Kapitel 273

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Justins Sicht:


Erschrockensah ich sie an und fasste mir theatralisch an die Brust, weil ichwirklich nicht damit gerechnet hatte, dass sie plötzlich wach wurdeund mit mir redete.
„Ich war draußen.. Eine rauchen."flüsterte ich leise. Zur Hälfte war das sogar die Wahrheit. Ichhätte ja nicht in ihrem Raum rauchen können, während sie schlief.
Améliesah total verschlafen aus, was wirklich niedlich war.
„Dusollst schlafen, nicht rauchen.. außerdem hast du kurz vor 'mSchlafen schon Eine geraucht." flüsterte sie leise. Sie kuscheltesich seitlich in ihre Bettdecke und sah mich mit Schlitzaugen an. Eswar so übertrieben süß, wenn sie krampfhaft versuchte ihre Augenaufzuhalten. Oh Gott, ich liebte dieses Mädchen über alles auf derWelt. Es gab kein süßeres Mädchen, als sie.
„Ich weiß, aberich brauchte die Zigarette jetzt.. dann kann ich vielleicht besserschlafen."
Amélie gähnte und fuhr sich durch die Haare.
„Dann guck TV oder schreib mit deinen Fans auf Twitter, abergeh doch nicht gleich Eine rauchen, dass ist ungesund. Außerdemriechst du jetzt bestimmt nach Rauch." murmelte sie leise. Ichlächelte und fuhr mir durch die Haare.
„Willst du, dass ichnochmal duschen gehe?" fragte ich sie mit ernster Stimme. Für siewürde ich auch noch dreimal duschen, nur damit sie zufrieden war.
„Nee, dann bist du ja wieder hellwach. Komm einfach ins Bett."murmelte sie letztendlich.

Sie schloss die Augen und bevorich noch irgendwas sagen konnte, war sie schon wieder eingeschlafen.Ich lächelte und zog mir meine Jogginghose noch aus, bevor ich michneben sie legte und Amélie anstarrte. Ihr Brust hob und senkte sichin regelmäßigen Abständen und ihr Atem war ganz ruhig. Sielächelte ein bisschen, obwohl sie schlief und ich fragte michsofort, ob sie in letzter Zeit öfters von mir träumte. Ich fragtemich, ob ich ihr von meinen Gefühlen erzählen sollte, doch jedesMal beantwortete ich die Frage für mich selbst mit einem 'Nein'.
Seufzend drehte ich mich auf den Rücken und starrte an dieDecke. Ich konnte nicht schlafen, obwohl ich extrem müde war.Irgendwie hatte ich den Drang mich wachzuhalten, ich wollte kiffen..ich brauchte diese Betäubung, damit ich meine Depressionen nichtmehr spürte. Diese ständige Traurigkeit sollte verschwinden und ichhatte das Gefühl, als wenn die Antidepressiva nicht mehr halfen.
Ich brauchte Marihuana, irgendwas, dass mich betäubte. Aber ichkonnte jetzt nicht nochmal aufstehen. Zwar hatte ich Gras von Khalilbekommen, dass in meiner Hosentasche war, aber da konnte ich jetztnicht rangehen, ohne das ich Amélie wieder wecken würde.
Ichschloss die Augen und versuchte krampfhaft einzuschlafen, doch ichkonnte an nichts anderes denken als an das Gefühl high zu sein. Dochmit zusammengekniffenen Augen, versuchte ich dem Drang zuwiederstehen.
Ich war nicht Drogenabhängig. Es war keine Sucht,ich hatte alles unter Kontrolle.

Amélies Sicht:

