Kapitel 261

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Amélies Sicht:


Justin verspannte sich sofort, was ich an seinenWangenknochen sehen konnte. Ich nahm seine linke Hand in meine undstrich ihm zärtlich über den Handrücken.
„Du musst jetztruhig bleiben, Justin. Steh dazu, was du getan hast. Wenn du deinenFehler einsiehst, wird nichts passieren." flüsterte ichberuhigend.
Justin leckte sich über die Lippen und schlucktelaut hörbar.
„Und was, wenn sie mich mitnehmen?"
Ichschüttelte den Kopf und löste meine Hand aus seiner. Vorsichtignahm ich sein Gesicht in meine Hände und schaute ihm tief in dieAugen.
„Sie werden dich nicht mitnehmen. Du hast nur ein Hausmit Eiern beworfen, niemanden ermordet, Justin."
In dem Momentklingelte es an der Tür und Justin seufzte, bevor er aus der Kücheging. Ich folgte ihm und warf Khalil noch einen wütenden Blick zu.Er grinste nur und ich sah Justin dabei zu, wie er die Tür öffnete.
Justin redete mit den Polizisten, aber ich konnte nichtverstehen, was sie sagten, da ich nicht allzu dicht bei ihnen stand.
Justins Freunde lachten einfach nur und ich schaute die Drei mitgerunzelter Stirn an.
„Seid ihr stolz drauf, dass Justin jetztProbleme bekommt?"
Es antwortete mir niemand, stattdessenbetraten die Polizisten Justins Haus und schauten uns mit großenAugen an. Justin stellte sich neben mich und biss nervös auf seinerUnterlippe rum. Es war ihm ziemlich unangenehm, dass sah man ihm an.

„Sie müssen alle einen Drogentest bei meinem Kollegenmachen." sagte ein Polizist mit ernster Stimme. Justin machte denDrogentest zuerst und danach musste ich ihn durchführen. Natürlichfanden sie bei mir keinerlei Drogen und bei Justin wurde nur einleichter Anteil Nikotin festgestellt, was kein Wunder war, wenn errauchte.
Als nächstes waren Milk und Khalil dran. Bei beidenwurden starke Mengen Marihuana festgestellt und die Polizisten sahenJustin an.
„Wussten Sie davon, dass sich Marihuana in IhremHaus befindet?" fragte er ihn neugierig. Justin nickte und presstedie Lippen zusammen, weil er panische Angst hatte. Ich legte meinenlinken Arm um seine Hüfte und lächelte ihn ermutigend an.
Alsletztes war Lilza an der Reihe, doch der weigerte sich den Test zumachen. Stattdessen fing er an die Polizisten aufs Übelste zubeschimpfen, bis die Polizisten an Geduld verloren.
„Dasreicht, Sie kommen mit auf's Revier!" sagte er streng. Er zückteseine Handschellen und machte sie Lilza um die Handgelenke. Justinstarrte Lilza und dem Polizisten mit offenem Mund hinterher.
„Aber!"rief Justin, doch ich haute ihm gleich leicht gegen die Brust.
„Sagnichts, Justin. Sonst bist du der Nächste." flüsterte ich leise.
„Wir werden auch ihre anderen Freunde mitnehmen, da sie unterEinfluss von Drogen stehen!" erklärte uns ein Officer streng.Justin nickte einfach nur und Milk sah Justin verständnislos an.
„Du kiffst doch selber, Alter! Aber jetzt wo deine Freundeabgeführt werden, ziehst du natürlich den Schwanz ein! Feigling!"rief Milk Justin zu. Justin war kurz davor zu weinen, doch ich nahmihn in den Arm und strich ihm über den Rücken.
„Lass ihnreden, Justin. Du brauchst deine Freunde nicht zu verteidigen."flüsterte ich in sein Ohr. Ich löste mich wieder von Justin undstrich ihm über seine Schläfe, wodurch Justin ein bisschenlächelte.

