Kapitel 107

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Justins Sicht:


Ryan und ich zockten zuhause Videospiele, aber trotzdem konnte mich das nicht so richtig ablenken. Ich lächelte kein einziges Mal. Nicht mal, als ich meinen Rekord gebrochen hatte und somit Ryan geschlagen hatte.

„Bist du mir böse, wenn ich schlafen gehe?" fragte ich Ryan lustlos. Er schüttelte mit dem Kopf und schaltete meine X-Box aus. Dann schlürfte ich in mein Zimmer, wo mich alles an Amélie erinnerte. Ich starrte die Fotos an der Wand an und weinte mal wieder los. Alles könnte so perfekt sein, wenn ich nicht so ein Idiot gewesen wäre.

Chio rannte in mein Zimmer und sprang an meinen Beinen hoch. Er war ganz schön groß geworden, weshalb ich Schwierigkeiten mit meinem Gleichgewicht hatte.

Ich schloss die Tür zu und zog mich bis auf die Boxer aus. Dann legte ich mich ins Bett und ausnahmsweise erlaubte ich Chio auch auf meinem Bett zu liegen. Er leckte mein Gesicht ab, aber nicht mal das brachte mich zum Lachen.

Als ich auf mein Handy sah, hatte ich wieder drei verpasste Anrufe von Scooter und meiner Mutter. Genervt wollte ich mein iPhone wegpacken, doch genau da rief meine Mutter wieder an.

„Was willst du?" fragte ich genervt, als ich den Anruf annahm.

„Was ich will? Justin, Amélie hat mir alles erzählt! Du hast Drogen genommen? Du rauchst? Du hast SIE geschlagen?!" fragte meine Mutter wütend.


Oh ja, so wütend hatte ich sie lange nicht mehr gehört. Ich konnte sie aber vollkommen verstehen, immerhin hatte meine Mutter mir beigebracht, wie man Mädchen behandelte und das Schlagen gehörte ganz bestimmt nicht dazu.

„Mit dem Rauchen hab ich aufgehört. Und ja, ich habe sie geschlagen." murmelte ich. Tränen schossen schon wieder aus meinen Augen heraus. Wieso war ich im Moment so emotional? Und sollten die Tränen nicht mal ein Ende haben?

„Ich bin enttäuscht von dir, Justin. So habe ich dich nicht erzogen. Weißt du was du dem armen Mädchen damit angetan hast?" fragte sie enttäuscht und traurig.

„Weißt du was ich mir damit selber angetan habe? Für mich ist die Tatsache, dass ich sie geschlagen habe, wahrscheinlich viel schlimmer als für sie! Ich komm damit nicht klar, Mum! Ich weiß nicht was in dem Moment mit mir los war! Fuck ich bereue es! Sag mir bitte, wie ich Amélie zurückbekomme." flehte ich verzweifelt.

Ich hoffte so sehr, dass meine Mutter auf meiner Seite stand. Ich hatte sie zwar enttäuscht, aber ich war immer noch ihr Sohn. Sie musste mir einfach helfen.

„Da musst du dir selbst was einfallen lassen. Ich bin enttäuscht von dir." murmelte sie. Dann legte sie tatsächlich auf. Ich starrte geschockt auf mein Handy und war kurz davor es gegen die Wand zu werfen.

Wieso half mir denn keiner?

Ich schaffte es nicht, alleine um Amélie zu kämpfen. Was sollte ich denn machen, um sie zurückzugewinnen?

Vielleicht sollte ich einfach aufgeben...


Amélies Sicht:


Am nächsten Morgen stand ich relativ früh auf, weil ich sowieso nur wach gelegen hatte. Ich machte mir einen Kaffee und setzte mich an einen Tisch. Meine Hände zitterten, meine Knie zitterten. Irgendwie zitterte alles, weil Justin nicht da war. Es fühlte sich an wie kalter Entzug. Keiner konnte sich vorstellen, was es für eine Qual war, ohne ihn zu leben.

Selena kam verschlafen aus dem Schlafzimmer und sah mich mit zusammengekniffenen Augen an. Ihre Haare waren total verstrubbelt, was ich extrem lustig fand. Trotzdem konnte ich nicht lachen. Stattdessen murmelte ich ein trauriges „Guten Morgen"

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