Kapitel 300

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Amélies Sicht:

Mit offenem Mund starrte ich Justin an, während er sich zu mir beugte und mir einen Kuss auf die Wange drückte. Sein Daumen strich immer noch über meinen Handrücken, was mich ein kleines bisschen beruhigte.

Trotzdem konnte ich nicht glauben, was Justin da gerade gesagt hatte. Das er für mich nach Deutschland ziehen würde, war die eine Sache. Aber das er für mich alles aufgeben würde, wenn das die einzige Möglichkeit wäre mit mir zusammen zu sein... das war eine andere.

„Du würdest für Amélie die Musik aufgeben?", fragte mein Opa noch einmal neugierig nach.

„Ja. Nichts ist mir wichtiger als Amélie", gestand Justin lächelnd.

Offensichtlich hatte meine Oma diese Aussage verstanden, denn sie quiekte leise auf und hielt sich beide Hände vor den Mund.

„Gott, er ist ja ein absoluter Traummann! Bleib bloß für immer mit ihm zusammen, Amélie!", sagte meine Oma auf Deutsch.

Justin zog verwirrt die Augenbrauen hoch und sah mich hilflos an, weil er nichts verstanden hatte. Ich beugte mich zu ihm und küsste seine Wange.

„Sie hat gesagt, dass du ein Traummann bist und ich für immer mit dir zusammen bleiben soll", raunte ich ihm ins Ohr. Justin sah mich verliebt an und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Für immer", wiederholte Justin leise, bevor er seine Lippen auf meine legte und sie zärtlich massierte. Doch ein Räuspern unterbrach unseren Kuss und wir schauten verlegen zur Kellnerin, die unser Essen brachte. Zumindest unsere Vorspeise, denn wir hatten alle Salat bestellt, bis auf Justin. Der hatte sich keine Vorspeise bestellt und schaute mir stattdessen dabei zu, wie ich meinen Salat aß.

„Wieso hast du dir keine Vorspeise bestellt?", fragte ich ihn unsicher. Justin zuckte mit den Schultern und leckte sich über die Lippen.

„Keinen Hunger", antwortete er murmelnd.

Ich wusste, dass seine Appetitlosigkeit von dem Entzug kam, genauso wie die Schlaflosigkeit, die Schweißausbrüche und das Zittern ab und zu. Außerdem zählte noch Übelkeit und Schwindelgefühl dazu. Jedoch war es nicht gut, wenn Justin nichts aß. Er musste dringend auf das Normalgewicht zurückkommen und dazu musste er etwas essen. Ob er wollte, oder nicht. Ich pikste etwas Salat auf die Gabel und hielt es Justin vor den Mund. Er sah mich seufzend an und aß schließlich das, was auf der Gabel war.

„Du bestellst dir aber ein Hauptgericht, okay?", fragte ich ihn besorgt. Justin legte seine rechte Hand auf meinen Oberschenkel und strich liebevoll darüber.

„Okay. Für dich bestell' ich mir etwas!", sagte er im Flüsterton. Ich lächelte zufrieden und aß meinen Salat zuende, während ich mit meiner linken Hand Justins rechte festhielt und das Gefühl seiner Nähe genoss.

Ich brauchte ihn nicht zu küssen oder anzusehen um Schmetterlinge im Bauch zu spüren. Es reichte schon, wenn er meine Hand hielt und mich die ganze Zeit anstarrte. Sein Blick zeigte mir, dass er mich begehrte, dass er mich wunderschön fand und, dass er mich liebte.

Als wir fertig gegessen hatten, warteten wir auf den Hauptgang, den wir erst nach der Vorspeise bestellten, damit wir noch ein bisschen mehr Zeit zum Warten hatten und den Salat sacken lassen konnten.

Während wir auf den Hauptgang warteten, unterhielt ich mich mit meiner Mutter.

„Übermorgen kommst du mit nach Washington, oder? Ich hab dich als meine Begleitung angegeben!", sagte ich lächelnd. Natürlich sprach ich jetzt wieder Deutsch, damit meine Großmutter alles verstehen konnte.

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