Nachdem Justins Freunde abgeführt wurden, sah eindunkelhäutiger Polizist uns an.
„Aufgrund des Vorfalls letzteNacht müssen wir Ihr Haus durchsuchen, Mr Bieber."
Ichrunzelte die Stirn und sah ihn verwirrt an.
„Wonach wollen Siesuchen? Nach Eiern? Da kann ich Ihnen gerne helfen, denn die sind imKühlschrank!" keifte ich wütend, weil ich absolut keinVerständnis dafür hatte, dass die Justins Haus durchsuchen mussten.Es reichte doch, wenn Justin sich entschuldigte und das Bußgeldzahlte.
„Wir müssen das Haus auch auf Drogen untersuchen, alsowäre es sehr freundlich, wenn Sie beide das Haus verlassen, damitwir unsere Arbeit machen können!" sagte der Polizist freundlich.
„Justin hat keine Drogen in diesem Haus! Die Drogen kommen vonseinen Freunden, vielleicht sollten Sie deren Häuser maldurchsuchen! Hören Sie auf nach Gründen zu suchen, um Justin hinterGitter bringen zu können!" schrie ich wütend.
„Lass gutsein, Amélie." murmelte Justin leise. Der Polizist, den ichangeschrien hatte machte eine Handbewegung und schon kamen zweiandere Polizisten, die uns am Rücken rausschoben und draußen in dieGarage schubsten.
„Was wird das?" fragte ich schockiert. Siemachten die Garage zu und somit war es stockdunkel in der Garage.Natürlich hatten sie uns in die kleinste Garage gesteckt, wo einAuto von Justin drin stand und noch ein paar Kisten. Es war ziemlichwenig Platz hier und da wir nichts sahen, wusste ich, dass Justinaufgrund seiner Klaustrophobie gleich durchdrehen würde.

„Ichhab Panik, Amélie!" schluchzte Justin plötzlich. Ich hörte, wiesich sein Atem beschleunigte, aber sehen konnte ich Justin nicht.
„Amélie, wo bist du?" fragte Justin ängstlich. Er hatteSchnappatmung und ich meinte ihn weinen zu hören. Aufgrund seinerStimme wusste ich wo er stand und ich legte meine Hände an seineOberarme und strich hoch bis zu seinem Hals.
„Ich bin hier,Justin. Beruhig dich." flüsterte ich leise und mit sanfter Stimme.Justins Atem wurde immer schneller und ich spürte sein Zittern.
Behutsam legte ich meine Hände auf seinen Rücken und drückteihn an mich.
„Ich bin bei dir, Justin.. beruhig dich, bitte.Lausche meiner Stimme und atme ruhig ein und ruhig wieder aus."hauchte ich leise.
Justin legte seine Hände an meinen Rückenund krallte sie in meine Jeansbluse, aber er versuchte ruhig ein undruhig wieder auszuatmen.
„Shhh.. ein- und ausatmen, ganzruhig."
Justin atmete ganz ruhig ein und wieder aus und seinGriff lockerte sich ein bisschen, bis er seine Hände nur noch ruhigauf meinem Rücken liegen hatte.
„So ist gut, ich bin bei dir."murmelte ich ermutigend.
Ich würde ja Licht anmachen, nur leiderwusste ich nicht wo der Lichtschalter war, da ich nichts sehen konnteund Justin loslassen wollte ich jetzt auch nicht.
Auf einmalhörte ich Kennys Stimme.
„Verdammt, macht die scheiß Garageauf!" schrie er irgendjemanden an und sofort öffnete sich dieGarage. Justin löste sich von mir und stürmte raus. Er atmeterasend schnell und fuhr sich durch die Haare, als wäre er geradebeinahe dem Tod entkommen.
Kenny nahm Justin in den Arm und ichschaute den dunkelhäutigen Polizisten wütend an.
„Justin hatKlaustrophobie, verdammt! Sie können uns doch nicht wegsperren, alswären wir Hunde!" schrie ich ihn aufgebracht an.
„Tut mirsehr leid, das wusste ich nicht." murmelte er einfach nur. Wirblieben die restliche Zeit bei der Garage stehen und Justin hattesich auch langsam wieder beruhigt.

