Justins Sicht:
Wieso musste ich zu Amélie schauen, als ein Mädchen auf sie gezeigt hatte? Ich hätte mir doch denken können, dass meine Ex dort stand.
Ich ignorierte den Stich in meinem Herzen und das Flattern in meiner Magengegend und konzentrierte mich wieder voll und ganz darauf, Autogramme für meine Fans zu schreiben. Selbst meine Mutter musste Autogramme schreiben, immerhin war sie durch ihr Buch noch berühmter geworden und als meine Begleitung musste sie sich sowieso auf Autogramme einstellen.
Nachdem ich so vielen wie möglich ihren Wunsch erfüllt hatte, stellte ich mich mit meiner Mum vor die Fotowand und legte meinen Arm um sie. Ich fand es süß, dass sie viel kleiner war als ich und musste automatisch ein bisschen lächeln.
Doch das restliche Lächeln war gekünstelt, ich konnte nicht richtig lachen, dazu waren die Wunden noch zu tief.
Nach den Fotos versuchten wir uns unauffällig an den anderen Stars vorbeizuschleichen, doch die Reporterin, die vorher mit Amélie geredet hatte, hielt mich auf.
„Justin! Schön, dass du heute Abend hier bist!" sagte sie freundlich.
Ich nickte mit einem gefälschten Lächeln, immerhin waren hier überall Kameras und ich konnte nicht einfach das Interview beenden, bevor es überhaupt begonnen hatte. Deshalb musste ich mich jetzt den Fragen stellen, die ganz sicher nicht wirklich angenehm sein würden.
„Ich freue mich auch sehr, hier zu sein!" gab ich ehrlich zu.
Die Frau lächelte mich freundlich an und ich erwiderte ihr Lächeln, auch wenn es mir nicht leicht fiel.
„Ich hab gerade mit Amélie geredet und ich stelle dir jetzt einfach die gleiche Frage... In zwei Kategorien ist Amélie deine größte Konkurrentin. Was sagst du dazu?"
Schon als sie ihren Namen sagte, zog sich mein Magen schmerzhaft zusammen und es fühlte sich an, als würde mein Herz in tausend Scherben zerspringen, die langsam an meiner Brust kratzten.
„Was soll ich dazu sagen? Die Fans haben entschieden und einer kann nur gewinnen." sagte ich leise.
Die Reporterin war wirklich nett, aber ich wollte nicht mehr mit ihr reden. Ich wollte einfach in die Halle, mir die Show ansehen, meine Auftritte gut hinlegen und dann wieder verschwinden. Doch leider war das nicht ganz so leicht, wie ich es mir vorgestellt hatte.
„Amélie singt heute Abend einen unbekannten Song. Glaubst du er handelt von dir?" fragte die Frau neugierig.
„Wissen Sie.. meine Tour läuft sehr gut, danke." sagte ich genervt und dann drehte ich mich weg und ging mit meiner Mutter in die Halle rein.
„Hat sie dich über Amélie ausgefragt?" wollte meine Mutter leise wissen. Ich nickte nur und drückte ihr einen Kuss auf die Schläfe.
„Komm Mum, bringen wir die Show hinter uns." hauchte ich mit einem gezwungenen Lächeln. Meine Mutter nickte lächelnd und hackte sich bei mir ein. Wir gingen geradewegs zu unserem Platz, wo meine Mutter stürmisch Scooter um den Hals fiel, der schon etwas länger hier war. Sie küsste ihn zärtlich und Scooter erwiderte ihren Kuss.
Ich freute mich so für die beiden, dass sie immer noch so glücklich miteinander waren. Hoffentlich würde das auch ihr Leben lang so bleiben, denn ich könnte es nicht ertragen, wenn meine Mutter unglücklich war.
Amélie saß mit Mac bereits auf ihrem Platz und ich sah, dass sie mich von oben bis unten musterte. Vermutlich bereute sie, dass sie mich betrogen hatte. Sie wollte mich zurück, dass sah ich ihr an, aber sie würde mich nicht mehr bekommen. Sollte sie doch mit ihrem Mac glücklich werden und mich in Ruhe lassen.
