So oder so ähnlich, verlief danach etwa jeder Tag und die Woche war schneller rum, als den Beiden es lieb war. Sie konnten sich jedoch sehr gut von den Wochen der Tour erholen und waren völlig entspannt, als der Rest der Truppe nach und nach eintrudelte. Doch neben Ausspannen, hatten Samu und Riku, auch schon fleissig an neuen Songs gefeilt. Samu hatte, erstaunlicherweise, so einige auf Lager.
Darüber, waren vor allem die anderen Jungs, mehr als erstaunt. Sie hätten dies nicht für möglich gehalten.„Sag mal Hapa, wann sind die denn alle entstanden? Du hattest doch einen ausgebrannten Kopf, wie du immer gesagt hast.“, wollte Sami demnach dann auch wissen.
„Hatte ich auch. Doch nachdem Auftritt im Kuudas Linja, rotierte es auf einmal wieder in meinem Kopf. Und das ist das Resultat davon.“, zuckte Samu mit den Schultern. Dabei sah er Riku vielsagend an. Und jeder, der diesen Blick gesehen hatte, wusste was Samu ihm damit sagen wollte. Denn jeder der Jungs, wusste ganz genau, dass Samu, langsam aber sicher, wieder zum Alten wurde, seit Riku da ist. Was auch zur Folge hatte, dass seine Gehirnwindungen nicht mehr still standen. So entstanden entweder Texte oder Melodien und nicht selten, auch mal Beides. Der Anfang, so waren sich sicher, machte wohl der neue Song 'Welcome to my Life', den er zusammen mit Riku komponiert hatte. Und im Stillen, waren alle einfach nur dankbar. Dies, würde die Arbeit hier, umso einiges einfacher machen. Denn auch so, wurden es arbeitsintensive Wochen.
Es war jedoch auch sehr interessant, so empfand dies zumindest Riku. So konnte er auch mal sehen, wie jeder einzelne neben der Bühne, im Studio, so tickte. War Samu bei den Proben zur Tour und auch während dieser, so ziemlich die Ruhe selbst und unglaublich geduldig, vor allem auch mit Riku, lernte dieser, in den letzten Wochen, einen anderen Samu kennen. Vor allem gegen Ende. Samu konnte pingelig, bestimmend, aufbrausend und ziemlich launisch sein. Und wenn etwas mal nicht nach seinen Vorstellungen ging, konnte er auch mal ausrasten. Was auch oftmals zu Disharmonie führte. Harmonie, wie Riku sie auf der Tour erlebt hatte, sah definitiv anders aus.
Manchmal entstanden heftige Diskussionen, bei denen alle auch mal laut wurden. Eben allen voran Samu. Wie gerade eben. Es ging um einen seiner neuen Songs, der ihm, scheinbar, sehr am Herzen lag. Samu hatte eine komplett andere Vorstellung davon, wie er klingen sollte. Doch die Jungs, allen voran Jukka, der ja auch als Produzent mitwirkte, waren sich einig, dass das Album nicht noch eine Ballade vertragen würde. Es war ein heftiges Hin und Her, welchem Riku, einmal mehr, einfach mal zuhörte. Er fühlte sich noch nicht so ganz in der Rolle, dass er sich gross einmischen konnte und wollte.
„Dann macht den ganzen Scheiss doch alleine!“, reichte es Samu und er verliess, Türe knallend, den Raum. Ein genervtes Seufzen, ging durch den Raum.
Rikus Blick blieb auf der Tür haften, die so eben zu geflogen war.
„Willkommen im ganz normalen Studio Wahnsinn!“, kommentierte Raul die Situation und sah zu Riku.
„Jetzt hast du in vollem Ausmasse, die zwei Seiten des Samu Haber kennengelernt.“, so Jukka.„Sollte ihm nicht jemand nachgehen?“, fragte Riku. Er hatte das Gefühl, dass Samus Reaktion, einen tieferen Grund hatte, als sie alle vermuteten.
„Ach was. Samu beruhigt sich schon wieder. Er braucht bloss etwas Ruhe und Zeit für sich. Wir nutzen die Zeit jetzt einfach für eine Pause, die uns gut tun wird und wir mehr als verdient haben. So können wir alle den Kopf lüften und wieder frei bekommen. Samu wird uns schon Bescheid geben, wenn es weitergeht.“, darauf Jukka Schulterzuckend.
„Kommst du mit?“, sah Sami fragend zu Riku, der immer noch an seinem Platz sass.
„Gleich. Geht schon mal vor.“, sagte Riku.
„Du Workaholic. Dir würde eine Pause auch gut tun!“, wuschelte Jukka ihm durch die Haare. Grinsend, verliess er dann den Raum.
