AméliesSicht:
Justin legte seine linke Hand an meine Hüfte undzog mich näher an sich ran. Seine rechte Hand hielt immer noch meinefest verschränkt. Ich starrte für einen kurzen Moment wieder inseine Augen und sah, dass er mir immer noch auf die Lippen schaute.
Dieser Moment zwischen uns war magisch. Es knisterte gewaltig undich fragte mich, ob er dieses Kribbeln auch fühlte.
„EyBizzle!" hörten wir plötzlich Khalil sagen. Justin ging einenSchritt zurück und fuhr sich verlegen durch die Haare. Ich biss mirsanft auf die Unterlippe und versuchte meine Gefühle unter Kontrollezu halten.
„Was?" fragte Justin Khalil neugierig, als er dieKüche betrat.
„Wo hast du das Gras gestern hingepackt?"
Ichverdrehte die Augen und seufzte wütend, weshalb Justin mich mitschuldbewusstem Blick ansah.
„Keine Ahnung, Mann. Ich glaub dieTüte liegt in deinem Koffer." antwortete Justin leise. Dann kam erwieder zu mir und hauchte mir einen Kuss auf die Wange. „Wirtreffen uns in 'ner halben Stunde im Wohnzimmer."
Ich nickteund Justin verschwand aus der Küche. Der Raum erfüllte immer nochdiesen unglaublichen Duft von Justin und ich schloss die Augen um ihnlächeln einzuatmen.
„Wieso macht ihr es euch so kompliziert?Du stehst voll auf ihn und er voll auf dich. Wenn ihr zusammen wärt,könntest du die ganze Zeit mit ihm kuscheln und müsstest jetztnicht wie ein Honigkuchenpferd grinsen, wenn du seinen Dufteinatmest!" sagte Selena auf einmal. Ich öffnete erschrocken dieAugen und sah sie verlegen an. Sofort spürte ich, wie sich meinGesicht rot färbte.
„Woher willst du wissen, dass wiraufeinander stehen?" murmelte ich leise.
Selena verdrehte dieAugen und sah mich eindringlich an.
„Ich hab euch geradebeobachtet und wenn Khalil nicht reingekommen wäre, hättet ihr euchgeküsst. Amélie ich war auch mal mit ihm zusammen und ich weiß,wenn Justin verliebt ist! Und er liebt dich abgöttisch."
Ichlachte und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Ichmeine das ernst, Amélie. Justin ist unsterblich verliebt in dich unddu in ihn." flüsterte sie leise, weil Za an der Küche vorbei gingund uns lächelnd zunickte. Ich reagierte nicht darauf, sondern sahSelena wieder in die Augen.
„Wir sind nur Freunde, Sel."
Mit den Worten ging ich in unser Zimmer und stellte mich vormeinen Koffer. Ich wühlte ihn komplett durch, bis ich ein passendesOutfit zum Snowboarden hatte. Es war sicherlich kalt, aber das würdeich schon überleben.
Ich zog mir eine passende Snowboard Hosean, die Justin mir irgendwann mal geschenkt hatte, als wir nochzusammen waren. Dazu trug ich einen dicken Pullover und eine pinkeWinterjacke. Außerdem zog ich mir Snowboard Schuhe an, die ich auchvon Justin bekommen hatte. Dicke Handschuhe nahm ich auch noch mit.
Aufden Kopf setzte ich mir eine Beanie, die hoffentlich warm genug warund dann ging ich aus meinem Zimmer ins Wohnzimmer. Justin saß schonfertig umgezogen auf der Couch, allerdings sahen die Sachen bei ihmwesentlich besser aus, als bei mir.
Er zog gerade an einerZigarette, als er mich ansah und lächelte.
„Du siehstniedlich aus!" sagte er, nachdem er den Rauch raus gepustet hatte.„Es sieht aus als würdest du wie ein kleines Kind im Schneespielen wollen!"
Ich ging zu ihm und haute ihm gegen dieSchulter, doch wegen der dicken Jacke spürte er gar nichts.Stattdessen zog er mich auf seinen Schoß und schlang seine Arme ummich.
„Ich bin froh, dass wir den Tag zusammen verbringen."hauchte er mir ins Ohr. Selena und Ryan waren ebenfalls im Wohnzimmerund Selena grinste mich breit an, als Justin mir einen Kuss auf dieWange gab.
„Wollen wir los?" fragte Justin mich lächelnd.Ich nickte und stand von seinem Schoß auf. Natürlich hatte Justinsein eigenes Snowboard dabei, welches er mitnahm. Wir verabschiedetenuns und stampften dann durch den Schnee bis zu den Liften, mit denenman die Piste hoch fuhr. Wir hatten das Glück, dass unsereFerienhütte nicht so weit von der Piste entfernt war.
