Amélies Sicht:
Ich konnte die ganze Nacht mal wieder nicht schlafen. Was sollte ich machen, wenn ich wirklich schwanger war? Ich würde das Kind nicht behalten können. Wenn ich wirklich schwanger war, musste ich es abtreiben.
Justin und ich hatten uns getrennt.
Wir konnten jetzt kein Kind bekommen! Wie sollte ich mich um das Kind kümmern? Es war unmöglich für mich, für das Kind zu sorgen. Justin hatte zwar genug Geld, aber trotzdem waren wir nicht mehr zusammen. Das Baby würde also in einer zerbrochenen Familie aufwachsen.
Nein!
Ich war nicht schwanger! Wieso machte ich mich gerade wegen etwas verrückt, was vielleicht nicht mal stimmte.
Ich schloss die Augen und versuchte noch einmal zu schlafen, aber es klappte nicht. Aus dem Grund stand ich auf und ging in die Küche. Ich kippte mir ein bisschen Wasser in ein Glas und setzte mich an den Tisch.
„Kannst du auch nicht schlafen?" fragte eine sehr bekannte Stimme. Wieso mussten sofort meine Gefühle verrückt spielen? Wir waren nicht mehr zusammen, ich wollte diese Gefühle nicht für ihn haben. Als ich mich umdrehte, stand Justin in Boxershorts vor mir. Er sah so perfekt aus, dass ich am liebsten über ihn hergefallen wäre.
„Nein.." antwortete ich schließlich auf seine Frage. Er stellte sich in die Küche und holte eine Tasse raus. „Willst du auch einen Kakao?" wollte er freundlich wissen.
„Ja, gerne." sagte ich mit einem Lächeln auf den Lippen. Ich fand es gut, dass Justin ernsthaft versuchte mich nur noch als Kumpel anzusehen. Leicht fiel ihm das nicht und ich erkannte an seinen Augen, dass er noch ganz schön viel geweint hatte, aber irgendwann kam er schon über die Trennung hinweg.
Justin machte uns beiden einen Kakao und setzte sich dann zu mir an den Tisch. Es tat gut, meine Hände am Kakao zu wärmen. Eigentlich war es noch relativ warm draußen, aber meine Hände waren trotzdem kalt. Das war mein Problem, wenn ich aufgeregt oder nervös war. Meine Hände waren kalt.
„Wie war es bei Selena?" fragte Justin plötzlich, um dieses Schweigen zu beenden. Ich schaute ihm in die Augen und hasste mich dafür, dass ich ihn immer noch bedingungslos liebte.
Wann verschwanden die Gefühle endlich? Wann hatte ich nicht mehr dieses Verlangen nach ihm? Wann konnte ich wieder glücklich sein? Wann?!
„Es war total schön. Wir sind fast täglich spazieren gegangen, sie hat mir Songs von ihrem neuen Album vorgesungen. Wir haben sogar Videospiele gespielt!" sagte ich aufgeregt. Ich versuchte meine schlechte Laune ein bisschen zu überspielen. Eigentlich war es schrecklich bei Selena, weil Justin nicht da war.
„Klingt gut." murmelte er lächelnd. Ich erkannte aber, dass sein Lächeln nicht ernst gemeint war. Er sah auf seine Tasse und seufzte leise. „Hast du mich vermisst?" fragte er auf einmal.
Er sah mir in die Augen und ich wusste ganz genau, welche Antwort er von mir hören wollte. Natürlich hatte ich ihn vermisst! Ich vermisste ihn auch jetzt gerade, aber das konnte ich nicht zugeben.
„Justin..." flüsterte ich stattdessen. Mir war die Frage unangenehm, weshalb ich weg schaute.
„Tut mir leid." sagte er. „Ich glaub ich geh lieber ins Zimmer."
Damit nahm er die Tasse und schlurfte in sein Zimmer. Hatte ich ihn jetzt verletzt? Wahrscheinlich... Es fiel ihm doch schwerer als ich dachte, nur befreundet zu sein. Okay... was erwartete ich? Wir waren 10 Monate zusammen, wir waren glücklich und ein einziger Moment hatte alles zerstört. Ich hatte Justin abserviert. Wie sollte ich da von ihm erwarten, normal zu sein? Immerhin schaffte ich es selber nicht mal, mein Leben normal weiterzuleben. Du könntest ihm noch eine Chance geben...