Amnächsten Morgen wachte ich auf und lag auf Justins Brust. Meinen Armhatte ich um ihn geschlungen und seinen Herzschlag spürte ich untermeiner Wange.
„Du bist wach." flüsterte die schönste Stimmeder Welt. Verwirrt schaute ich zu ihm hoch und strahlte über beideOhren. Allerdings sah Justin immer noch ziemlich fertig aus.
„Wielange hast du geschlafen? Sei ehrlich!" murmelte ich, ohne auch nurvon seiner Brust runter zu gehen.
„Zwei Stunden." gestand erehrlich. Ich seufte, doch ging nicht weiter darauf ein, denn daswürde nichts bringen. Es war schon 12 Uhr, weshalb Justin wohl schonsehr lange wach sein musste. Ich krabbelte aus dem Bett und schnapptemir frische Sachen aus dem Kleiderschrank.
Als ich eine Stundespäter komplett fertig war, musterte Justin mich ebenfalls fertigangezogen, von oben bis unten. Er grinste wie ein Honigkuchenpferdund drückte mir einen Kuss auf die Wange.
„Du siehst tollaus."
Ich wurde sofort rot im Gesicht und zog mir meineWinterjacke über mein Outfit. Dieses bestand aus einer Jeans undeinem Pullover. Außerdem trug ich genau die Schuhe, die Justin nichtmochte, aber das war mir egal.
Wirhatten bereits gefrühstückt und machten uns zu Fuß auf den Weg zumFriedhof.
Es versetzte mir einen Stich im Herzen, wenn ich darandachte, nie bei Nick am Grab gewesen zu sein. Er war doch mein Vaterund nie hatte ich den Mut dazu, ihn zu besuchen. Viel mehr war ichdamit beschäftigt einem Jungen nach dem Anderen das Herz zu brechen,eine Schlampe zu werden und mich letztendlich doch wieder in Justinzu verlieben.
Zögernd blieb ich vor dem Tor des Friedhofesstehen und atmete tief ein und aus. Es fiel mir wirklich nichtleicht, den Friedhof zu betreten.
Justin wollte weitergehen,doch als er sah, dass ich stehen blieb, kam er zu mir.
„Hey...ich bin bei dir", flüsterte er leise. Er legte seinen linken Armum mich und ging mit mir zusammen auf den Friedhof. Zum Glück gab ermir etwas Kraft, mit der ich den Besuch schon überstehen würde.
Ich wusste, wo Nicks Grab war und somit steuerten wir esgeradewegs an.
Es war ziemlich kalt heute und der Himmel sah aus,als würde es später noch schneien, doch das war mir egal. Ichkniete mich trotzdem vor das Grab und Justin tat es mir gleich. Ersetzte seine Kapuze auf, damit er nicht noch von irgendwelchen Leutenerkannt wurde und sah mich dann die ganze Zeit von der Seite an,während ich auf den Grabstein starrte.
„Hey Dad..", hauchteich mit zitternder Stimme. „Es tut mir leid, dass ich niehergekommen bin, aber... im letzten Jahr ist viel passiert... Ich binjetzt selbst berühmt und bin auf Tour und... Justin und ich...wir... wir haben nicht geheiratet. Ich hab Scheiße gebaut und ichhätte dich so gerne in den Arm genommen, als es mir schlecht ging.Ich hätte mir gerne von dir eine Standpauke angehört, wie dumm ichwar.. Aber... leider warst du nicht da, um mich anzumeckern und michim nächsten Moment wieder zu trösten... Ich..."
Meine Stimmebrach weg und ich spürte immer noch Justins Blick auf mir. Er zogmich an sich und schlang beide Arme um meinen Bauch, während ermeine Wange küsste.
„Halte deine Tränen nicht zurück,Shawty. Es ist okay, wenn du weinst." raunte Justin mir ins Ohr.Wieso merkte dieser Junge immer, wenn ich weinen wollte? Oder, wennich meine Gefühle zurückhielt?
Es lief eine Träne über meineWange, die Justin sofort mit seinem Daumen wegwischte. Ich starrteweiterhin den Grabstein an und murmelte schließlich: „Ich vermissedich, Dad."
Dann brachen alle Dämme und ich fing an zu heulen.