Wirstiegen in einen Lift ein und fuhren langsam nach oben, wobei ich mirdie wunderschöne Landschaft ansah.
Zwischen Justin und mirherrschte absolute Stille und ich genoss diese Ruhe. Doch Justinunterbrach die Stille, indem er kurz seufzte und dann begann zusprechen.
„Ich muss dir noch etwas sagen, Amélie..."
Alsich ihn ansah, biss er sich nervös auf der Unterlippe rum, waswirklich sexy aussah. Ich musste endlich diese Gedanken aus meinemKopf kriegen. Er war mein bester Freund, ich durfte nicht so für ihnempfinden, wie ich es tat.
„Und was?" fragte ich ihnneugierig. Justin sah mir in die Augen und überlegte vermutlich, wieer beginnen sollte.
„Ich hab dir vor ein paar Tagenversprochen, nie wieder zu kiffen... Ich... ich bin ein Lügner. Ichhab nie damit aufgehört." flüsterte er leise, ohne michanzusehen.
Ich schaute auf meine Finger, die ich auf meinem Schoßmiteinander verschränkt hatte und nickte.
„Ich weiß, Justin.Za hat's mir gestern erzählt, aber ich bin froh, dass du es mir vonalleine sagst."
Justin starrte mich mit offenem Mund an, alsich Za erwähnte, doch dann lächelte er nur ein bisschen und legteseine Hand auf meinen Oberschenkel. Sein kleiner Finger berührtebeinahe meine Hand und wir starrten beide für einen Moment nur aufunsere Hände.
„Ich... musste es dir jetzt erzählen. Ich habAngst, dich zu verlieren. Deswegen musste ich ehrlich zu dir sein."
Er streifte kurz meine Hand und ein Stromschlag fuhr durchmeinen Körper. Diese Gefühle, wenn er mich berührte, warenunglaublich. Eine kleine Berührung von ihm brachte mich komplett umden Verstand.
Ein paar Minuten später stand ich auch schonauf Justins Snowboard. Natürlich hatte ich kaum Gleichgewicht, daich noch nie auf einem Snowboard stand, aber Justin stand vor mir undhielt meine Hände fest. Er lachte die ganze Zeit, weil ich mich sotollpatschig anstellte.
„Lach mich nicht aus!" sagte ichschmollend. Justin presste seine Lippen zusammen und unterdrücktesich das Lachen. „Maaaaan! Justin! Hör auf!"
Justin ließmich los und somit fuhr ich alleine ein bisschen, doch dasfunktionierte nicht sehr lange, denn relativ schnell landete ich aufmeinem Hintern.
Justin hielt sich eine Hand vor den Mund undlachte laut los. Ich sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an,weshalb Justin abrupt aufhörte zu lachen. Er kam zu mir und half mirhoch. Dann stellte er sich hinter mich und legte seine Hände anmeine Hüfte.
„Du musst Spannung im Körper haben und beimFahren ein bisschen in die Knie gehen." hauchte er mir ins Ohr. Ichspürte seinen Atem an meiner Wange und genoss das Gefühl, wie seineLippen meine Wange streiften. Ich konnte nicht klar denken, wenn ermir so nahe war.
„Ich glaub ich hab keine Lust mehr zufahren." murmelte ich schließlich. Justin löste sich sofort vonmir und ich stieg vom Snowboard.
„Du bist doch kaum gefahren."sagte Justin enttäuscht. „Bin ich so ein schlechter Lehrer?"
Ich lachte und schüttelte den Kopf.
„Du bist ein tollerLehrer, aber ich glaub Snowboarden ist nichts für mich."
„Okay,dann lass uns zurück zur Hütte."
Ich nickte und stieg in denLift ein, der nach unten fuhr. Justin hingegen stellte sich aufsSnowboard und rauschte die Piste runter.
Als wir wenigspäter in der Hütte ankamen, schaute ich mich nach Denise um. Ichsah Ryan und Selena im Wohnzimmer auf der Couch liegen und runzelteverwirrt die Stirn.
„Wo ist Denise?" fragte ich Selenaneugierig.
Sie schaute zu mir hoch und leckte sich über dieLippen.
„Ich glaub die ist mit Khalil unterwegs."
Ichrunzelte angewidert die Stirn und bedankte mich für ihre Auskunft.
„Ey Bro, wollen wir mit Za Eishockey spielen?" fragte Ryanseinen besten Freund plötzlich. Justin nickte lächelnd und sagtenur kurz, dass er sich umziehen geht.
„Wollen wir denenzuschauen?" wollte Selena wissen.
