„Ich werde jetzt nach Riku sehen!" so Samu. Nachdem dieser, nach einer halben Stunde, immer noch nicht im Club aufgetaucht war. Das passte nicht zu Riku. Er war sonst immer der, der eher zu früh irgendwo war. Aber ganz sicher nicht zu spät. Ok, bis auf einmal. Samu musste Schmunzeln. Doch heute, war es anders. Allein schon, dass sich nichts rührte und Riku nicht die Tür aufmachte, liess leise Panik in Samu aufsteigen.
„Riku, verdammte Scheisse, mach die Tür auf. Ich mach mir Sorgen! RIK!" Samu hämmerte, wie ein Verrückter an die Tür.
Mehr Schein als lebendig, kämpfte sich Riku endlich aus dem Bad. Samu würde sonst noch das ganze Hotel zusammen schreien.
„Scheisse Riku, wie siehst du denn aus?", rief Samu aus, als Riku ihm die Tür öffnete. Seine Vorahnung bewahrheitete sich mal wieder. Riku war kreidebleich und Schweissperlen, schimmerten auf seiner Stirn.
Samu legte seine Hand auf Rikus Stirn, nachdem dieser sich wieder auf das Bett gelegt hatte. „Bist du krank? Hast du Fieber?" Riku schüttelte den Kopf. „Du siehst aber aus, als hättest du dein ganzes Inneres raus gekozt."
„Hab ich, gefühlt, auch.", so Riku matt.
Samu musterte Riku. „Hast du geschlafen?" Samu setzte sich zu Riku aufs Bett. Worauf dieser etwas zur Seite rutschte.
„Wahrscheinlich schon. Doch fühlt es sich nicht so an."
„Rik, was ist los?" Samu ahnte, was los war. Riku war schon seit ein paar Tage so merkwürdig. Und Mikko hatte ihm gesagt, dass er ein Auge auf Riku haben soll. Doch er war zu beschäftigt, um darauf ein zu gehen. Was war er für ein Freund? „Kann es sein, dass du nervös bist?" Riku seufzte. „Seit wann, Riku?"
„Macht das einen Unterschied?"
„Rik, ich bin dein bester Freund. Warum sagst du mir denn nichts?"
„Hättest du mir denn helfen können?" Riku sah Samu fragend an.
„Keine Ahnung, aber ich hätte es zumindest versucht. Und du müsstest es nicht mit dir alleine ausmachen." Stille. „Es ist doch nicht dein erster Auftritt vor Publikum. Bist du immer so aufgeregt?"
„Nein!", er stand auch noch nie in einem grossen Club.
„Was ist denn jetzt anders, als sonst?"
„Alles! Ich musste nie jemandem gefallen, verstehst du?" Riku hatte sich aufgesetzt. „Ich nehme einen schon mal besetzten Platz ein. Was wenn...wenn sie mich nicht akzeptieren? Ich werde immer der Neue sein."
„Das ist deine Angst?" Samu sah Riku erstaunt an.„Du musst mich ja nicht ernst nehmen." Riku sprang, wenn man dem so sagen konnte, aus dem Bett. Riss das Fenster auf und atmete tief die frische Luft in sich ein.
„Natürlich nehme ich dich ernst." Samu legte seine Hände auf Rikus Schultern. „Hey, alles wird gut! So lange gibt es uns ja auch noch nicht, dass sich eine eingeschworene Fangemeinschaft gebildet hat. Also lass uns jetzt in den Club gehen und den Soundcheck über die Bühne bringen."
„Ich kann nicht, Samu.", pure Verzweiflung schlug Samu entgegen. Seine Stirn legte sich in Runzeln und sein Blick war fragend.
Riku hob seine Hände, die zitterten wie Esbenlaub.„Ich wollte eben noch einmal einen Song durchgehen. Doch es ging nicht. Ich kann nicht einmal meine Gitarre halten, Samu." Tränen stiegen Riku in die Augen. Er würde alle enttäuschen. Und am meisten Samu.