Justin drückte mich an sich und ich vergrub mein Gesichtsofort an seiner Brust. Er strich über meinen Rücken und ließ micheinfach weinen. Das liebte ich so an Justin. Er versuchte gar nicht,irgendetwas zu sagen, er ließ mich einfach weinen und tröstete michohne Worte.
Justin wusste nicht, wieviel Kraft er mir mit einerUmarmung geben konnte. Er drückte mir einen Kuss auf den Scheitelund strich mir sanft durch die Haare. Ich löste mich von ihm undwischte mir die Tränen von den Wangen.
Justin strich mir eineHaarsträhne hinter das Ohr und lächelte mich an, während seineHand auf meiner Wange ruhte. Er wischte eine Träne weg, die sichdoch noch den Weg über meine Wange bahnte und küsste meineNasenspitze.
„Können wir bitte... wieder gehen?" fragte ichzögernd. Justin nickte und wir standen beide auf. Allerdings sahJustin nochmal den Grabstein an und atmete tief ein und aus.
„Ichhab dir versprochen, auf deine Tochter aufzupassen... und das werdeich auch weiterhin tun. Für immer." flüsterte er, bevor Justinmeine Hand nahm und mich anlächelte.
Wir gingen mit gesenktemKopf vom Friedhof und hatten Glück, dass heute kaum jemand unterwegswar. Stumm starrte ich auf unsere Hände, die miteinander verschränktwaren und spürte tausende Schmetterlinge in meinem Bauch fliegen.
„Hast du noch Lust auf einen Spaziergang?" flüsterte Justinleise. Er schaute kurz nach vorne und sah zwei Jugendliche auf unszukommen, weshalb er seine Hand aus meiner löste und sie in seineJackentasche steckte. Ich seufzte traurig, aber nickte schließlich.
„Lass uns zum See, da brauchen wir keine Angst haben, dass Fansuns entdecken."
Wir gingen mit fast einem Meter Abstand zum Seeund ich zeigte Justin eine kleine Ecke, die zum Ufer führte und woman komplett ungestört war. Auf dem Weg dorthin, blieb Justinplötzlich stehen.
„Warte, mein Handy hat vibriert."

Erholte es aus seiner Hosentasche und dabei fiel auch eine kleine Tütemit raus. Justin hatte es offenbar nicht bemerkt, denn er las sicheine SMS durch und schrieb eine Antwort, während ich das Tütchen indie Hand nahm und das Gras darin anstarrte.
„Justin... Wiesohast du das Zeug dabei?" fragte ich ihn mit enttäuschtem Unterton.Justin steckte sein Hand weg und wollte mir die Tüte aus der Handreißen, aber ich hielt sie von ihm weg und starrte ihn miterwartungsvollem Blick an.
„Khalil hat es mir gegeben. Ichbrauch das, okay?" sagte Justin leise. „Und jetzt gib mir daswieder, Amélie."
Ich schüttelte den Kopf und war schon dabeidie Tüte zu öffnen, um das Zeug wegzukippen, doch Justin griffabrupt nach meiner Hand und sah mich flehend an.
„Améliebitte. Gib's mir wieder. Ich erkläre es dir, aber bitte.. ichbrauche es!"
Ich sah in seine Augen und Justin sah soverzweifelt aus, dass ich ihm die Tüte wiedergab. Er steckte siezurück in seine Hosentasche. „Danke."
Ich verschränktemeine Arme vor der Brust und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauenan.
„Dann erkläre es mir, Justin... Wieso kannst du dich nichtan dein Versprechen halten und das Kiffen sein lassen? Wieso brauchstdu das Zeug so dringend? Wieso hast du dich so stark verändert? Icherkenne dich nicht mehr wieder. Ich vermisse den alten Justin! Undich will endlich den Grund wissen, wieso du immer weiter machst,obwohl du merkst, dass du abstürzt", sagte ich besorgt.
Justinfuhr sich durch die Haare und leckte sich über die Lippen. Eröffnete immer wieder den Mund, um etwas zu sagen, aber es kamenkeine Worte raus. Er nahm meine Hand und ging mit mir zum Ufer, woeine Holzbank stand. Wir setzten uns rauf und Justin spielte nervösmit seinen Fignern.
„Ich kiffe nicht, um cool zu sein oderso... Ich kiffe, weil... weil ich das Gefühl hab, dass dieTabletten, die ich nehmen muss, nicht mehr wirken."
Mitoffenem Mund sah ich ihn an. Er wich meinem Blick aus und starrte dengroßen See an.
Ich war total geschockt von seinen Worten. Dieganze Zeit dachte ich, er würde es tun um cool zu sein, um endlichein Bad Boy Image zu haben. Doch da hatte ich mich wohl gewaltiggeirrt.
„Justin... was für Tabletten?"

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