Amélies Sicht:
Ich heulte bestimmt eine Viertelstunde, weil ich mich die ganze Zeit an die schöne Zeit mit Justin erinnern musste. Doch irgendwann stand ich vom Boden auf und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Ich durfte nicht weinen, immerhin hatte ich es verdient, dass Justin Schluss gemacht hatte.
Mit einem feuchten Handtuch in der Hand ging ich zurück in mein Zimmer, wo Mac auf meinem Bett saß und sich immer noch die Hand vor die Nase hielt. Justin hatte ihn offensichtlich ganz schön hart erwischt.
Ich ging zu ihm und setzte mich breitbeinig auf seinen Schoß. Doch bevor ich irgendwas machen konnte, platzte meine Mutter ins Zimmer. Manchmal verfluchte ich es wirklich, dass meine Mutter selten anklopfte.
„Erklärst du uns bitte, was los ist?" fragte sie.
Sie erstarrte, als sie mich so nahe bei Mac sah und runzelte verwirrt die Stirn. Ich seufzte und nickte schließlich.
„Später.. Justin hat Mac geschlagen, er blutet." murmelte ich leise.
„Wieso hat Justin ihn geschlafen?" wollte sie schockiert wissen.
Ich stöhnte genervt und warf ihr einen kalten Blick zu. Was verstand sie nicht daran, dass ich es ihr später erzählen würde? Musste sie immer alles sofort wissen?
„Das erzähle ich Dad und dir gleich! Ich komm gleich runter!" keifte ich genervt.
Meine Mutter schaute uns völlig entgeistert an, ging aber mit gesenktem Kopf aus dem Zimmer und ich wandte mich wieder Mac zu.
Ich nahm vorsichtig seine Hand von der Nase und tupfte ihm das Blut weg, dass leicht aus seiner Nase lief. Mac nahm währenddessen meine andere Hand in seine und strich mir über den Handrücken.
„Du hast geweint, Schatz.." flüsterte Mac leise.
Ich musste ein bisschen lächeln, als er 'Schatz' sagte. Jetzt, wo ich nicht mehr mit Justin zusammen war, konnten wir endlich eine richtige, öffentliche Beziehung führen.
„Ja.. hab ich.. ich hab Justin noch nie so fertig gesehen.. ich hab ihn verletzt.. deswegen hab ich geweint.. er tut mir irgendwie leid." murmelte ich leise. Die Tränen waren nicht, weil er mich verlassen hatte. Mir war klar, dass unsere Hochzeit nicht stattfinden würde. Mir war klar, dass unsere Beziehung mit meinen Taten zerstört wurde. Ich war selbst Schuld, also sollte ich jetzt nicht weinen, weil Justin einen Schlussstrich gezogen hatte.
„Er hätte dich nicht schlagen dürfen!" sagte ich schließlich, voller Enttäuschung und Wut, während ich das restliche Blut abwischte. Jetzt sah seine Nase gar nicht mehr so schlimm aus. Gebrochen war sie auf keinen Fall, das würde man sofort sehen.
Mac schaute mir tief in die Augen und legte das Handtuch neben sich auf das Bett, als ich alles abgetupft hatte.
Er strich mit einer Hand über meine Wange und schaute mir tief in die Augen.
„Ich hab den Schlag verdient. Es ist okay, ich kann ihn voll verstehen, dass er Wut auf mich hat." verteidigte er Justin.
Ich zuckte mit den Schultern und legte schließlich meine Lippen auf seine. Wir massierten sie gegenseitig und versanken einfach in einem leidenschaftlichen Kuss.
„Ich liebe dich." hauchte ich gegen seine Lippen.
„Ich liebe dich auch!"
Wir lächelten uns an und gingen runter ins Wohnzimmer.
Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo ich meinen Eltern alles beichten musste und es war mir ehrlich gesagt schon ein bisschen unangenehm und peinlich.
