Amélies Sicht:
Weitere zwei Monate vergingen. Ich hatte jetzt schon einen Haufen Konzerte hinter mich gebracht und ehrlich gesagt musste ich sagen, dass mich die Auftritte von der Sehnsucht nach Justin ablenkten.
Vier Monate war er nun schon 'eingesperrt' und es gab noch keinen Ausblick, wann er wieder rauskommen würde. Der Arzt konnte uns keine Auskunft darüber geben, da Justin manchmal den Eindruck machte, als könne er entlassen werden und im nächsten Moment drehte er wieder völlig durch. Dr. Sawyer meinte außerdem, dass wir uns nicht wundern sollten, wenn er sich nach der Rehab anders verhalten würde. Eventuell sollten wir mit neuen Ängsten rechnen oder mit Typveränderungen. Mich störte das alles aber nicht, solange ich ihn so schnell wie möglich wieder in die Arme schließen konnte
Ich hatte gerade ein weiteres Konzert beendet und umarmte nun jeden meiner Crew und lobte sie für ihre Arbeit.
„Steht der DVD Abend noch?", fragte Sean mich lächelnd. Ich nickte selbstverständlich, denn ich hatte Fredo - der sich auf der Tour mit um die Technik kümmerte - extra gebeten ein paar DVDs ausleihen zu gehen, da ich das nicht schaffen würde.
Ich zog mir schnell eine Jacke über mein Kleid und ging dann mit Sean zusammen aus dem Hintereingang raus, um zum Van zu gehen, der schon für uns bereit stand. Da es ein bisschen regnete, nahm Sean mich in den Arm und hielt seine Jacke schützend über meinen Kopf. Von links erkannte man trotzdem das Blitzlichtgewitter der Paparazzi, die schon wieder überall erzählten, dass Sean und ich ein Paar wären.
Dabei waren wir nichts als sehr gute Freunde. Genauso, wie Ryan und ich und Fredo und ich nur gute Freunde waren.
Bei mir in der Suite angekommen - wir hielten uns zurzeit in Rom auf - zog ich meine durchnässten Klamotten aus und warf mir schnell einen Bademantel über, bevor Sean mich mit großen Augen nur in Unterwäsche anstarren konnte.
Sean saß auf meinem Bett und schaltete schonmal den Laptop ein, auf dem wir unsere DVDs schauen wollten. Doch ich spürte, dass sein Blick immer wieder auf mich gerichtet war, während ich mir frische Sachen aus dem Koffer nahm.
„Wieso schaust du mich die ganze Zeit an?", fragte ich Sean neugierig. Sean zuckte mit den Schultern und lächelte schüchtern.
„Du bist tabu für mich, immerhin bist du mit meinem Bro zusammen", murmelte er leise.
Ich runzelte die Stirn und schluckte hörbar.
„Du siehst das hier jetzt aber nicht als Date an, oder?", fragte ich schockiert. Sean schüttelte stürmisch den Kopf.
„Nein, aber wenn du Single wärst würde ich dich wie ein Gentleman auf ein Date einladen und nicht wieder nur für einen One Night Stand benutzen. Du bist eine hammer Frau, Amélie. Justin kann sich wirklich glücklich schätzen."
Ich musste unwillkürlich an den One Night Stand mit Sean denken und schüttelte meinen Kopf, als würde ich diese Gedanken wegschütteln wollen.
Rasend schnell ging ich duschen und kuschelte mich anschließend neben Sean unter meine Decke und sah mir mit ihm zusammen „Wir sind die Millers" an, was eine sehr witzige Komödie war. Jedoch hatte das Konzert mich so fertig gemacht, dass ich das Ende verschlief und auf Seans Schulter wieder aufwachte.
Der Laptop lag neben Sean auf dem Bett und ich zuckte zusammen, weil mein Wecker plötzlich klingelte.
Ich hatte wirklich die komplette Nacht auf Seans Schulter geschlafen. Wenn Justin das wüsste, würde er mega ausrasten. Auch wenn eigentlich nichts bei Sean und mir passiert war. Wir hatten lediglich einen Film gesehen und ich war eingeschlafen. Das war kein Grund zur Panik. Müde rieb ich mir den Schlaf aus dem Gesicht und torkelte schlaftrunken zur Tür, an der es geklopft hatte. Fredo stand lächelnd vor mir und hielt mir einen Briefumschlag hin.
