank. Und wenn er dann noch fuhr. Riku mochte sich gar nicht vorstellen, was dann alles passieren könnte. Er schüttelte den Kopf und rubelte seine Haare trocken. Schmiss seine Kleider in den Trockner und ging nach unten. „Was ist los, Riku?“ Stellte ihm Alma eine Tasse mit dampfendem Inhalt auf den Küchentisch. „Das, was niemals hätte passieren dürfen. Zumindest nicht jetzt.“ Fragend sah Alma ihn an und setzte sich Riku gegenüber hin. „Es sind Fotos von Samu und mir aufgetaucht und in einem Magazin in Deutschland gedruckt worden.“ Liess Riku die Hände in seinen Haaren verschwinden. „Offensichtliche?“ Riku nickte. „Einige sogar von hier. Vor knapp einem Jahr. Als wir mit Emmi unterwegs waren.“ Alma hörte nur zu und liess Riku erzählen. „Mikko ist völlig ausgerastet. Genau wie Samu ebenfalls, als Mikko uns die Konsequenzen auf den Tisch knallte.“ – „Und wo ist Samu, während du hier bist?“ Riku zuckte mit den Schultern. „Er hat das Büro von Mikko, wütend verlassen. Und als ich ihm folgte, war er schon weg. Mit dem Auto. Er reagiert nicht auf meine Anrufe. Den Letzten, hat er sogar weg gedrückt.“ Das klang mal wieder nach hausgemachtem Drama im Hause Haber - Rajamaa. „Du kannst hier bleiben, bis er sich meldet. Ansonsten fahr ich dich dann nachhause.“ „Danke Mum!“ Versuchte sich Riku an einem Lächeln. Gelang ihm nicht wirklich. „Das ist doch selbstverständlich!“ Lächelte ihn Alma liebevoll an. „Hast du Hunger?“ Gute Frage. Hatte er? „Ich mach einfach mal was. Du kannst dich ja noch entscheiden.“ Riku nickte. Stand dann auf, um auf sein Handy zu sehen. Nichts. Scheinbar hatte Samu es nicht einmal gesehen. Die Häckchen waren nicht blau. Seufzend liess sich Riku auf das Sofa sinken. Tränen stiegen ihm in die Augen. Was für eine Scheisse. Doch es brachte nichts, ausser warten.

Samus Sicherungen waren durchgeknallt, als er das Büro von Mikko verliess. Weshalb er sich, ohne zu denken, in sein Auto setzte und los fuhr. Ziellos durch die Strassen Helsinkis. Zuerst ausserhalb der Stadt. Natürlich viel zu schnell, weil seine Wut sich in sein Gaspedal schlich. ‘Es bringt niemandem etwas, wenn du dein Auto, in der nächsten Kurve, um einen Baum wickelst’, mahnte ihn sein Unterbewusstsein. Recht hatte es. Samu drosselte das Tempo und fuhr in Richtung Stadt. Etwas ausserhalb, parkte er den Bemu und ging zu Fuss weiter. Hier würde ihn kein Presse Typ finden. Denn diese Gegend kannte man nicht, wenn man kein Einheimischer war. Und suchte sie auch nicht auf. Dabei gab es hier ein paar schmucke Bars und Clubs. Die er früher sehr oft, mit seinen Jungs aufgesucht hatte. In denen sie, in ihren Anfangszeiten, auch öfters gespielt haben. Genau eine dieser Bars, steuerte er jetzt an. Samu brauchte etwas Hochprozentiges. Etwas was brannte, wenn es die Kehle hinunter rann. Das erneute Klingeln seines Handys, liess Samu schnauben und seine Augen verdrehen. Er wusste, ohne drauf zu schauen, wer es war. Riku. Genervt drückte er ihn weg. Er wusste, dass es nicht richtig war, Riku einfach stehen zu lassen. Ebenso wenig, seine Anrufe zu ignorieren und ihn jetzt weg zu drücken. Doch Samu brauchte jetzt, in dem Moment, seine Ruhe von ihm. Und einen Schnaps. Seufzend setzte er sich an die Bar und bestellte einen Jägermeister. Wie ecklig das Zeug eigentlich roch, ignorierte Samu und kippt den Inhalt, in einem Mal hinunter. Genau so, wie die zwei darauf. Oder waren es wohlmöglich mehr? Nach dem ein oder anderen Bier. Worauf ein Whiskey mit Cola oder zwei, folgte. „Na Süsser, so ganz alleine hier?“ Setzte sich eine langbeinige Blondine neben Samu. Ihre langen Fingernägel, strichen über Samus Haut an seinem Unterarm. Schon etwas Alkohol überfüllt, sah Samu zur Seite, von wo her ihm dieses penetrante Parfüm in die Nase stieg. Was hatte er Glück, dass Riku nur selten Parfüm trug. Sein ganz eigener Duft, gefiel Samu am allermeisten. „Du siehst aus, als könntest du etwas Ablenkung gebrauchen.“ – „Mach was du willst.“ Reagierte Samu pampig. Er wollte sich nur, in aller Ruhe, voll laufen lassen. Und nicht von so einer billigen Tusse, an der wahrscheinlich nur noch die Hälfte echt und natürlich war, an machen zu lassen. Er wollte nichts von Frauen. Auf diese Art, konnte er auch schon früher, dankend verzichten. Die Blondine, machte keine Anstalten, sich zu verziehen. Samu kippte sich einen weiteren Shot die Kehle hinunter. „Ach komm schon. Wir würden bestimmt ganz viel Spass haben. Und du könntest, für einen tollen Moment, alles vergessen, was dich belastet. Das verspreche ich dir!“ Samus Augebraue, schnellte nach oben. Wieder sah er sie an. Musternd. So schlecht, sah sie ja nicht aus. Und Ablenkung, könnte er dringend brauchen. Eigentlich war ihm egal, welche. In seinem Zustand, bekam er wohl ohnehin keinen mehr hoch. Würde er sich hinlegen, wäre schlafen das Einzige, was Samu noch tat. Immer noch glitt Samus Blick, musternd über den Körper, der ihm eigentlich, in nüchternem Zustand, niemals gefallen würde. „Willst du was trinken?“ Hörte Samu sich sagen. Leicht lallte er schon. „Wenn du bezahlst?“ Sah sie ihn auffordernd an. Samu zuckte mit den Schultern. Bestellte irgendwas Süsses, was Frauen gerne tranken und für sich noch einmal einen Whiskey mit Zusatz. Verführerisch, sog die Blondine an ihrem Strohhalm, der im Drink war. Ein Schmunzeln, konnte sich Samu nicht verkneifen. Wenn die wüsste, dass das bei ihm, nicht einmal die kleinste Regung, hervor rief. „Das Lächeln gefällt mir doch schon viel besser.“ Deutete sie es völlig falsch. Worauf ihre Hand, über Samus Arm, ihn dessen Nacken strich. Eine leichte Gänsehaut, legte sich über Samus Haut. „Da werden wir doch endlich ein bisschen lockerer.“ Säuselte sie nahe an Samus Ohr. ‘Verdammte Scheisse! Was soll das?’, herrschte Samu sich innerlich an, als sein kleiner Freund, in der Hose, zuckte. Darauf, brauchte er noch einen Kurzen. Was war bloss los mit ihm? Äusserlich völlig unberührt, geriet Samu innerlich, gerade in Panik. Seine Reaktion, machte ihm Angst.

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