Nach einem gemütlichen Frühstück, am nächsten Morgen und anschliessendem Spaziergang, um ihre Erkundung weiter zu führen, schnappte sich Samu seine Gitarre und setzte sich auf das Sofa. Es juckte ihn schon lange wieder in den Fingern. Da sich die dunklen Wolken leerten, kaum hatten sie das Haus wieder erreicht, stand ohnehin ein gemütlicher Tag Zuhause, auf dem Program. Viel mehr vor, hatten sie diese eine Woche, die ihnen vor der Tour noch blieb, so wieso nicht. Es wurde danach, schnell genug wieder stressig, ohne wirkliche Zweisamkeit. „Samu, kommst mit zum Einkaufen?“ Stand Riku fragend im Wohnzimmer. „Brauchst du mich?“ Sah Samu von seiner Gitarre auf. „Zum Einkaufen nicht. Für andere Dinge schon.“ Grinste Riku. Samu schüttelte lachend den Kopf. „Dann würde ich diese ehrenvolle Aufgabe, ganz alleine in deine fähigen Hände legen. Und ich weiss wovon ich spreche, wenn ich fähig sage.“ Liess Samu seine Augenbraue tanzen. „Mir schwirrt schon länger etwas im Kopf herum.“ – „Und was im Kopf rum schwirrt, muss raus. Kenn ich.“ Lächelte Riku und gab Samu einen Kuss. Natürlich kannte er das. Er war oft genug in der Situation, wie Samu gerade. Doch statt auch nur ein kleines Bisschen Verständnis, kam ihm eine ganze Wagenladung Unverständnis entgegen. Weshalb Riku sich schwor, sollte er jemals noch einmal die Gelegenheit haben, sich zu verlieben, Musik müsste für beide, in irgendeiner Form, eine wichtige Rolle spielen. Wer konnte ahnen, dass es gleich so kompatibel werden würde. „Fahr vorsichtig, mein Schatz!“ Legte Samu seine Hände an Rikus Wangen und zog den Kuss noch etwas in die Länge. „Immer doch! Ich liebe dich!“ Hauchte Riku dem grossen Blonden einen Kuss auf die Stirn, bevor er sich von ihm löste. Seufzend liess sich Samu nach hinten sinken. Dieser Mann machte ihn, auf eine angenehme und wunderschöne Art und Weise, fertig. Und dieser Song, war genau für diesen Mann. Seit er Riku, bevor sie das letzte Mal zu Maria Essen gingen, diese bestimmten Worte ins Ohr geflüstert hatte, gingen sie ihm nicht mehr aus dem Kopf. Kamen immer wieder neue hinzu. Formten sich zu etwas Ganzem zusammen. Was noch etwas harzte, war die Melodie. Doch die brachte er auch noch hin. Jetzt musste Samu erst einmal die Worte auf das Papier bringen. Bis jetzt, war da irgendwie nie wirklich Zeit. Ausser ein paar Anhaltspunkte, die er sich in sein Telefon geschrieben hatte, war noch nichts festgehalten. Doch die Worte, waren so hartnäckig, dass sie einfach da blieben. Zu Samus Glück. Um die Ruhe, war Samu darum gerade froh. Diese brauchte er in der ersten Phase. Riku hätte dies verstanden, weil er ihn, in und auswendig kannte. Doch wollte Samu sich auch nicht in seiner Kammer verschanzen, wenn sie Urlaub hatten. Der Zuhause so ganz anders war, als noch vor ein paar Tagen in Spanien. War wohl die Hitze, die ihre Hormone schwanken und kochen liess. Samu musste grinsen, wenn er daran dachte. Ganz jugendfrei, war das Ganze ja bei weitem nicht. Doch unglaublich anregend, erregend und heiss. Samu schüttelte den Kopf, als er merkte dass jemand doch noch nicht abgestorben und tatsächlich noch Diensttauglich war. Na gut, dies bewies er ihm ja gestern schon. Er stand auf, um erst einmal eine zu rauchen. Dann holte er, ganz altmodisch, Block und Stift und fing an zu schreiben. All die Worte, die ihn manchmal fast zum Wahnsinn trieben. Vor allem wenn sie Nachts kamen und so unglaublich laut waren. Es tat gut. Befreite. Leerte den Kopf. Machte Samu