„Meinetwegen." murmelteich glücklich. Auch ich ging ins Zimmer und suchte mir ein neuesOutfit raus, dass diesmal nur aus einer langen Hose, einem Pulloverund einer warmen Jacke bestand.
Selena kam rein, während ich mich umzog und sah mich mithochgezogenen Augenbrauen an.
„Und? Habt ihr euch geküsst?"
Ich verdrehte die Augen und zog mir meinen Pullover über.
„Neinund das werden wir auch nicht!"
Selena lachte und fuhr sichdurch die Haare.
„Ich denke schon, dass ihr das werdet."flüsterte Selena lächelnd. Auf einmal stand Justin bei uns imZimmer - zum Glück war ich schon angezogen.
„Was werden wir?"fragte er neugierig nach. Oh Gott, wie peinlich. Hatte er unserGespräch etwa mitbekommen?
„Ich hab gerade zu Amélie gesagt,dass ich denke, dass ihr euch heute noch küssen werdet!"
Ichvergrub mein Gesicht in meinen Händen und spürte wie rot ich wurde.Wieso musste Selena ihm das denn so deutlich sagen?
Als ichmich endlich traute, Justin anzusehen, starrte er mich mithalbgeöffnetem Mund an und leckte sich über die Lippen. Icherwiderte seinen Blick und mein Herz schlug rasend schnell. Durfteich Selena bitte erschlagen? Würde Ryan es mir übel nehmen, wennich sie erschlug? Ich hatte panische Angst, dass Justin mich jetztignorierte, weil er dachte ich würde ihn lieben.
Okay, ichliebte ihn... und wie ich das tat, aber das sollte er auf keinen Fallwissen.
„Wie lange wollt ihr euch noch anstarren wie zweiverliebte Idioten?" fragte Selena und plötzlich. Ich löste meinenBlick von Justin und schluckte hörbar.
„Ähm.. also.. wir sindaufm Eis. Ihr könnt ja nachkommen." murmelte Justin leise. Selenanickte und ich dachte mir einen Plan aus, wie ich mich vergrabengehen konnte.
„Verdammt, was sollte das, Selena?!" schrie ichwütend, als Justin und die anderen aus dem Haus verschwunden waren.
Selena lachte triumphierend und setzte sich eine Beanie von ihremFreund auf den Kopf.
„Irgendjemand muss das zwischen euch jamal regeln! Ihr kriegt es ja nicht auf die Reihe!" sagte sie leise.
Ich setzte mir ebenfalls eine Mütze auf und ging dann mit Selenaaus der Hütte. Zum Glück war die Eisfläche direkt hinter unseremHaus, sodass ich schnell wegrennen konnte, falls Justin michirgendwie dumm anmachen sollte.
Ich würde am liebsten imErdboden versinken.
Und als wir uns an die Bande von der Eisbahnstellten, sah Justin mich sofort an. Er lächelte ein bisschen undich lächelte schüchtern zurück.
„Er liebt dich." flüsterteSelena mir ins Ohr. Ich schlug ihr gegen die Schulter und beobachteteJustin beim Eishockey spielen. Er konnte wirklich alles perfekt undich fragte mich manchmal, wie er das machte. Es musste doch irgendwasgeben, dass er nicht beherrschte.
„Ey, Bizzle das war einFoul!" sagte Za plötzlich. Justin schüttelte den Kopf undsprintete mit Schlittschuhen dem schwarzen Puck hinterher, doch dabeirutschte er weg und schleuderte über den Boden. Er lag direkt vormir auf dem Eis und zeigte Za amüsant einen Mittelfinger, weil dersich kaputt lachte.
„Eigentlich wollte ich dich jabeeindrucken, aber das hat wohl nicht so funktioniert." murmelteJustin grinsend. Selena war gerade weg gegangen, weil sie aus derHütte für uns beide eine heiße Schokolade holen wollte.
Ichbeugte mich über die Bande und hielt Justin meine Hand hin um ihmhochzuhelfen. Dabei zog ich ein bisschen zu schwunghaft und Justinknallte gegen die Bande, und sah mir direkt in die Augen.
MeinHerz setzte für einen kurzen Moment aus und ich bekam kaum nochLuft, als Justin mich so eindringlich ansah, dass ich dahinschmolz.Er legte seine rechte Hand an meine Hüfte, um mich so nah wie esging an die Bande zu drücken und seine linke Hand legte er an meineWange. Zärtlich umspielte er eine Haarsträhne mit seinen Fingernund näherte sich dann auch schon meinen Lippen.
Ich wusste garnicht, wie mir geschah. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er michküssen wollte. Doch dann passierte es wirklich: Er legte seineLippen auf meine.
