Kapitel 105

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Amélies Sicht:


Mit zitternden Händen nahm ich den Anruf an.

„Hey Dad." sagte ich. Natürlich versuchte ich dabei glücklich zu klingen, aber mein Vater kannte mich einfach zu gut. Er wusste wahrscheinlich schon längst wie es mir ging, immerhin konnte ich mir denken,wieso er mich anrief.

„Es ist überall in den Nachrichten! Sag mir bitte nicht, dass ihr euch getrennt habt!" sagte mein Vater schockiert.

Ich seufzte und sah mit traurigem Gesichtsausdruck Selena an.

„Wir haben uns getrennt, Dad. Es ist vorbei." murmelte ich schließlich. Als ich die Worte aussprach verkrampfte sich mein Herz wieder, aber ich versuchte dieses Gefühl der Leere zu ignorieren.

Am anderen Ende der Leitung herrschte Stille. Ich hörte nur ein Atmen. Das Atmen von meinem Vater.

„Wieso?" flüsterte er ganz ruhig. Er klang wirklich enttäuscht, aber ich wusste genau, dass sich das gleich änderte. Sobald ich ihm sagte, was Justin getan hatte, würde er sich aufregen und mir sagen, dass ich ihn nie wieder treffen durfte.

„Er hat mich angelogen und... er... er hat mich geschlagen." gab ich mit leiser Stimme zu. Mein Vater blieb ganz ruhig, aber er atmete schwerer.

Gleich flippte er aus, ich ahnte es schon.

„Er hat dich geschlagen?" fragte er noch einmal nach. „Ja... also er hat mir eine geklatscht. Bitte flipp jetzt nicht aus, Dad. Bitte.." bat ich liebevoll.

Ich hatte keine Lust darauf, dass er mir jetzt eine Predigt hielt, wie recht er doch hatte und das Justin mich früher oder später verletzen würde. Darauf hatte ich echt keine Lust.

„Am liebsten würde ich ihn gerade zusammenschlagen, aber... Überlege dir noch einmal ob du ihm nicht doch noch eine Chance geben willst. Der Junge liebt dich und du liebst ihn! Es wäre einen Fehler ihn einfach aufzugeben. Er ist das beste, was dir je passiert ist." sagte mein Vater und es klang sogar ernst gemeint.


Nachdenklich starrte ich in die Luft.

„Ich kann nicht. Ich kann nicht wieder mit ihm zusammen sein, es geht nicht." beschloss ich fest entschlossen. Mein Vater seufzte in das Handy und schnaufte. „Du musst es wissen, immerhin ist es dein Leben, aber er ist wirklich das Beste, was dir hätte passieren können. Aber.. jetzt wo ihr getrennt seit, kommst du wieder nach Berlin?" fragte mein Vater und ich konnte ein bisschen Hoffnung aus seiner Stimme heraushören. Klar konnte ich verstehen, dass meine Eltern mich vermissten.

„Nein, ich bleib jetzt die nächsten drei Tage bei Sel im Hotel und danach gehe ich zu Justin zurück. Allerdings suche ich mir in der nächsten Zeit eine Wohnung in Amerika, sodass ich hier bleiben kann." sagte ich entschlossen.

Ich hatte ehrlich gesagt gar keine Ahnung, was ich jetzt mit meinem Leben anfangen wollte. Die nächste Zeit musste ich dann wohl noch bei Justin wohnen, aber wie sollte ich eine Wohnung in Amerika finanzieren? Justin konnte ich nicht fragen, ob er sie mir bezahlte... obwohl er es natürlich machen würde.

„Aber wie willst du das alles machen? Du hast kein Geld!" protestierte mein Vater.

„Ja ich weiß, aber ich werde schon irgendwas finden. Ich suche mir einen Job und dann verdiene ich genug Geld, sodass ich irgendwann eine eigene Wohnung habe. Dad ich will wirklich in Amerika bleiben. Es ist so schön hier." erklärte ich ihm.

„Du willst wegen Justin in Amerika bleiben. Komm schon, du kannst mir nichts vor machen! Du liebst ihn und du bringst es eigentlich gar nicht übers Herz von ihm getrennt zu sein." murmelte mein Vater und damit hatte er völlig recht.

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