ruhiger. Befreite ihn von dieser ganz normalen Unruhe, die von aussen kaum sichtbar war. Ihn innerlich beinahe Amok laufen liess. Als der Kopf leer war und vor Samu auf dem Papier, ein scheinbar fertiger Text stand, griff er wieder zu seiner Gitarre. Die Melodie dazu, war noch nicht in seinem Kopf geboren. Doch manchmal reichte es schon, wenn er sich einfach gemütlich hin setzte, wahllos etwas spielte und die geschriebenen Worte vor sich hin sang, redete, was auch immer. Gerade, als Samu so in sein Spiel vertieft war und schon so einiges Brauchbares aufgenommen hatte, wurde es laut. „Ah verdammt. Samu! Kannst du mir mal helfen kommen?“ Ein verliebtes Grinsen, legte sich auf Samus Gesicht. Auch bei einem so banalen Hilferuf seines Freundes. „Sag mal, hast du für eine ganze Armee eingekauft. Wir haben zwar die Pläne geändert und unsere Mamas zum Mittagessen eingeladen, aber den Laden aufkaufen, hättest du nicht müssen.“ – „Haha, sehr witzig. Im Auto hat es noch mehr.“ Riku kniete am Boden und sammelte den zerstreuten Inhalt, der überladenen Papiertüten, vom Boden zusammen. „Was hast du damit alles vor?“ – „Erstens, mein Schatz…“ Drückte Riku Samu einen Kuss auf die Lippen. „Kann es nicht schaden, wenn wir mal etwas an Vorrat in unserer Tiefkühltruhe und grundsätzlich haben. Denn unsere Küche gleicht eher einer Einöde, als einer Küche. Nicht einmal anständige Gewürze haben wir. Und zweitens…“ Ein weiterer Kuss, landete auf Samus Lippen. „Hatte ich eine grandiose Idee, während dem Einkaufen.“ Sein Löckchen war einfach zum niederknien und ab knutschen. „Und was für eine Idee ist das, wenn ich fragen darf?“ – „Darfst du.“ Grinste Riku und sah dabei so zufrieden und glücklich aus. „Wir laden am Samstag die Jungs zu einer kleinen Einweihungsfeier ein. Wir haben es ihnen schliesslich versprochen.“ – „Du willst dir diesen chaotischen Haufen noch vor der Tour wieder antun?“ Wollte Samu wissen, ohne auch nur eine Mine zu verziehen. „Ja...Ich dachte...also...ich meine...wir können auch.“ – „Gott bist du süss!“ Umfasste Samu die Wangen von Riku und forderte einen langen Kuss von diesem, um ihn von diesem Gestammel zu befreien. „Ich finde es eine gute Idee, Rik!“ Riku biss sich auf seine Lippe und sah Samu entschuldigend an. Dieser konnte nicht widerstehen und musste noch einmal. Sanft strich er mit seiner Zunge über die Stelle, in der sich zuvor noch Rikus Zähne gebohrt hatten. Knabberten seine eigenen Zähne daran und bedeckten sie mit hauchzarten Küssen. „Die Einkäufe, Samu.“ Nuschelte Riku an Samus Lippen und versuchte sich von ihm zu lösen. „Können warten!“ Riku schüttelte leicht den Kopf. „Es taut sonst alles auf.“ Ergeben seufzend, liess Samu von Riku ab. „Sag nicht, dass du in Spanien und gestern nicht genug bekommen hast?“ Sah Riku ihn schelmisch an. Samus Augenbraue schnellte nach oben. „Na warte, du frecher Kerl.“ Jagte Samu dem Lockenkopf hinterher, der schon, bei Samus Blick, den Rückzug antrat. „Hab Erbarmen!“ Hob Riku die Arme, als er das Auto hinter sich spürte. „Aber nur den leckeren Einkäufen zu liebe.“ Presste sich Samu gegen Riku und liess einmal seine Finger über dessen Seite gleiten, während er ihn mit seinem Blick fixierte. Riku konnte Samus Atem an seinen Lippen spüren. Doch noch während er darauf wartete, dass er ihn küsste, löste sich der Grosse von ihm. Schlenderte zum Kofferraum und nahm zwei weitere Tüte aus dem Wagen. Riku schüttelte den Kopf, als würde die Hitze in seinem Kopf, so verschwinden.
