Kapitel 314

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Amélies Sicht:

Als ich wieder zu Bewusstsein kam, spürte ich wie sehr ich zitterte. Mein Herz schlug rasend schnell und mein Atem war unregelmäßig. Ich stand auf und starrte die Leiche meiner Mutter an. Sie hing an einem Tuch, welches um ihren Hals gewickelt und an der Lampe befestigt war. Ihr Mund war geöffnet und ihre Augen ebenfalls.

Ich konnte nicht mehr atmen. Ich hatte das Gefühl, als würde mir jemand den Hals abschnüren. Meine Mutter hatte sich erhängt. Sie war tot. 

Ich spürte die Tränen über meine Wange laufen und wollte schreien, aber kein Ton kam aus meinem Mund raus. Ich fühlte mich wie eingefroren. Geschockt und verstört. 

„Mum!", schrie ich auf einmal doch. Ich brach auf meinen Knien zusammen und schluchzte extrem laut. Ich schrie so laut ich konnte und biss mir immer wieder auf die Lippe, um die Schreie zu ersticken.

Mein Herz zerbrach in tausend Teile. Mir blieb die Luft weg. Mein Kopf pochte und dröhnte und dieser Anblick von meiner Mutter brannte sich in meinem Kopf ein. 

Ich hatte das Gefühl selber zu sterben, als würde mir jemand ebenfalls eine Schlinge um den Hals ziehen. 

Völlig aufgelöst holte ich mein Handy aus meiner Jogginghose und tippte mit zitternden Händen Austins Nummer, da ich wusste, dass er in Berlin war.

„Hey Süße", flüsterte er noch etwas benommen.

„Austin! Meine Mum... ich... du... musst... bitte... komm... her. Gott! Ich... sie... sie... hat... bitte!", stotterte ich ins Handy.

„Süße.. hey.. bleib ganz ruhig, ich komm sofort!"

Dann legte er auch schon auf und ließ mich mit der Situation alleine. Ich versuchte aufzustehen, aber meine Beine fühlten sich wie Wackelpudding an. Ich brach gleich wieder zusammen und weinte weiter.

Nach einer gefühlten Ewigkeit schaffte ich es endlich aufzustehen. Ich torkelte aus dem Zimmer, als wäre ich extrem betrunken und stolperte die Treppe runter, um mich ins Wohnzimmer zu setzen. Auf der Couch vergrub ich mein Gesicht in meinen flachen Händen und schüttelte verzweifelt den Kopf. Ich wollte irgendwas fühlen, außer Schmerz. Ich wollte lachen können und wünschte mir, dass ich mich in einem schlimmen Albtraum befand, aus dem ich jeden Moment wieder erwachen würde. 

Schließlich klingelte es an der Tür.

Ich stand mit wackeligen Knien auf und torkelte zur Tür, um sie zu öffnen. Austin stand zitternd vor der Tür, da er nur ein T-Shirt und eine Jogginghose trug. Er war wirklich gleich hergekommen, nur um mich zu sehen.

„Oh Gott, was ist passiert?", fragte er verzweifelt. Er kam rein und schloss die Tür hinter sich, bevor er mich in den Arm nahm und ich in seinen Armen zusammen sackte. Austin hielt mich zum Glück fest, sodass ich nicht komplett zusammenbrechen konnte.

„Mum...", flüsterte ich heulend. Er sah mir tief in die Augen und legte seine Hände an meine Wangen. Seine wunderschönen braunen Augen blickten in meine und ich konnte seine Besorgnis darin sehen.

„Was ist mit Monika?", wollte er schließlich wissen.

„Schlafzimmer", brachte ich nur raus, denn ich war viel zu geschockt um irgendwelche zusammenhängende Sätze zu sprechen. Austin hob mich wie eine Braut hoch und trug mich die Treppen hoch, bis zu dem Zimmer meiner Mutter. Da ich die Tür offen gelassen hatte, konnte Austin sofort sehen, weshalb ich so weinte.

Er ließ mich runter und hielt eine Hand vor den Mund, während er seinen anderen Arm um meine Hüfte schlang und mich an sich zog. 

„Ich rufe den Notdienst an", murmelte er mit zittriger Stimme.

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