Amélies Sicht:
Circa eine Woche war vergangen und ein neues Jahr war angebrochen. Seit sieben Tagen dachte ich täglich an Justin. 24 Stunden lang.
Ich vermisste ihn wie verrückt und es schmerzte daran zu denken, wie er litt. Bestimmt quälte er sich jeden Tag bis in die Nacht hinein und Nachts quälte er sich in den Schlaf.
Ich konnte mir vorstellen wie schwer so ein Entzug war und mir kamen die Tränen, wenn ich daran dachte, wie viele Schmerzen er aushalten musste.
Jedoch würde heute ein Tag sein, an dem ich endlich wieder ein bisschen lachen würde, denn ich war nach Atlanta geflogen, wo Pattie im Krankenhaus lag und vergangene Nacht ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht hatte.
Scooter hatte mich sofort angerufen und mich nach Atlanta eingeladen. Er war ganz aus dem Häuschen, weil er endlich Vater geworden war.
Das Baby kam zwar einen Monat zu früh, weil Pattie ziemlich gestresst wegen der Situation mit Justin war, aber trotzdem sagten die Ärzte, dass es der Kleinen gut ginge. Allerdings musste Pattie ein paar Tage länger im Krankenhaus bleiben, weil sie das Baby im Auge behalten mussten, wie es immer bei Frühgeburten gemacht wurde.
Ich kam ganz spät Abends erst in Atlanta an und war ziemlich müde, weil ich in letzter Zeit wenig schlief, aber trotzdem freute ich mich darauf die Kleine endlich zu sehen.
„Hey Amélie!", sagte Scooter freundlich, der mich extra im Empfangsbereich des Krankenhauses empfing. Eigentlich war die Besuchszeit schon vorbei, aber bei Berühmtheiten wie uns machten sie eine Ausnahme.
Wir fuhren mit dem Fahrstuhl in den vierten Stock und gingen leise durch die Flure, um keine Patienten zu stören.
„Wie geht es dir?", fragte Scooter flüsternd. Ich sah ihm in die Augen und zuckte mit den Schultern.
„Wie soll es mir schon gehen? Ich hab meine Mum verloren und mein Freund sitzt in einer Entzugsklinik und hat vermutlich höllische Schmerzen", murmelte ich leise. „Aber die Hauptsache ist, dass es dir und Pattie gut geht!"
Scooter lächelte ein bisschen und legte seinen Arm um meine Schulter. Wir hatten wirklich ein kleines Vater-Tochter-Verhältnis, über das ich sehr Stolz war. Er war für mich nicht bloß ein Manager, sondern ein guter Ersatzvater.
„Justin mag vielleicht Schmerzen haben, aber wenn er den Entzug überstanden hat, dann ist er wieder gesund, Amélie. Und das ist, was zählt!"
Ich stimmte ihm zu und ging dann mit ihm ins Zimmer von Pattie. Scooter schloss die Tür leise hinter mir, während ich zu ihrem Bett ging und ihr einen Kuss auf die Wange gab.
„Wo ist die Kleine?", fragte ich neugierig. Pattie zeigte auf das Baby-Bett neben ihr und Scooter holte die Kleine aus dem Bettchen raus. Sie schlief tief und fest, weshalb ich sie ganz vorsichtig auf den Arm nahm und mein Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht bekam.
„Wie heißt sie?", fragte ich die Beiden leise.
„Julie", flüsterte Scooter glücklich. Ich strich der kleinen liebevoll über die Wange und stellte mir vor, wie es wäre ein Baby von Justin zu bekommen und es auf dem Arm zu halten.
„Und sie ist gesund?", wollte ich hoffnungsvoll wissen.
„Ja, kerngesund!", sagte Pattie lächelnd.
Ich legte die Kleine zurück in ihr Bettchen und achtete darauf, sie nicht zu wecken. Dann setzten Scooter und ich uns an Patties Bett und unterhielten uns noch ein bisschen. Wir versuchten dabei nicht über meine Mum oder über Justin zu reden, da uns diese Themen sehr bedrückten.
