Kapitel 323

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Justins Sicht:

Lächelnd - und froh, ihre Bekanntschaft gemacht zu haben - nahm ich mir einen Queue, um mit Hailey Billard spielen zu können. Sie schaute mich unsicher an, während ich die Kugeln auf dem Billardtisch platzierte.

„Was ist?", fragte ich sie grinsend. Es tat unglaublich gut, endlich aus diesem Zimmer raus zu sein und mit anderen Menschen reden zu können. Diese Langeweile hätte mich noch umgebracht und Abwechslung tat echt gut.

„Nichts, ich kann nur nicht so gut Billard spielen", murmelte sie leise.

Ich machte den Anfang und stieß alle Kugeln auseinander, wobei eine Ganze auch gleich in ein Loch rollte.

„Ich hab die Ganzen, du die Halben. Billard ist nicht schwer, aber gegen mich hat niemand eine Chance!", scherzte ich zwinkernd.

Hailey ging um die Platte rum und schaute, welche Kugel sie am Besten spielen könnte.

„Ist der Bieber etwa doch arrogant?"

Sie lachte und stellte sich dann stabil vor die Platte und setzte den Queue auf dem Tisch ab. Sie fixierte die Kugel mit ihrem Blick, jedoch hielt sie den Queue völlig falsch.

„Ich bin nicht arrogant!"

Ich ging zu ihr und stellte mich hinter sie. Dann nahm ich ihre Hand und schob sie ein bisschen weiter am Queue hoch. „Du musst den weiter oben festhalten, damit du besser zielen kannst."

Sie sah schüchtern über ihre Schulter und starrte mir in die Augen. „Du musst die Kugel angucken, nicht mich", hauchte ich leise.

Sie löste ihren Blick von mir und stieß dann mit meiner Hilfe gegen die Kugel, die auch gleich in das Loch rollte.

„Wieso bist du hier drin?", fragte ich sie interessiert, als ich mich auf meinen nächsten Spielzug vorbereitete. Mir war schon klar, dass ich sowieso gewinnen würde, aber trotzdem musste ich mich jede Runde konzentriert darauf vorbereiten.

„Mein Freund hat mich damals immer geschlagen und... wegen ihm bin ich auf die schiefe Bahn gerutscht. Ich hab Kokain genommen und gekifft... Meine Mum hat mich zwangseingewiesen, aber inzwischen bin ich froh darüber, dass sie es getan hat. Sonst wäre ich vermutlich schon lange tot", erzählte sie mir.

Nachdem ich die nächste Kugel versenkt hatte, sah ich sie mitfühlend an. Ich fragte mich wirklich, wie so ein nettes Mädchen wie sie auf die schiefe Bahn geraten konnte.

„Bist du noch mit dem Kerl zusammen, der dir das angetan hat?" Sie schüttelte den Kopf und stützte sich auf die Billardplatte. Ich holte tief Luft und sagte: „Zum Glück. Solche Typen sollten verprügelt werden. Wie lange bist du schon hier?"

Sie spielte die nächste Kugel, die natürlich daneben ging und ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

„Seit einem halben Jahr. Und du?"

Ich seufzte und schaute auf den Boden. „Seit zwei Monaten."

Ehrlich gesagt bekam ich Angst, als sie mir sagte, dass sie schon ein halbes Jahr hier war. Wie sollte ich das überleben, wenn ich ein halbes Jahr hier sein musste? Oder noch länger.

Ich war ja jetzt schon kurz vorm Durchdrehen.

„Wie alt bist du?", wollte ich neugierig wissen.

Sie lächelte. „18. Du bist 20 oder?"

Ich nickte. „Morgen 21... Aber wen interessiert das schon, ich sitze an meinem Geburtstag eh in meinem Zimmer."

Hailey seufzte leise und wuschelte mir durch die Haare.

„Ich bin froh, dass ich jetzt jemanden zum Reden habe", sagte ich ehrlicherweise.

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