Amélies Sicht:
Als wir zuhause ankamen, trafen wir meine Mutter und meine Großeltern noch im Wohnzimmer. Es hatten sich alle schon Schlafanzüge angezogen und es sich bequem gemacht.
„Na ihr zwei, hattet ihr ein paar schöne Stunden?", fragte meine Oma lächelnd, natürlich auf Deutsch. Justin sah mich hilflos an, doch ich lächelte einfach nur und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen.
„Geh nach oben und mach dich schon mal fertig, ich komm auch gleich, Baby!", flüsterte ich leise. Justin nickte und verschwand mit einem freundlichen „Gute Nacht" oben in meinem Zimmer. Als ich hörte, dass er die Tür geschlossen hatte, setzte ich mich zu meiner Mutter und strahlte über beide Ohren.
„Wie lange waren wir weg?", fragte ich Mama neugierig.
„Etwas mehr als zwei Stunden", sagte sie mit einem gezwungenen Lächeln auf den Lippen. Es tat mir immer noch im Herzen weh, dass meine Mutter unter Liebeskummer litt, während ich glücklicher als je zuvor war und in meiner Beziehung alles perfekt lief. Am liebsten würde ich sie mit einem Mann verkuppeln, der Frauen genauso gut behandelte, wie Justin es tat.
„Ich fühl mich schlecht, weil ich kein Geschenk für ihn habe... und er hat für mich wieder ein' Haufen Geld ausgegeben!", sagte ich schuldbewusst. Ich redete auf Deutsch, dass Justin auch ja nichts verstand, falls er gehofft hatte uns belauschen zu können.
„Was hat er dir denn geschenkt?", fragte mein Großvater neugierig. Ich lächelte und zeigte ihnen den Ring an meinem Finger. Außerdem erzählte ich ihnen noch von der Kette und dem Stern.
„Das ist ja wie in diesen ganzen Hollywood Filmen!", schwärmte meine Großmutter begeistert. Sie hatte Justin schon richtig ins Herz geschlossen, dass merkte ich einfach.
„Ja... aber ich hab eine Idee, wie ich ihm vielleicht eine kleine Gegenleistung bringen kann", sagte ich unsicher.
„Oh nein, Amélie! Wenn es um Sex geht, dann kann ich dir gleich sagen... Nein! Nicht wenn wir Besuch haben!", protestierte meine Mutter, bevor ich auch nur irgendwas sagen konnte. Peinlich berührt hielt ich mir die flachen Hände vor das Gesicht, weil ich bestimmt so rot wie eine Tomate war.
„Nein Mum... darum geht es nicht! Ich hab überlegt, dass ich Jeremy irgendwie überrede, Justins Geschwister morgen einfliegen zu lassen. Er hat ihm zwar Kontaktverbot erteilt und er hasst mich, aber... es würde Justin so gut tun, wenn er Jazzy und Jaxon sehen darf!", sagte ich leise.
Meine Mutter nickte und meine Großeltern schauten mich verwirrt an.
„Warum hat Justin Kontaktverbot zu seinen Geschwistern bekommen?", wollte meine Großmutter wissen. „Und was war heute beim Essen mit Justin los?"
Ich seufzte und wusste, dass ich ihnen die Wahrheit erzählen musste.
„Das hängt beides miteinander zusammen... Justin ist... war Drogenabhängig... genauer gesagt, hat er Ecstasy genommen. Durch ein Versehen hat Jazzy ein paar Tabletten geschluckt und ist ins Krankenhaus gekommen. Jeremy ist total ausgetickt und.. jetzt darf er die Kleinen nicht mehr sehen. Und heute beim Essen... na ja... Justin ist auf Entzug und das sind die Nebenwirkungen gewesen."
Es war mir ein bisschen peinlich das zu erzählen, weil meine Großeltern ihn jetzt bestimmt unsympathischer fanden. Aber stattdessen mochten sie ihn immer noch extrem und nahmen ihn sogar in Schutz.
„Sein Vater kann ihm doch nicht den Kontakt zu seinen Geschwistern verbieten. Wenn der Junge auf Entzug ist, dann braucht er sie doch erst recht!", murmelte mein Großvater kopfschüttelnd.
Ich nickte und nahm mein Handy aus der Clutch.
„Deswegen rufe ich Jeremy jetzt auch an und versuche ihn zu überreden, dass mein Bodyguard Tom die Beiden abholen darf und morgen herbringen darf!"
