Justins Sicht:
As ich nachts irgendwann aufwachte, starrte ich als allererstes auf die Uhr.
3:46 Uhr.
Ich hatte tatsächlich fast vier Stunden geschlafen, aber besser fühlte ich mich dadurch nicht. Mein Kopf dröhnte wie verrückt und mir war extrem schlecht.
Schwer atmend zog ich mir meine Boxershorts an und legte mich wieder vernünftig hin. Ich drehte mich zu Jamie um, die immer noch friedlich schlief. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich Amélie betrogen hatte und ich verspürte ein Stechen in meinem Herzen. Sie durfte es auf gar keinen Fall erfahren, ansonsten konnte ich unsere Beziehung vergessen.
Ich schloss wieder die Augen und wollte schlafen, doch stattdessen wurde mir übel und ich rannte ins Badezimmer, um mich zu übergeben.
Seit ich Ecstasy in Verbindung mit anderen Drogen - zum Beispiel Nikotin oder Alkohol - nahm, ging es mir zunehmend schlechter und ich musste ständig erbrechen. Ehrlich gesagt wäre das ein Grund mit den Drogen aufzuhören, aber ich konnte es nicht. Dazu fühlte sich der Rausch zu gut an.
Ich putzte meine Zähne und klatschte mir kaltes Wasser ins Gesicht.
Anschließend trocknete ich es wieder ab und betrachtete mich im Spiegel. Das Ecstasy ließ mich nicht wirklich gut aussehen. Ich wurde durch das ständige Übergeben immer dünner und fühlte mich immer schwächer, aber trotzdem brauchte ich den Stoff, denn ansonsten passierte das, was gerade passierte.
Ich begann zu zittern, Schweiß bildete sich auf meiner Stirn und mir war heiß und kalt gleichzeitig.
Schnell ging ich zurück ins Schlafzimmer und holte das Döschen mit den Tabletten aus meinem Rucksack. Mit zitternden Fingern öffnete ich es und nahm mir gleich zwei Tabletten raus. Ich schluckte beide und blieb auf dem Boden sitzen, bis das Zittern ein Ende hatte und ich mich wieder normal fühlte.
„Justin?", flüsterte Jamie plötzlich. Ich sah sie an und zog die Augenbrauen hoch. „Ist alles okay?", wollte sie verschlafen wissen.
Ich nickte und wischte mir den Schweiß von der Stirn.
„Alles bestes, schlaf weiter!"
Sie brauchte auch gar nicht lange, da war sie schon wieder eingeschlafen. Ich stand vorsichtig auf und legte mich ins Bett, aber jetzt war erst recht nicht mehr an Schlaf zu denken, denn die Wirkung setzte ein und hielt mich wie gewohnt wach.
Trotzdem blieb ich ruhig im Bett liegen, denn ich wollte Jamie nicht wecken.
Am nächsten Morgen war ich schon geduscht und angezogen, als Jamie die Augen öffnete und mich lächelnd ansah.
„Guten Morgen!", sagte sie mit einem Strahlen im Gesicht.
„Morgen", murmelte ich ohne zu lächeln. Ich war mit der Situation überfordert, dass ich meine große Liebe betrogen hatte. Und dann war es nicht mal nur eine Knutscherei... nein, ich hatte Sex mit einer Anderen.
Verzweifelt setzte ich mich auf die Bettkante und starrte mein Handydisplay an. Es zeigte ein Bild von Amélie und mir wie wir uns küssten und sofort könnte ich anfangen zu heulen. Wieso hatte ich die perfekteste Frau der Welt betrogen? Was war nur in mich gefahren, dass ich Amélie letzte Nacht komplett aus meinen Gedanken gestrichen hatte?
„Du... hast eine Freundin?", fragte Jamie auf einmal. Ich nickte stumm und starrte weiterhin mein Display an. Dann spürte ich, wie Jamie aufstand und sich anzog. Ich wollte sie dabei gar nicht ansehen, weil ich nicht daran erinnert werden wollte, dass sie nackt neben mir gelegen hatte.