Ja, so ein Grosseinkauf, hatten sie wirklich noch nicht gemacht, seit sie hier waren. Wann auch. Ging es Samu durch den Kopf, als er die Sachen rein trug. „Warst du erfolgreich, was das Spuken in deinem Kopf angeht?“ Wollte Riku wissen, als sie die Einkäufe verstauten. Jetzt konnten sie endlich richtig kochen. Und hatten auch mal was als Vorrat im Haus. „Ziemlich ja. Zumindest was den Text angeht. Bei der Melodie hapert es noch etwas.“ Samu musste gerade wieder feststellen, dass er auch genau diese alltäglichen und banalen Dinge, wie gemeinsam Einkäufe versorgen, unglaublich genoss. „Vielleicht kann ich dir ja helfen.“ Nichts. Keine Antwort. „Ich meine natürlich, nur wenn du willst.“ Kam schnell von Riku hinterher. Sein Blick glitt zu Samu, der immer noch nichts sagte. Entweder wollte er ihm, mit seinem Schweigen mitteilen, dass er es nicht wollte oder er studierte noch an seiner Antwort herum. Irgendwie schien beides nicht der Fall zu sein. Stattdessen stand Samu an die Küchenkombination gelehnt da und lächelte Löcher in die Luft. Riku stellte sich neben ihn. „Was siehst du denn da Schönes, was dich so lächeln lässt?“ Lehnte er seine Kopf an den des Grossen. Er umschloss Samus Hand mit seiner.
„Nichts.“ War Samu wieder in der Gegenwart. „Hast du gehört, was ich dir gesagt habe?“ Entschuldigend sah Samu zu Riku. „Ich habe dir gesagt, dass ich dir bei der Melodie auch behilflich sein kann, wenn du das möchtest.“ Wollte er das? Wollter er den eigentlich noch unfertigen Song, jetzt schon Riku präsentieren? Schliesslich war er, in gewisser Weise, für ihn. Auf der anderen Seite ja auch für sie beide. Also wäre es schön, wenn sie gemeinsam daran gearbeitet hätten. Und heute war Samu einfach gerade in der richtigen Stimmung, um ein bisschen zu arbeiten. Ja und am liebsten machte er das ohnehin mit Riku. Also nickte er. „Ich bin total in Musik Stimmung heute.“ – „Na dann komm. Lassen wir das Löcher in die Luft grinsen, verstauen die Einkäufe zu ende und schreiben noch in die Gruppe, wegen Samstag.“ Grinste Riku. „Du bist ganz schön frech heute.“ Samu kniff Riku in die Seite, so dass dieser quickend zur Seite sprang. Samus schallendes und leicht dreckiges Lachen, erfüllte den Raum. Das war der ganz normale Alltagswahnsinn im Hause Haberjamaa, wenn mal keine Tour und keine Studioarbeit anstand.