Als Justin nach obenschaute sah er einen Helikopter mit Paparazzi. Er zog sich sofortseine Kapuze auf und stellte sich so hinter Kenny, dass sie ihn nichtsehen konnten. Ich schüttelte verständnislos den Kopf und zeigteeinen Mittelfinger zu dem Helikopter.
Nach weiteren 30 Minutenwaren die Polizisten verschwunden und Justin rannte rasend schnell inseine Villa.
„Was machst du hier, Kenny?" fragte ich ihnverwirrt.
„Ich hab den Livestream gesehen, dass hier Polizistenstehen und bin sofort hergefahren um zu sehen, was hier los ist."murmelte er leise.
„Die haben einen Livestream von Justins Hausgezeigt?" fragte ich fassungslos.
„Ja, offensichtlich hat ernicht mal in seiner Villa seine Ruhe. Geh zu ihm, Amélie. Ich denkeer braucht dich gerade."
Ich nickte und ging in die Villa.Sofort machte ich mich auf den Weg zu Justins Schlafzimmer, wasfrüher auch mal mein Schlafzimmer war. Ich drückte die Türklinkenach unten, doch die Tür ließ sich nicht öffnen. Justin hatteabgeschlossen.
„Justin, mach die Tür auf!"
KeineReaktion.
„Justin! Bitte, mach die Tür auf!"
Wiederkeine Reaktion.
„Justin, verdammt! Bitte! Ich mach mir Sorgen!"
Er antwortete nicht.
Kenny kam zu mir und hielt mir einenSchlüssel hin.
„Er hat Ersatzschlüssel für jedes Zimmer."Ich nahm Kenny den Schlüssel ab und Kenny verschwand sofort imWohnzimmer, weil er uns nicht stören wollte. Ich schloss die Türauf und hatte Glück, dass von der anderen Seite kein Schlüsselsteckte.

Ich öffnete die Tür und vor Schock ließ ich denSchlüssel fallen. Justin saß auf seinem Bett und hielt eineRasierklinge in der linken Hand. Er tat nichts, außer sieanzustarren.
Sofort rannte ich zu ihm und nahm ihm vorsichtig dieKlinge aus der Hand, um sie wegzulegen. Zum Glück hatte er sichnicht geritzt, denn ansonsten würde ich mir ewig Vorwürfe machen.
„Justin" murmelte ich leise und auf einmal begann Justin zuheulen. Ich nahm ihn in den Arm und drückte ihn an mich, so fest ichkonnte, weil ich Angst hatte ihn zu verlieren.
„Ich hatte schonAngst, du hättest dir etwas angetan! Verdammt, wieso die Klinge,Justin? Das kann nicht dein ernst sein!" murmelte ich verzweifelt.
Justin sah mich mit verheultem Blick an. Er fuhr sich durch dieHaare und schnappte aufgeregt nach Luft.
„Ich... ich hab mir janichts angetan, aber... aber ich hab darüber nachgedacht. Mir... mirwird das langsam echt zu viel." schluchzte Justin verzweifelt.
Ichstrich ihm über den Oberarm und anschließend über die rechteWange. Justin liefen ein paar Tränen über die Wange und es warwirklich schlimm ihn so kaputt zu sehen.
„Justin... wiesowolltest du dich ritzen? Du hast es schon einmal getan undversprochen es nie wieder zu tun." murmelte ich leise.
Justinholte tief Luft und leckte sich über die Lippen.
„Ich wolltees tun, weil... ich das Gefühl habe von jedem gehasst zu werden. DiePresse hasst mich, Milk hasst mich jetzt auch und du hasst mich jetztvermutlich auch, weil ich mal wieder Scheiße gebaut habe. Ichenttäusche jeden... auch meine Eltern und mich liebt doch sowiesoniemand mehr. Und das mit der Presse und so... mir wird das zu viel,die verfolgen mich sogar bis zu meiner Villa. Denen ist es scheißegal, ob ich Privatsphäre habe oder nicht und jetzt wurden auch nochmeine Freunde wegen mir verhaftet! Nur weil ich den Mund nichtaufgemacht habe!" schrie er verzweifelt.

Ich strich ihmseitlich durch seine Haare und genoss das Gefühl wie seine Haaredurch meine Finger gleiteten. Justin schloss die Augen und versuchtesich ein bisschen zu beruhigen, aber das schaffte er nicht wirklich.
„Justin, du bist nicht Schuld daran das deine Freunde verhaftetwurden! Gib dir nicht immer für alles die Schuld, okay? Sie habendie Drogen genommen, du hattest keinen Grund die irgendwie zuverteidigen! Und hör auf zu sagen, dass du von jedem gehasst wirst!Deine Eltern könnten dich niemals hassen, Justin! Deine Crew...Scooter, Fredo, Kenny, Nick.. die hassen dich alle nicht! Und ichhasse dich übrigens auch nicht! Und wenn dir das alles über denKopf wächst, dann brech die Tour ab! Lass die Konzerte im Januarausfallen und mache eine Pause! Justin du wolltest dich ritzen, ichmach mir Sorgen um dich! Du bist mir so verdammt wichtig. Ich habedich damals fast verloren, weil du wegen so einer scheiß Klingebeinahe verblutet wärst und ich will nicht noch einmal solche Angstum ich haben!" sagte ich mit leicht wütendem Unterton.
Justinschaute mir schuldbewusst in die Augen und nahm meine Hand in seine.Ich weinte selber schon fast, weil ich einfach solche Angst um Justinhatte.
„Es tut mir leid, Amélie. Ich hab dich schon wiederenttäuscht.. ich hab es nicht verdient, dein bester Freund zu sein."murmelte er selbstzweifelnd.
Ich strich ihm über den Handrückenund schüttelte den Kopf.
„Du bist toll, Justin. Mach dichnicht immer schlecht! Jetzt mag die Welt vielleicht für dichuntergehen, aber es wird wieder aufwärts gehen, glaub mir. Und denkbitte nie wieder, dass ich dich hasse. Egal wie viele Fehler dumachst, ich werde dich nicht hassen und dich einfach so hängenlassen. Ich werde immer für dich da sein, wann immer du michbrauchst. Du kannst immer mit mir sprechen, aber bitte tue dirniemals etwas an! Ich würde es nicht verkraften, wenn du dirSchmerzen zufügst. Du bist der liebevollste Junge, den ich kenne unddu hast diesen ganzen Hass von den Medien nicht verdient.Ich..."