„Scheisse Rik!", entwich es Samu. Doch es war mehr nur ein Flüstern. Sowas, hatte Samu noch nie gesehen. Er war selber auch nervös. Immer und immer wieder. Aber das war heftig. Samu umfasste instinktiv Rikus Handgelenke und sah ihn fest an. „Du gehörst jetzt zu uns. Hörst du?" Riku reagierte nicht. „Wir stehen alle hinter dir. Aus dem einfachen Grund, weil du verdammt gut bist und wir dich alle, Mikko eingeschlossen, in unsere Herzen geschlossen haben. Verstehst du das?"
Riku nickte leicht.
„Hast du gehört, was ich gesagt habe?" Riku antwortete nicht. „Rik, keiner wird ein schlechtes Wort über dich sagen. Das lasse ich nicht zu. Und wer es dennoch wagt, lernt einen anderen Samu Haber kennen." Samu seufzte. Was sollte er mit seinem Häufchen Elend von Gitarristen und vor allem besten Freund, bloss tun. Es gab nur etwas, was in diesem Moment helfen könnte.
„Ach mensch, komm mal her.", mit diesen Worten, zog er Riku in eine feste Umarmung. Genau das, hatte Riku jetzt gebraucht. Und er spürte, wie die Ruhe, die gerade von Samu aus kam, seinen Körper erfasste und durch diesen hindurch ging. So, dass sie seinen Körper durchflutete. Mit jeder Minute, die Samu ihn festhielt, wurde Riku tatsächlich ruhiger.
„Wir müssen unbedingt deinen Kopf frei bekommen.", so Samu, als er Riku wieder los liess. Er sah zwar schon etwas besser aus.
„Nein, es geht schon."
„Bist du sicher?" Riku nickte. „Welchen Song, wolltest du noch einmal durchgehen?"
„Wonderland" Riku hatte sich wieder einigermassen gefangen.
„Fieser Song.", nickte Samu und schnappte sich Rikus Gitarre. Riku sah ihm aufmerksam zu.
„Hier! Diese Stelle. Die verpatzte ich immer." Riku nahm Samu die Gitarre aus der Hand. „So, sollte es in meinen Ohren klingen.", darauf Riku.
„Dann mach es so. Um himmelswillen, Rik. Es muss nicht alles klingen, wie auf dem Album und wie wir es mal geschrieben haben."
Genervt, legte Riku die Gitarre zur Seite.
„Jetzt entspann dich mal! Mach dich doch nicht selber so fertig. Mach es, wie es dich dünkt. Ich vertraue dir da voll und ganz!" Riku sah Samu unsicher an. „Rik, weisst du noch, was du gemacht hast, als du bei uns vorgespielt hast?"
„Gitarre gespielt?" Riku wusste nicht, was Samu meinte.
Samu lachte auf. „Du hast improvisiert. Das, was du am besten kannst, hast du gemacht. Genau wie danach, als wir zusammen im Club gespielt haben. Heute, machen wir nicht viel mehr."
„Ja genau. Deshalb haben wir ja auch geübt, wie wahnsinnig.", so Riku spöttisch.
„Doch nur, damit du ein Gefühl für die Songs bekommst und dadurch weniger nervös sein solltest. Hat scheinbar nicht funktioniert." Samu wirkte nachdenklich.
„Die Spontaneität also, war es?"
„Nicht nur. Natürlich auch dein Können, welches aus dieser Spontaneität heraus kam und so richtig glänzte."
Riku überlegte. „Ich brauche zu sehr meinen Kopf, stimmts?" Samu nickte. „Dann lass uns gehen. Ich denke, dass ich gerade ein paar gute Griffe brauche, um die Sicherheit über mich und die Gitarre, zurück zu bekommen."
Samu sah Riku kritisch an.
„Ich lass meinen Kopf hier, versprochen." Riku packte seine Gitarre ein.
„Aber wir werden nicht mehr viel Zeit haben." Samu machte sich immer noch Sorge um Riku.„Dann muss ich dann wohl die von dir so geliebte Spontaneität walten lassen." grinste Riku.
„So, gefällst du mir, Rik!" Samu wuschelte durch Rikus braune Locken und verliess mit ihm das Hotelzimmer.
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Leave the past behinde
Fiksi PenggemarEin einziger Moment, kann dein ganzes Leben verändern... Mit dem Moment, als Riku Rajamaa, Musiker aus Leidenschaft und begnadeter Gitarrist, das Studio betritt, verändert sich nicht nur die Situation der finnischen Band Sunrise Avenue. Auch sein e...