Riku blieb, die Stirn runzelnd sitzen und hing seinen Gedanken nach. Riku wusste ganz genau, wo Samu war. Zumindest vermutete er es. An ihrem Ort. Sie hatten keinem der anderen Jungs, davon erzählt. Warum, wusste Riku auch nicht. Es hatte sich einfach nicht ergeben. Und seit die Jungs auch da waren, wurde so oder so die nähere Umgebung vorgezogen. Sollte er nach Samu sehen, obschon er vielleicht seine Ruhe haben möchte?
Nach weiterem hin und her wälzen seiner Gedanken, stand Riku auf, stellte seine Gitarre zur Seite, schnappte sich seine Jacke und verliess das Studio. Den Gedanken, Samu allein zu lassen, mit was auch immer ihn beschäftigte, abzuwarten und Däumchen zu drehen, gefiel Riku einfach nicht.
Wie erwartet, sah Riku Samu schon von weitem auf der Lichtung. Er sass am Ufer des Sees und warf Steine ins Wasser. Was für ein toller Zeitvertreib, dachte Riku und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Er selber, tat genau das Selbe, als er sich, nach der Trennung von Laura, ins Mökki seiner Eltern zurück gezogen hatte. Oftmals sass er Stundenlang am See und malträtierte den See mit Steinen. Es löste Blockaden und linderte etwas die Wut und Trauer, die immer wieder hoch kam. „Tut gut, was?“
Samu hob seinen Blick und sah Riku teilnahmslos an.„Was willst du?“
Der Herr war also immer noch mürrisch. Wohl noch zuwenig Steine in den See geworfen. „Ich wollte nach dir sehen. Doch ich kann auch wieder gehen und darauf warten, bis du genügend Steine in den See geworfen hast, um dich ab zu reagieren.“, darauf Riku trocken und wandte sich wieder zum Gehen. Mit dieser Reaktion, hatte Riku gerechnet. Er war gespannt, wie die nächste sein würde.
Samu schnaubte. Dann kniff er kurz die Augen zusammen und atmete tief durch. „Warte! Du kannst bleiben.“
Riku musste sich ein triumphierendes Lächeln unterdrücken. Er kannte Blondie doch schon ziemlich gut. Auch wenn er hier andere Seiten von sich zeigte, so war Samu doch immer noch der Selbe für Riku und dies würde sich auch nicht ändern. Irgendetwas musste an ihm nagen, dass er so reagierte. Und das schon die ganze Zeit. Riku setzte sich zu Samu und schmiss ebenfalls einen Stein ins Wasser.„Hilft nicht.“, kommentierte Samu. Auch wenn er Zeit für sich brauchte, war er froh, dass Riku jetzt da war.„Du musst es nur lange genug machen. Immer und immer wieder. Glaub mir. Ich weiss wovon ich spreche.“, noch ein Stein, aus Rikus Hand, flog in weitem Bogen über das Wasser, bis er darin landete und versank.
Erstaunt sah Samu zu Riku, der weiterhin geradeaus sah.
„Erzählst du mir jetzt auch noch, wenn ich schon mal da bin, was in letzter Zeit und vor allem auch heute, mit dir los ist? Und sag nicht nichts.“, jetzt war es Riku, der zu Samu sah.
„Ich fühle mich so unter Druck gesetzt, weil dieses Album einfach besser werden muss, als das andere. Denn sonst, wäre Sunrise Avenue, bevor es uns wirklich richtig gegeben hat, schon wieder in der Versenkung verschwunden. Und dafür, habe ich nicht, all die Jahre so hart gekämpft.“ Samu seufzte.
„Deine Launen, machen das Ganze aber nicht besser, Samu. Im Gegenteil.“
„Ich weiss. Aber irgendwie hat die Studioluft, diese Wirkung auf mich. Keine Ahnung.“, fast schon verzweifelt, fuhr sich Samu durch die Haare. „Es tut mir, vor allem wegen dir, leid. Das ist ja ein toller Einstand im Studio.“ Samu löste seinen Blick vom Wasser und wandte ihn Riku zu. Dessen blaugrauen Augen, sahen ihn verständnisvoll an.
„Mach dir darüber mal keinen Kopf. Das haut mich so schnell nicht aus der Bahn. Ich weiss ja, dass du eigentlich ein ganz netter Kerl bist!“, wuschelte Riku durch Samus Haare.
Diesem entwich ein Lachen. „Nett! Und ein Arsch.“
„Ach was. Samu, mach dich doch nicht selber so fertig. Schau dir diesen schönen Tag an. Und du machst so ein Gesicht.“ Riku legte Samu einen Arm um die Schulter und zog ihn an sich.