Auf einmal wurde ich von Justin unterbrochen, indemer seine weichen Lippen auf meine legte. Ich hatte nicht damitgerechnet und obwohl es sehr plötzlich kam, erwiderte ich den Kuss.Er legte seine linke Hand an meine Wange und begann meine Lippenzärtlich zu massieren. Ich folgte seinen Lippenbewegungen undspürte, wie alles in meinem Körper anfing zu kribbeln. Selbst meineLippen kribbelten, brannten... ich konnte dieses Gefühl nichtbeschreiben, es war berauschend. Zudem schlug mein Herz rasendschnell gegen meine Brust, sodass ich Angst hatte es würde gleichrausspringen.
Justin strich mit seinem Daumen zärtlich übermeine Wange, als er sich Millimeter von meinen Lippen löste, nur ummich dann erneut zu küssen. Es rauschten tausende Bilder an mirvorbei, ich konnte nicht mehr klar denken. Für mich gab es in demMoment nur Justin und den völlig unerwarteten Kuss, der mir zeigte,dass ich nie ganz aufgehört hatte ihn zu lieben. Schon seit wirFreunde geworden waren, gehörte ihm immer noch ein kleiner Teilmeines Herzens, doch durch diesen Kuss gerade holte er sich auch dierestlichen Teile meines Herzens zurück.
Es fühlte sich an, alshätten wir uns nie getrennt, als hätte ich ihn nie betrogen. Dochleider war auch klar, dass dieser wundervolle Moment nicht ewiganhalten würde. Irgendwann war eben auch der schönste undunerwartenste Moment zuende.

Als Justin sich von mir löste,sah er mich mit leicht geöffnetem Mund an. Ich fing an zu lächelnund auch Justin lächelte ein bisschen.
„Bleibst du heute Nachtbei mir?" fragte Justin mit sanfter Stimme. Es lief eine Träneüber seine Wange, die er sich mit dem Handrücken wegwischte.
„Ichhab aber keine Schlafsachen hier." murmelte ich leise, als wärenie etwas zwischen Justin und mir passiert. Wenn ich jetzt darübernachdachte, war es ziemlich dumm von mir den Kuss zu erwidern.Wahrscheinlich hatte Justin mich nur aus Verzweiflung geküsst. Erwar so verstört, dass er nicht wusste was er tat. Vor ein paarMinuten war er noch kurz davor sich zu ritzen und jetzt lächelte er,als hätte er nie daran gedacht, sich zu verletzen? Das passte nichtzusammen.
Justin stand auf und ging zu seinem Kleiderschrank. Erholte ein schwarzes T-Shirt raus und eine weite Boxershorts.
„Hier."
Er reichte mir seine Sachen, die ich dankendentgegennahm. Dann zog er sich sein Oberteil über den Kopf undschmiss es auf eine Kommode. Er zog sich auch noch die Hose aus undsah mich verlegen an.
Ich stand vom Bett auf und versuchte ihnnicht anzustarren.
„Ich geh mich dann mal fertig machen."hauchte ich unsicher. Der Kuss hatte mich ziemlich benebelt und auchziemlich verwirrt.
„Du weißt ja, wo das Bad ist." scherzteJustin lächelnd. Ich ging aus dem Schlafzimmer raus und als ich imBadezimmer war biss ich mir sanft auf die Unterlippe und strahlteüber beide Ohren.
Jetzt war mir endgültig klar, dass ich michein zweites Mal in Justin verliebt hatte.

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