Amélies Sicht:
Ich schloss die Augen und genoss es, wie Justin meineWange küsste. Er löste eine Gänsehaut auf meinem ganzen Körperaus und mit einem Lächeln im Gesicht sah ich ihm schließlich in dieAugen.
„Kommt ihr Essen?!" schrie meine Mutter plötzlich ausder Küche. Ich löste mich aus Justins Umarmung und ging mit ihmzusammen in die Küche. Meine Mutter hatte eine Gemüsesuppe warmgemacht, die sie vermutlich heute Abend schon mit meinem Vatergegessen hatte. Sie sättigte nicht so sehr, aber für heute reichtees. Ich war gerade sowieso nicht in der Lage viel zu essen, weil ichmit der Situation überfordert war, dass Justin in meinem Zimmerschlafen wollte.
Auf einmal kam mein Vater in die Küche undgrinste uns beide an.
„Hast du deine Sachen schon insGästezimmer gebracht, Justin?" fragte mein Vater ihn neugierig.Justin schüttelte den Kopf und sah mich schüchtern an.
„Dannmache ich das für dich." sagte er schließlich, doch ich hielt ihnan der Hand fest und zog ihn zurück.
„Dad... Justin... schläftbei mir." erklärte ich ihm mit leiser Stimme. Mein Blick wandertekurz zu Justin, der seine Lippen zusammenpresste und auf die Suppestarrte. Außerdem färbte sein Gesicht sich ein bisschen rot, weiles ihm peinlich war bei mir schlafen zu wollen.
„Er.. indeinem Bett?"
Ich nickte und leckte mir kurz über die Lippen.Meine Eltern musterten uns beide ziemlich verwirrt und Justin war dieganze Situation mehr als unangenehm. So schüchtern hatte ich ihnlange nicht mehr erlebt und es war wirklich süß, wie er unserenBlicken auswich.
„Hast du noch Kondome, Süße?" fragte meinVater mich auf einmal und Justin verschluckte sich an der Suppe,weshalb er anfing zu husten. Mir hingegen klappte der Mund auf,während ich meinen Vater fassungslos musterte.
„Wir sindnur Freunde, Dad!" protestierte ich sofort.
Justin hattesich wieder etwas beruhigt und lief im Gesicht knallrot an. Jetzt warauch mir das ganze ziemlich peinlich.
„Nur Freunde, ja? Ichweiß wie es endet, wenn ich euch Beide in einem Zimmer schlafenlasse!" meckerte mein Vater grinsend. Ich vergrub mein Gesicht inmeinen Händen und schüttelte den Kopf. Justin kratzte sich verlegenam Nacken und kaute sich nervös auf der Unterlippe rum.
„Schatz,jetzt lass die Beiden doch! Lukas dürfte auch hier schlafen, ohnedas du einen Aufstand machst!" sagte meine Mutter schließlich.
„Aber Lukas und Amélie sind nur Freunde."
Ich lachteund sah meinen Vater verständnislos an.
„Justin und ich auch!"
Er nickte letztendlich und sah Justin mit warndendem Blick an.
„Ich weiß nicht, wieso du bei meiner Tochter schlafen willst,aber ich erlaube es jetzt mal. Aber wehe, dass ist nur eine Aktion umsie ins Bett zu bekommen!" sagte mein Vater mit ernster Stimme. Erschüchterte Justin total ein, denn der sah mit gesenktem Kopf aufden Boden und nickte. Nervös spielte er mit seinen Fingern rum undich schickte meinen Vater nur noch aus der Küche raus.
„Der tutso, als würde er Justin gar nicht kennen. Ich verstehe nicht, wassein Problem ist... während unserer Beziehung hat es ihn doch auchnach einer Weile nicht mehr gestört." murmelte ich genervt.
„Erhat bestimmt nur Angst, dass ich mich bei dir rächen will und dassich dir jetzt das Herz breche, indem ich dich einfach nur für's Bettbenutze." flüsterte Justin leise.
Ich sah ihn verträumt anund strahlte über beide Ohren.
„Er sollte aber eigentlichwissen, dass wir nur Freunde sind."
Justin zuckte mit denSchultern und aß seine Suppe auf. Dann gingen wir zusammen in meinZimmer und Justin starrte die Fotos an meinen Wänden an. Bei demBild mit Denise, Lukas, Justin und mir musste er lächeln.
„Duhast es immer noch an der Wand." säuselte er glücklich.
Ichstellte mich neben ihn und nickte zufrieden.
„Ich mag das Bildeinfach und kann mich nicht davon trennen." murmelte ich leise.Justin sah mich an und dadurch, dass er keine Sonnenbrille mehraufhatte, sah ich seine dunklen Augenringe. Er löste sich von meinemBlick und schaute wieder das Foto an.
„An dem Abend haben wirdas Schloss an die Brücke gehängt und uns geschworen, dass wir unsauf ewig lieben werden." hauchte Justin auf einmal.