Frustriert und deprimiert seufend, liess Samu seinen Kopf an Rikus Schulter sinken. „Danke!“
„Dafür sind Freunde da, Samu!“
„Und du, bist der Beste von allen, Rik!“
Eine Weile, sassen sie einfach so da und sagten nichts.
„Ich hab keine Lust mehr, heute noch weiter zu machen.“, unterbrach Samu die Stille. „Ich möchte am liebsten, für den Rest des Tages, hier sitzen und nichts tun.“
„Und was ist mit den anderen?“, fragte Riku.
Samu zuckte mit den Schultern. „Hab mein Telefon im Studio liegen lassen.“
„Clever, Herr Haber!“, darauf Riku. Zückte dann jedoch auch schon sein Telefon und wählte Jukkas Nummer. „Hey Jukka. Ja, ich hab ihn aufgespürt. Nein, wohl eher nicht. Macht keinen grossen Sinn mehr, denke ich. Wenn er eine Frau wäre, würde ich sagen, dass er seine Tage hat.“ Riku grinste Samu an, der ihm einen bösen Blick zu warf. „Ok, mach ich. Bis später!“
„Meine Tage? Hallo!?“
Riku überging Samus Aussage. „Ich soll der Diva liebe Grüsse ausrichten und du sollst dir nicht zu viele Gedanken machen. Über was auch immer.“
„Hmm.“ Samus einziger Kommentar.
„Nimm es dir zu Herzen, Grosser!“, sagte Riku.
Samu nickte. Dann genoss er weiter die Nähe seines besten Freundes, in der er gerade vollkommen abschalten konnte.
Bis Riku die Stille unterbrach. Es ging ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. „Was war denn eben los mit dem Song, Samu.“
„Welchem Song genau?“
„Sail away with me.“ Samu schnaubte. „Komm schon. Was hat es mit dem Song auf sich, was dich so in Rage bringt, weil er nicht genauso klingt, wie du es dir vorgestellt hast?“
„Es ist doch kein Text für eine Temponummer.“, stand Samu auf und verwarf die Hände.
„Und wenn wir ihn einfach etwas abschwächen. Jukkas Idee quasi halbieren? Ein bisschen hat er ja recht, dass wir nicht alles Balladen auf das Album packen können.“ Samu drehte sich abrupt zu Riku um. „Bevor du etwas sagst, was du bereust, hör zu. Ausserdem, so finde ich, sind 'Welcome to my Life' und 'Something Sweet' so starke, gefühlvolle Songs, dass es die Einzigen bleiben sollten. Damit, hast du dich schon fast selber übertroffen.“ Riku musterte Samu. Seine Gesichtszüge, entspannten sich, während seinen Worten. „Was denkst du?“
„Das du eine Idee hast.“, sagte Samu.
Riku grinste. „Ja, die habe ich. Du weisst doch. Ich bin durch und durch Musik. Und als du so geräuschvoll das Studio verlassen hast, habe ich mir Gedanken über diesen Song gemacht. Nein...Eigentlich schon vorher. Weil ich auch fand, dass er zu schnell ist.“
„Und warum, hast du verdammt noch mal nichts gesagt?“ Samu sah Riku entsetzt an.
„Na ja...“ Riku verzog das Gesicht und schob mit dem Fuss ein paar Steine hin und her. Mehr brauchte er nicht zu sagen.
„Alles klar...Aber weisst du, ich hätte, zumindest die Unterstützung eines Bandmitgliedes gebrauchen können.“ Riku sah Samu entschuldigend an. „Deine Meinung ist schliesslich auch wichtig, Rik.“
„Tut mir leid. Ich war wohl auch etwas zu sehr in meinen Gedanken. Manchmal bin ich etwas langsam im denken.“
„Du denkst wohl eher zu sehr über das nach, was du sagen willst. Und irgendwann ist es dann zu spät.“
Riku nickte. Er war schon immer so. „Dafür helfe ich dir, den Song so zu arrangieren, dass er auch für dich, einigermassen passt. Wir gehen einfach einen Kompromiss zwischen deiner und Jukkas Version ein.“ Samu überlegte. „Komm schon. Es muss sein. Sonst kommen wir nicht weiter und es scheitert alles, wegen einem Song.“
Samu lenkte schlussendlich ein.
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Leave the past behinde
Hayran KurguEin einziger Moment, kann dein ganzes Leben verändern... Mit dem Moment, als Riku Rajamaa, Musiker aus Leidenschaft und begnadeter Gitarrist, das Studio betritt, verändert sich nicht nur die Situation der finnischen Band Sunrise Avenue. Auch sein e...
