AméliesSicht:
Nachdem Selena, Denise und ich unsere Kofferausgepackt hatten, schaute ich auf die Uhr, die schon 22.04 Uhranzeigte. Müde rieb ich mir über die Augen und gähnte laut hörbar.Wir waren fast drei Stunden damit beschäftigt gewesen unsere Sachenauszuräumen, was aber daran lag, dass wir ziemlich viel gequatschthatten.
Selena und ich hatten uns lange nicht gesehen unddementsprechend hatten wir uns viel zu erzählen. Ich war wirklichfroh darüber, dass wir uns so gut verstanden. Es war nie meineAbsicht gewesen, dass wir uns wegen irgendetwas stritten.
„Wieläuft's zwischen dir uns Ryan?" fragte ich sie grinsend, als wirzusammen in die Küche gingen, um uns etwas zu trinken zu holen.
„Zwischen uns läuft alles perfekt." schwärmte sie verliebt.Lächelnd goss ich mir Wasser ins Glas und nahm einen Schluck.
„Freut mich!"
Wir gingen jeder mit unserem Glas insWohnzimmer, wo Ryan vor dem Fernseher saß und versuchte ihnanzubekommen. Selena setzte sich auf sein Schoß und hauchte ihmeinen Kuss auf die Lippen.
„Was machst du hier so alleine?"fragte sie ihren Freund neugierig. Ryan schaute uns drei an und legtedie Fernbedienung weg, um seine Arme um Selenas Bauch zu schlingen.
„Die Jungs sind im Zimmer und ich hatte keine Lust mehr aufdie, weil ich viel zu müde bin um noch irgendwas zu machen. Deswegenwollte ich eigentlich den Fernseher anmachen, um noch ein bisschen zuentspannen, aber das Scheißding will nicht angehen!" knurrte erleise. Selena drückte ihm noch einen Kuss auf die Lippen undkuschelte sich dann an seine Brust. Denise und ich setzten uns ansEnde von der Couch und gähnten fast gleichzeitig, weshalb wir lachenmussten.
Plötzlich hörten wir ein lautes Krachen und ichdrehte mich abrupt um. Justin war gegen einen kleinen Tisch gerannt,der im Wohnzimmer stand und stützte sich auf der Tischplatte auf,bevor er sich wieder erhob und torkelnd in die Küche ging.
Zaund Khalil kamen ebenfalls aus dem Zimmer raus und ich sah die beidenmit großen Augen an, als Justin sich am Türrahmen abstützte undhin und her schwankte.
„Was habt ihr mit ihm gemacht?!"schrie ich aufgebracht.
Besorgt ging ich zu Justin, der esinzwischen geschafft hatte, bis in die Küche zu gehen. Ich stelltemich vor ihn und er sah mich mit halbgeöffneten Augen und offenemMund an. Er ging einen Schritt nach vorne und fiel dabei beinahegegen mich, weshalb ich ihn an den Schultern festhielt und ihm in dieAugen sah. Ich spürte Justins Atem in meinem Gesicht, derübertrieben nach Alkohol und Rauch roch. Marihuana traf es wohleher, denn langsam kannte ich den Geruch.
Justin stützte sich aneiner Ecke von der Kücheninsel ab und schloss die Augen. Vermutlichdrehte sich gerade alles in seinem Kopf, was auch kein Wunder war, sovoll wie er war.
Ich strich ihm mit der rechten Hand zärtlichüber die Wange und schüttelte verständnislos den Kopf.
„Bleibhier stehen." murmelte ich leise. Justin reagierte gar nicht aufmeine Worte, sondern schwankte immer wieder hin und her, weil erselbst mit dem Stehen Probleme hatte. Ich holte ein Glas Wasser undging wieder zu ihm.
Vorsichtig nahm ich seine Hand in meine undführte sie zum Glas, dass ich ihm bedacht in die Hand drückte. Ichachtete darauf, dass er es festhielt bevor ich meine Hand von seinernahm.
„Trink das, Justin." verlangte ich von ihm, doch Justinstarrte mich mit offenem Mund an und schüttelte leicht den Kopf.
„Nicht noch mehr!" säuselte er beinahe unverständlich. Ichseufzte, weil ich ihm am liebsten eine scheuern würde, dafür, dasser schon wieder so viel getrunken hatte, aber ich versuchte ruhig zubleiben.
„Das ist nur Wasser. Komm... jetzt trink." flüsterteich leise. Justin führte das Glas zu seinem Mund und nahm einenSchluck. Ich nahm ihm das Glas wieder aus der Hand und stellte es aufdie Kücheninsel.
Justin starrte mir in die Augen und drücktemich plötzlich gegen die Küchenzeile. Erschrocken schaute ich ihnan und Justin begann meinen Hals mit Küssen zu bedecken.
„Justin!"sagte ich protestierend, doch er löste sich nicht von mir, sondernfuhr mit seinen Händen unter mein Oberteil und seine Finger aufmeiner Haut lösten ein Kribbeln in meinem Körper aus. Trotzdemdrückte ich Justin weg, weshalb er sofort nach hinten torkelte undgegen die Wand knallte.