Er sahmich nicht an. Stattdessen leckte er sich über die Lippen undseufzte traurig. Er schaute auf den Boden und ging schließlich zuseinem Koffer aus dem er eine Packung Zigaretten rausholte.
„Darfich in deinem Zimmer rauchen?" fragte er mich hoffnungsvoll.
„Duhast doch gerade am Flughafen eine geraucht."
Justin seufzte.„Ich weiß, aber ich brauche die jetzt."
Ich nickte und fuhrmir durch die Haare.
„Raus gehen kannst du ja schlecht... WennFans oder Papz dich sehen, wäre das schlecht. Aber mach das Fensterauf und bleib beim Fenster stehen."
Justin nickte und machtedas Fenster auf Kipp. Dann zündete er die Zigarette an und lehntesich gegen die Wand neben dem Fenster. Der Großteil vom Rauch zognach draußen, aber ich konnte den Rauch trotzdem riechen.
„Washast du morgen vor?" fragte Justin mich lächelnd, während erimmer mal wieder einen Zug von seiner Zigarette nahm. Ich war fleißigdabei meinen Koffer auszuräumen und einige Sachen in meinemKleiderschrank zu sortieren.
„Ich... wollte an Nicks Grab. Seitder Beerdigung war ich nicht einmal da, weil... na ja... alleine habich mich dazu nie imstande gefühlt." murmelte ich traurig.
Justinrunzelte verwirrt die Stirn.
„Ist Austin nie mit dir zum Grabgegangen?" wollte er neugierig wissen.
Ich schüttelte den Kopfund leckte mir über meine Lippen, die heute wirklich spröde waren.
„Er wäre mit mir gegangen... aber... na ja... er gibt mirnicht die nötige Kraft dazu... ich hab Angst, dass ich am Grabzusammenbreche. Der Einzige, der mir Kraft geben kann, bist du,Justin. Du hast das alles mit mir durchgemacht und ohne dich schaffeich es nicht Nicks Grab zu besuchen." gestand ich ehrlich.
Justindrückte die Kippe aus und kam zu mir. Er roch nach Rauch, aber daswar mir gerade egal.
„Jetzt bin ich bei dir und ich werde mitzu seinem Grab kommen." hauchte Justin mir mit sanfter Stimme gegendie Lippen. Ich lächelte überglücklich und schmiegte meine Wangean seine Brust, während ich ihm meine Hände auf dein Rücken legteund ihn an mich drückte.
„Danke, Justin."
Justinerwiderte die Umarmung und hauchte mir einen Kuss auf den Scheitel.
„Ich geh mich mal fertig machen, Shawty."
Ich löstemich von Justin und nickte schließlich.
Er hauchte mir nocheinen Kuss auf die Wange und ging dann ins Bad. Ich blieb in meinemZimmer und zog mich schnell bis auf Unterwäsche aus und zog mir einekurze Boxershorts und ein weites schwarzes T-Shirt an.
Dann räumteich noch restliche Sachen in meinen Kleiderschrank, als Justin zurückin mein Zimmer kam. Er trug nur noch weite Boxershorts, was michziemlich anmachte.
Sein Körper wurde von meiner Lampeangestrahlt und das Licht brachte seinen Sixpack extrem zur Geltung.Seine Tattoos zierten seinen Körper wie ein Kunstwerk. Und erstjetzt fiel mir an seiner rechten Hüfte ein Schriftzug auf. Ich gingnäher an ihn ran und las das Wort 'Forgive'.
„Forgive?"fragte ich ihn lächelnd.
Justin sah mir tief in die Augen undnickte lächelnd.
„Ja... es soll bedeuten, dass man jedemMenschen vergeben sollte und es soll zeigen, dass ich dir vergebenhabe."
Ich spürte wie ich rot wurde und ging ohne einenweiteren Kommentar aus meinem Zimmer.
Im Badezimmer putzte ichschnell meine Zähne und kämmte meine Haare noch einmal, bevor ichzurück in mein Zimmer ging und mich neben Justin ins Bett legte. Erhatte die Decke nur bis zum Bauchnabel gezogen und drehte sich aufdie Seite, sodass er mich ansehen konnte.
„Amélie?"flüsterte er leise.
Ich drehte mich auch auf die Seite undschaute ihn im Liegen an.
„Ja?"
Justin leckte sich überdie Lippen und zog die Decke ein bisschen höher.
„Wieso magstdu Za nicht? Bei Khalil kann ich es verstehen, aber... Za versucht sonett zu dir zu sein und du hasst ihn."
Ich verdrehte die Augenund sah Justin in seine müden Augen.
„Ich weiß, dass Zaversucht nett zu sein... Aber das ändert für mich nichts, Justin.Er ist ein schlechter Einfluss für dich. Ich mag ihn einfach nicht."erklärte ich ihm leise. Justin gähnte und rieb sich erschlöpftüber die Augen. „Du solltest jetzt schlafen."