„Hast du schon etwas an Melodie? Oder bloss den Text?“ Setzte sich Riku, als sie fertig waren. „Ich war gerade an der Melodie, als mein Freund das Gefühl hatte, er müsse den gesamten Inhalt der Einkäufe auf dem Boden verteilen.“ Betreten senkte Riku den Blick. „Sorry! Spielst du es mir dennoch mal vor?“ Samu legte seine Hand in Rikus Nacken und zog ihn an seine Lippen. „Alles gut! Dann lausch mal.“ Schmunzelte er und legte sich seine Gitarre zurecht. „Ich habe sie noch nicht auf den Text abgestimmt. Also kannst du ihn einfach mal so mit lesen, wenn du willst.“ – „Ich will sie zuerst hören.“ Lehnte sich Riku zurück und schloss die Augen. Die Gitarre bereits auf seinen Beinen, falls er Eingebung haben sollte. Schief lächelte Samu, als er kurz zu Riku rüber sah.
Am Anfang, klang es noch etwas holprig. Was sich jedoch änderte, als Samu das Ganze noch einmal wiederholte. Denn während er es das erste Mal spielte, kamen neue Akkorde und Abläufe dazu. Schnell drückte Samu den Aufnahmeknopf auf seinem Telefon, bevor er es noch einmal durch spielte. Riku hatte auch so Einiges im Kopf, während er einfach nur zuhörte. Die juckenden Finger, konnte er dann auch nicht mehr länger davon abhalten, in Samus Spiel mit ein zu steigen. So spielten sie, einmal mehr, in völliger Harmonie und hätten sie schon Stunden an dieser Melodie gesessen und daran herum gefeilt. Die schon vorhandenen Worte, jagten dabei durch Samus Kopf. Und als sie, ohne Pause, einfach noch einmal von vorne begannen, verliessen sie, ohne dass er gross darüber nach denken musste, seine Lippen.
'I’m fighting too hard to win
Back on the ground again
I feel like giving in
But you’re my second wind
Don’t you ever tire
Facing all my fires
I don’t need no one but you right now
So I say
Oh my friend
You’re holding out your hand
I take it like an oar from the depths
Hey, lifesaver
I’m drowning in despair
But you’re fighting for me right until the end
You pull me back to land
And save me once again
You help me wash away
The insane mistake I’ve made
And I see it in your face
My only source of grace
I don’t take for granted
All the time you’ve wasted
Making sacrifices for a fool
So I say
Oh my friend
You’re holding out your hand
I take it like an oar from the depths
Hey, lifesaver
I’m drowning in despair
But you’re fighting for me right until the end
You pull me back to land
And save me once again
You lift me higher
You hold the fire
You make me strong enough to stand
You lift me higher
You hold the fire
You may not stand tall but without you I’d fall
Oh my friend
You’re holding out your hand
I take it like an oar from the depths
Hey, lifesaver
I’m drowning in despair
But you’re fighting for me right until the end
You pull me back to land
And save me once again'
Manchmal war es so einfach. Hingegen man andere Male, sich fast das Hirn zerlegen musste, bis was Brauchbares dabei raus kam.
Bei dem kurzen Zwischenteil, der Samu ganz spontan einbaute, bevor er noch einmal den Refrain sang, stieg Riku, mit kurzer Verzögerung, mit ein. Was dem ganzen das gewisse Etwas verlieh. Samu hätte, in dem Augenblick, weinen können. Beschrieb dieser Song doch ganz genau das, was der eine für den anderen war, ist und für immer bleiben sollte. Ihn hier und jetzt, in der völligen Rohfassung und dennoch perfekt, mit Riku zu spielen, machte Samu einfach nur glücklich. So wenig, brauchte es, um ihn, im Moment, glücklich zu machen. Seinen Schatz, eine Gitarre und Musik die am entstehen ist.
DU LIEST GERADE
Leave the past behinde
FanficEin einziger Moment, kann dein ganzes Leben verändern... Mit dem Moment, als Riku Rajamaa, Musiker aus Leidenschaft und begnadeter Gitarrist, das Studio betritt, verändert sich nicht nur die Situation der finnischen Band Sunrise Avenue. Auch sein e...