„Verdammt was soll das, Justin?! Dumusst dringend schlafen!" sagte ich genervt. Ich legte einen Arm umseinen Rücken und führte ihn irgendwie aus der Küche, während erimmer wieder versuchte mir an die Wäsche zu gehen. Im Wohnzimmerstarrte ich Khalil und Za wütend an, die einfach nur auf der Couchsaßen und uns musterten. Khalil grinste dabei sogar noch.
„Setzdich erstmal hin." verlangte ich von Justin, als ich ihn wütendauf die Couch schubste. Ich war extrem sauer auf ihn, weshalb ichauch nicht mehr nett sein konnte.
Sofort begann er Deniseüber den Oberschenkel zu streichen, bis er auch ihr unter dasT-Shirt fuhr, doch sie schlug sofort seine Hand weg und rückte einStück näher zu Za und Khalil, einfach um Justin nicht mehr so nahesein zu müssen.
„Justin man, reiß dich zusammen!" sagteSelena schließlich. „Amélie, hast du ihm schon Wasser gegeben?"
Ich nickte und trotzdem stand Selena auf und griff nach ihremWasserglas. Sie stellte sich vor Justin und hielt es ihm hin. „Hier,trink."
Justin trank tatsächlich das ganze Glas aus und ließes ausversehen auf den Boden fallen.
„Oh" brummte er leise.Ich fuhr mir durch die Haare und anschließend über das Gesicht,weil ich wirklich kurz vorm Ausrasten war.
Dann stand Justinschwankend auf und umarmte Selena völlig unerwartet. Ryan mustertedie Beiden ganz genau, doch er wusste ja, dass Justin besoffen warund nicht wusste, was er tat.
Auf einmal legte er seine Hände anSelenas Hintern und versuchte sie zu küssen. Natürlich wich Selenaaus, sodass er nur ihre Wange traf, doch Ryan sprang auf und schubsteJustin von seiner Freundin weg.
„Ey, Mann! Es reicht!" keifteer eifersüchtig.
„Ryan lass gut sein, er ist betrunken."murmelte ich leise. Ryan entspannte sich wieder ein bisschen undeigentlich dachte ich, dass sich die Sache damit erledigt hatte, dochJustin begann seinen besten Freund zu provozieren.
„Du hast soein heißes Weib wie Selena gar nicht verdient!" lallte er. Ryanballte seine Hände zu Fäusten und Selena ging zu ihm und legteeinen Arm um ihn, damit er sich ein bisschen beruhigte.
„Justin,komm jetzt mit!" sagte ich zu ihm, während ich seine Hand nahm undihn eigentlich in sein Zimmer bringen wollte, doch er ließ sichnicht von der Stelle rühren. Stimmte es wirklich, dass Betrunkeneviel stärker waren als im nüchternen Zustand?
„Ich hab direine Sache noch nie gesagt, Mann, aber Selena macht mich wahnsinnigan. Sie ist extrem geil und ich würde sie gerne flachlegen.. immerund immer wieder, wie damals." säuselte Justin plötzlich.
Ryan riss sich von Selena los und wollte auf Justin losgehen,aber ich stellte mich vor ihn und sah Ryan mit ernstem Blick an.
„Ryan, er ist total voll! Er weiß nicht, was er redet! Alsofang jetzt hier keine Schlägerei mit deinem besten Freund an!Verhalt' du dich nicht auch noch wie ein Idiot!" schrie ich wütendund Ryan zuckte zusammen und entspannte sich wieder etwas. Er ging zuSelena zurück und küsste sie erstmal, bevor er sich hinsetzte undSelena auf seinen Schoß zog.
Justin legte seine Hände jetzt anmeinen Hintern und ich drehte mich abrupt um und klatschte ihm eine.
„Komm mal wieder zu dir, Justin! Du hast mir etwasversprochen! Du hast gesagt du hörst auf dich wie ein Arschlochaufzuführen! Du hast mir geschworen die ganze Scheiße zu lassen!Und nichts davon hast du gehalten! Du bist ein Lügner! Und nichtsvon dem, was du tust, hast du unter Kontrolle! Du weißt nicht mehr,wer du eigentlich bist! Du bist dabei abzudrehen und verrückt zuspielen und ich hab da kein Bock mehr drauf, Justin!" verzweifeltschrie ich ihn an, auch wenn er sich daran am nächsten Morgen ehnicht mehr erinnern konnte. Es war mir auch egal, ob die anderendabei waren oder nicht, ich musste das einfach mal loswerden.
Eshatten sich bereits Tränen in meinen Augen gebildet, die sich denWeg über meine Wange bahnten.
„Siehst du das?! Ich heul schonwegen deinem scheiß Verhalten! Verdammt, ich kann nicht mehr längermit ansehen wie kaputt du bist! Ich hab versucht mit dir zu reden...tausendmal! Ich wollte dir helfen, aber das bringt wohl alles nichts!Und jetzt ist der Punkt gekommen, an dem ich kein Bock mehr hab! Machwas du willst, Justin! Sauf' dich ins Koma.. dröhn' dich mit Drogenvoll, mir ist das ab heute egal! Denn die Tatsache, dass ich michjedes Mal darüber aufrege, macht mich selbst schon zu einem Wrack!"
Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter und ichdrehte mich zu Za um, der mich erschrocken ansah, als er meintränenüberströmtes Geischt sah.
Justin starrte mich einfachnur mit verzogenem Gesicht an, weil er von meinem Geschreie wohlKopfschmerzen bekommen hatte.
„Ich bring ihn ins Bett."murmelte Za schuldbewusst. Ich warf ihm nur einen wütenden Blick zuund verdrehte die Augen.
„Mach doch was du willst." zischteich und Za stützte Justin bis zu seinem Zimmer. Dann verschwandensie im Zimmer von Ryan und Justin und schlossen die Tür. Ich setztemich zwischen Ryan und Denise und vergrub mein Gesicht in den Händen.
Ryan strich mir leicht über den Rücken und krampfhaft versuchteich das Schluchzen zurückzuhalten. Ich fragte mich, wieso nur Justinso extrem voll war. Wieso nicht auch Za und Khalil? Wieso trankJustin, obwohl seine Freunde es nicht so heftig taten?
Ichverstand Justin nicht. Was wollte er damit erreichen? Wieso konnte ernicht einfach wieder der Justin werden, der er früher gewesen war?
Auf einmal hörte ich Khalil dumm lachen. „Jetzt flenn' dochnicht, man. Er ist nur betrunken, nicht tot."
Ich sprang vonder Couch auf und klatschte auch ihm noch eine. Khalil wolltezurückschlagen, aber Ryan hielt seinen Arm fest und sah ihnschockiert an.
„Bist du bescheuert? Du kannst sie doch nichtschlagen!"
Khalil starrte mich kochend vor Wut an und icherwiderte seinen Blick. Am liebsten hätte ich ihn nochmalgeschlagen, weil ich einfach so wütend auf ihn war, doch ich rissmich gerade noch so zusammen.
„Bitch!" zischte er, bevor eraufsprang und in sein Zimmer ging. Er knallte die Tür extrem laut zuund verzweifelt biss ich mir auf die Unterlippe und spürte wie eineweitere Träne über meine Wange lief.
„Ich geh mal nachJustin sehen." murmelte ich schließlich leise.
Ich wollteeinfach nur sichergehen, dass er in Ruhe eingeschlafen war.
Alsich ins Zimmer kam, lag er tatsächlich auf der Seite und schlief wieein kleines Baby. Za saß neben ihm am Bett und schaute mich mitgehobenen Augenbrauen an, als ich ins Zimmer kam.
„Wieso tutihr ihm das an?" fragte ich Za traurig, als ich mich an dieBettkante setzte und Justin anschaute.
Ich strich mit meinenFingerspitzen seitlich durch seine Haare und holte tief Luft.
„Wirtun ihm nichts an, Amélie... ich zumindest nicht. Wenn ihn jemanddazu anstiftet Drogen zu nehmen, dann ist es Khalil, aber ich hab ihnnoch nie zu irgendwas gezwungen. Klar, ich kiffe auch... aber inMaßen und ich weiß wo mein Limit ist.. Khalil weiß es nicht undJustin weiß es erst recht nicht." erklärte Za mir leise, damitwir Justin nicht wecken konnten.
Aber der würde sowieso soschnell nicht mehr aufwachen, der musste erstmal seinen Rauschausschlafen.
Ich schwieg, weil ich nicht wusste, was ich dazusagen sollte. Nur weil Za mir das erzählt hatte, hieß es nicht,dass ich ihn dadurch mehr akzeptierte.
„Ich glaub er hatProbleme, Amélie."
„Ja, die Probleme seid ihr!" keifteich wütend.
Za schnaufte genervt und schüttelte den Kopf.
„Ichweiß, du magst uns nicht... aber ich glaub wirklich, dass erProbleme hat. Vorhin war er derjenige, der mit dem Saufen angefangenhat. Er hat als Erster zum Alkohol gegriffen und er hat sich alserstes einen Joint gedreht, ohne das Khalil und ich auch nurirgendwas sagen konnten." sagte Za zu mir. Ich starrte Justin anund spürte einen Stich in meinem Herzen, wenn ich daran dachte, dasses ihm schlecht ging.
„Er hat mir vor einigen Tagenversprochen, dass er mit dem Kiffen aufhört... deswegen raucht er jajetzt. War das heute eine Ausnahme, dass er gekifft hat? Oder hat ernoch ein Versprechen gebrochen?"
Za sah mich verwirrt an undleckte sich über die Lippen.
„Tut mir leid, dass zu sagen,aber... er hat die letzte Woche fast jeden Tag gekifft. Wusstest dudas nicht?" fragte er mich schockiert.
Mit offenem Mund sah ichJustin an. Er hatte mir noch etwas vorgelogen. Das zum Thema errauchte jetzt normale Zigaretten, damit er mit dem Kiffen aufhörte.
Lügner.
„Nein, dass wusste ich nicht!"
Mit denWorten stand ich auf und ging in mein eigenes Schlafzimmer.