Justin nickteund schloss die Augen.
„Gute Nacht, Amélie."
Ichlächelte. „Gute Nacht, Justin."
Auch ich schloss die Augenund schneller als gedacht viel ich in einen tiefen Schlaf.
JustinsSicht:
Als ich sichergehen konnte, dass Amélie eingeschlafenwar, schlug ich die Bettdecke vorsichtig zur Seite und stand auf. AufZehenspitzen tapste ich zu meinem Koffer und holte den Behälter mitden Antidepressiva raus, da ich vorhin nicht die Chance hatte sie mitins Badezimmer zu nehmen, sonst hätte Amélie die Dose gesehen.
Ausdem Grund ging ich jetzt ins Badezimmer und schluckte eine Tabletterunter. Anschließend verschloss ich die Dose wieder und brachte siezurück ins Zimmer. Amélie drehte sich kurz auf die andere Seite,weshalb ich erstarrte, aber sie schlief immer noch tief und fest,sodass ich ohne Probleme einen Pullover und eine Jogginghose anziehenkonnte, mir mein Handy schnappte und aus dem Zimmer verschwand.
Ichging leise die Treppe runter, bedacht ihre Eltern nicht zu wecken,und zog mir meine Supras an. Draußen lag zwar Schnee, aber ichverzichtete auf meine Winterjacke.
Ich öffnete die Haustür,nahm natürlich einen Schlüssel mit, der im Flur lag, und schlossdie Tür leise hinter mir.
Dann ging ich ein Stück, bis icheine geschützte Ecke gefunden hatte, in der ich ohne Problemetelefonieren konnte. Im Haus wäre es schlecht gewesen, dennirgendeiner wäre bestimmt von meinem Telefonat wach geworden.
Ichwählte die Nummer von Khalil und wartete darauf, dass er ranging.
„Ey Bizzle!" hörte ich ihn schließlich sagen.
„Hey,Mann.. seid ihr schon in Berlin?" fragte ich ihn neugierig.
„Ja,seit 'ner Stunde sind Za und ich im Hotelzimmer. Weiß deine Kleine,dass wir hier sind?"
Ich seufzte genervt.
„Nein, Amélieweiß da nichts von. Und wenn sie erfährt, dass ich euch einfliegenlassen habe, reißt sie mir den Kopf ab. Sie denkt ich bin hier umUrlaub zu machen und zu entspannen, wenn sie weiß was ich vorhabe...sie wird mich nicht verstehen."
„Ey, Mann.. was soll dasheißen? Du willst nur ins Studio, um neue Songs aufzunehmen.. dasist kein Grund für sie um sich aufzuregen. Du machst nur deinen Job,Alter!" sagte Khalil verständnislos. Ich seufzte und langsam wurdemir ziemlich kalt.
Ich holte mir eine Zigarette und ein Feuerzeugaus der Hosentasche meiner Jogginghose - die hatte ich mir vorhinschnell eingesteckt - und zündete die Kippe an, indem ich meinHandy solange zwischen Wange und Schulter klemmte. Es war Nacht, alsowürde mich schon niemand sehen.
„Sie weiß aber ganz genau,dass ich erschöpft bin und sie wird es nicht verstehen, wie ich inmeinem Urlaub arbeite. Außerdem will ich nicht nur Songs aufnehmen,sondern nebenbei noch mit Nick neue Choreos kreieren. Und ich helfeTay James bei seinem Mixtape und noch dazu hänge ich mit euch rum."sagte ich leise.
Khalil seufzte genervt.
„Lass dich nichtso sehr von der Kleinen kontrollieren, Alter! Mach was du willst, esist dein Leben! Tay James ist morgen um 15 Uhr im Studio, Za und ichauch, weil wir unseren Song aufnehmen. Kommst du auch?"
Ichseufzte und leckte mir über die Lippen, bevor ich nochmal an derKippe zog.
„Morgen kann ich nicht... ich bin da schon mitAmélie unterwegs. Aber morgen sage ich ihr, dass ich ab übermorgenim Studio stehen werde." flüsterte ich leise. „Ich muss jetztauflegen, wird langsam kalt draußen. Bis Übermorgen, Mann!"
Khalil lachte. „Bis dann, Bizzle."
Ich legte auf und gingzurück zum Haus. Natürlich hatte ich vorher die Zigaretteausgedrückt und weggeschmissen.
Leise öffnete ich die Haustür,packte den Schlüssel zurück auf seinen Platz und tapste auf Sockenzurück in Amélies Zimmer.
Als ich die Tür von ihrem Zimmerzugemacht hatte und mir mein Pullover über den Kopf zog, wurdeplötzlich eine Nachttischlampe angemacht. Amélie sah mich mithalbgeöffneten Augen an und gähnte müde.
„Wo warst du?"
